1 Am ersten Sonntage
nach Trinitatis.
Evang. Luc. 16,19-31 |
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| 2
Wir haben bisher in den Evangelien mancherlei Exempel des Glaubens und
der Liebe; wie denn alle Evangelia Glauben und Liebe lehren, dass ihr,
hoffe ich, reichlich genug wisset, wie kein Mensch Gott gefallen möge,
er glaube und liebe denn. |
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| 3 Nun hält uns der
Herr in diesem Evangelio vor zugleich ein Exempel des Glaubens, und des
Unglaubens oder des gottlosen Standes, dass wir auch an dem Widerspiel
und Gegentheil des Glaubens und der Liebe uns scheuen, und desto fleissiger
dem Glauben und der Liebe anhangen. |
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| 4
Denn hier sehen wir ein Urtheil Gottes über die Gläubigen und
Ungläubigen, welches erschrecklich ist, und auch tröstlich ist.
Erschrecklich den Glaublosen, tröstlich den Gläubigen. |
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| 5 Auf dass wir aber dasselbige
desto besser fassen, müssen wir uns diese beide vorbilden, den reichen
Mann, und den armen Lazarum: an dem (E2) Reichen sehen wir die Art des
Unglaubens; an Lazaro dit art des Glaubens. |
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| 6
Den reichen Mann müssen wir nicht ansehen nach seinem äusserlichen
Wandel; denn er hat Schafskleider an, und sein Leben gleisset und scheinet
hübsch, und decket den Wolf meisterlich: denn das Evangelium schilt
ihn nicht, dass er Ehebruch, Mord, Raub, Frevel, oder irgend etwas begangen
habe, das die Welt oder Vernunft tadeln möchte? Er ist ja so ehrbarlich
an seinem Leben gewesen, als jener Pharisäer, der zweimal in der Wochen
fastete, und nicht that, wie die andern Leute, davon Lucas 18,12 auch saget. |
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| 7 Denn wo er solche grobe
Knoten hätte gewirkt, würde sie das Evangelium haben angezeiget,
weil es ihn so gar genau suchet, dass es auch sein Purpurkleid und Essen
anzeiget, das doch äusserliche Dinge sind, und Gott nicht daselbst
nach richtet; darum muss er gar einen feinen heiligen Wandel äusserlich
geführet, und nach seinem und aller andrer Dünken das ganze Gesetz
Mosis gehalten haben. |
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| 8
Sondern man muss ihm ins Herz sehen, und seinen Geist richten. Denn das
Evangelium hat scharfe Augen, und siehet tief in's Herzens Grund; tadelt
auch die Werke, die die Vernunft nicht tadeln kann, und siehet nicht auf
die Schafskleider, sondern auf die rechte Frucht des Baums, ob er gut oder
nicht gut sey, wie der Merr im Matthäo 7,17 lehret. |
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| 9 Also, wenn wir hier diesen
reichen Mann ansehen nach den Früchten des Glaubens, so werden wir
finden ein Herz und einen Baum des Unglaubens. Denn das Evangelium strafet
ihn, dass er sich täglich hat köstlich gespeiset und herrlich
gekleidet, welches doch keine Vernunft für sonderliche grosse Sünde
achtet. Dazu die Werkheiligen meinen, es sey recht, und sie sind es werth,
und haben's verdienet mit ihrem heiligen Leben, und sehen nicht, wie sie
daran sündigen mit Unglauben. |
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| 10
Denn dieser reiche Mann wird nicht darum gestrafet, dass er köstliche
Speise und herrliche Kleider gebraucht hat; sintemal viel Heiligen, Könige
und Königinnen vor Zeiten herrliche Kleider getragen haben, als Salomon,
Esther, David, Daniel, und andere (E3) mehr; sondern dass sein Herz darnach
gestanden, solches gesucht, daran gehangen und erwählet, alle seine
Freude, Lust und Gefallen, und gleich seinen Abgott daran gehabt hat. |
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| 11 Das zeiget an Christus mit
dem Wort, "täglich", dass er täglich also herrlich gelebt hat.
Daraus man merket, dass er solches Leben mit Fleiss gesucht und erwählet,
nicht dazu gedrungen, oder Zufalls, oder Amts halben, oder seinem Nächsten
zu Dienste drinnen gewesen ist: sondern nur seine Lust damit gebüsset,
und ihm selbst gelebt und gedienet hat. |
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| 12
Daran spüret man seines Herzens heimliche Sünde, den Unglauben,
als an der bösen Frucht. Denn wo der Glaube ist, der fraget nicht
nach herrlichen Kleidern und nach köstlicher Speise, ja, nach keinem
Gut, Ehre, Lust, Gewalt, und allem, das nicht Gott selber ist; |
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| 13 suchet, trachtet und hanget
an nichts, denn an Gott, dem höchsten Gut alleine; gilt ihm gleich,
köstliche und geringe Speise, herrliche und schlechte Kleider. Denn
ob sie gleich köstliche Kleider tragen, grosse Gewalt und Ehre haben,
so achten sie doch der keines, sondern werden dazu gedrungen, oder kommen
Zufalls dazu, oder müssen's einem andern zu Dienste thun. |
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| 14
Also spricht die Königin Esther, dass sie ungerne ihre königliche
Krone trug, sie musste es aber um des Königes willen thun. David wäre
auch lieber ein gemeiner Mann gewesen, aber er musste um Gottes und des
Volks willen König seyn. |
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| 15 Also halten sich alle Glaubigen,
dass sie zu der Gewalt, Ehre und Herrlichkeit gezwungen werden, und bleiben
immer mit dem Herzen davon, und handeln mit äusserlichem Wesen ihrem
Nächsten zu Dienste, wie der 62. Psalm v. 11. sagt: "Verlasset euch
nicht auf Unrecht und Frevel, haltet euch nicht zu solchen, da nichts ist;
fället euch Reichthum zu, so hänget das Herz nicht daran". |
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| 16
Aber wo Unglaube ist, da fällt der Mensch darauf, klebet daran, suchet
es, und hat keine Ruhe, bis er's erlange; und wenn er's überkommt,
so weidet und mästet er sich darinnen, wie eine Sau im Dreck, und
hat gleich seine Seligkeit darinnen; fraget nichts darnach, wie sein Herz
mit Gott stehe, und was er an demselbigen haben und gewarten soll, sondern
der Bauch (E4) ist sein Gott; und wenn er's nicht haben kann, dünket
ihn, es gehe nicht recht zu. |
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| 17 Siehe, solche greuliche böse
Früchte des Unglaubens siehet dieser reiche Mann nicht, und decket
sie zu, und blendet sich selbst mit viel guten Werken seines pharisäischen
Lebens, und verstocket sich selbst also, bis dass da keine Lehre, Vermahnung,
Dräuen, noch Verheissen hilft. Siehe, das ist die heimliche Sünde,
die das Evangelium straft und verdammt. |
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| 18
Daraus folget nun die andere Sünde, dass er der Liebe gegen seinem
Nächsten vergisset; denn da lässt er den armen Lazarum vor seiner
Thür liegen, und thut ihm keine Hülfe. |
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| 19 Und ob er personlich nicht
hätte ihm wollen etwas helfen, dass er's doch seinen Knechten befohlen
hätte, dass sie ihn in einen Stall trügen und sein warteten. |
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| 20 Das machet, er hat ganz keinen
Verstand von Gott, hat auch seiner Güte nie nichts gefühlet.
Denn wer Gottes Güte fühlet, der fühlet auch seines Nächsten
Unfall; wer aber Gottes Güte nicht fühlet, der fühlet auch
seines Nächsten Unfall nicht. Darum, wie ihm Gott nicht gefället,
so gehet ihm auch sein Nächster nicht zu Herzen. |
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| 21
Denn der Glaube hat die Art, dass er sich zu Gott alles Guten versiehet,
und allein auf den Gott sich verlässet. Aus diesem Glauben erkennet
denn der Mensch Gott, wie er so gut und gnädig sey, dass aus solchem
Erkenntniss sein Herz weich und barmherzig wird, dass er jedermann auch
gern also thun wollte, wie er fühlet, dass ihm Gott gethan hat; |
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| 22 darum bricht er aus mit Liebe,
und dienet seinem Nächsten aus ganzem Herzen, mit Leib und Leben,
mit Gut und Ehre, mit Seel und Geist, und setzet alles zu ihm, wie ihm
Gott gethan hat; darum siehet er auch nicht nach gesunden, hohen, starken,
reichen, edlen, heiligen Leuten, die sein nicht bedürfen, sondern
nach kranken, schwachen, armen, verachteten, sündigen Menschen, denen
er nütze seyn kann, und sein weiches Herz an ihnen üben, und
thun, wie ihm Gott gethan hat. |
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| 23
Aber der Unglaube hat die Art, dass er sich nichts Gutes zu Gott versiehet.
Aus welchem Unglauben denn sein Herz verblendet wird, dass er nicht fühlet
(E5) noch erkennet, wie gut und gnädig Gott sey; sonern, wie der Psalm
14,3 sagt, "er achtet Gottes nicht, fraget auch nicht nach ihm". |
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| 24 Aus solcher Blindheit folget
denn weiter, dass sein Herz so hart, verstockt und unbarmherzig wird, dass
er keinem Menschen Lust hat zu dienen, ja vielmehr jedermann zu schaden
und zu beleidigen. |
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| 25 Denn wie er nichts Gutes
an Gott fühlet, so fühlet er auch keine Lust Gutes zu thun seinem
Nächsten. Daher folget denn, dass er nicht siehet nach kranken, armen,
verachteten Menschen, denen er nütze seyn und wohlthun könnte
und sollte, sondern wirft die Augen auf, udn siehet nur nach Hohen, Reichen,
Mächtigen, davon er selbst Nutz, Gut, Lust und Ehre haben möge. |
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| 26
Also sehen wir nun an diesem Exempel des reichen Mannes, dass unmöglich
ist lieben, wo nicht Glaube ist, und unmöglich glauben, da nicht Liebe
ist; denn es will und muss beides bei einander seyn, dass ein Gläubiger
jedermann liebet und jedermann dienet; ein Ungläubiger aber jedermann
feind ist im Herzen, und von jedermann ihm gedienet haben will; |
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| 27 und doch solche greuliche,
verkehrte Sünden alle decket mit einem geringen Schein seiner heuchlerischen
Werke, mit dem Schafsbalg; gleichwie der grosse Vogel Strauss, der so thöricht
ist, wenn er den Hals mit einem Reisse bedecket, so meinet er, dass sein
ganzer Leib bedecket sey. |
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| 28 Ja, hier siehest du, dass
kein blinder und unbarmherziger Ding sey, denn Unglaube: denn hier sind
die Hunde, die doch die zornigste Thiere sind, barmherziger über diesen
Lazarum, denn dieser reiche Mann, und erkennen des aruemn Noth, und lecken
seine Schwären; so doch der verstockte, verblendete Heuchler so hart
ist, dass er ihm die Brosamlein seines Tisches nicht gönnet. |
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| 29
Dieser Art des reichen Heuchlers sind nun alle glaublose Menschen. Der
Unglaube lässt sich nicht anders thun noch seyn, denn wie dieser reiche
Mann sie abmalet und anzeiget mit seinem Leben. |
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| 30 Und sonderlich sind der Art
die Heuchler, die für die Geistlichen wollen gerühmet seyn, als
unsrer Papisten- und Pfaffenvolk, (wo unter ihnen noch so gute sind,) wie
wir (E6) vor Augen sehen, die kein rechtargit gut Werk nimmer thun, sondern
nur gute Tage haben, niemand dienen noch nutz sind, sondern von jedermann
ihnen dienen lassen: Rips raps nur in meinen Sack, ein andrer habe, was
er mag. |
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| 31 Und ob etliche
nicht haben köstliche Speise und Kleider, so mangelt es doch am Willen
nicht. Denen folgen denn nach die Reichen, Fürsten und Herren, thun
viel gute heuchlerische Werke mit Stiften und Kirchenbauen, damit sie den
grossen Schalk, den Wolf des Unglaubens, decken, dass sie verstockt und
verhärtet, und keinem Menschen nütze werden. Das ist der reiche
Mann. |
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| 32
Den armen Lazarum müssen wir auch nicht äusserlich ansehen mit
seinem Geschwär, Armuth und Kummer. Denn viel Menschen sind, die auch
Jammer und Noth leiden, und doch nichts daran gewinnen; als der König
Herodes ein böses Leiden hatte, wie in den Geschichten der Aposteln
12,13 geschrieben stehet; |
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| 33 aber dadurch hatte er's nichts
desto besser vor Gott: denn Armuth und Leiden macht niemand vor Gott angenehm;
sondern, wer zuvor vor Gott angenehm ist, dess Armuth und Leiden ist vor
Gott köstlich, wie der 116 Psalm v. 15. sagt: "Wie theuer ist der
Tod seiner Heiligen vor dem Herrn". |
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| 34 Also müssen wir auch
Lazaro in's Herz sehen, und den Schatz suchen, der seine Schwären
so köstlich gemachet hat; das ist aber sein Glaube und Liebe gewisslich
gewesen: denn ohne Glauben kann Gott nichts gefallen: wie der Meister der
Epistel zu den Hebräern sagt, 11,6. |
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| 35
Darum muss sein Herz also gestanden seyn, dass er auch mitten in solchem
Armuth und Elend sich zu Gott alles Guten versehen, und tröstlich
sich auf ihn verlassen hat: an welcher Güte und Gnade er ihm hat so
reichlich lassen begnügen, und ein solch' Gefallen daran gehabt, dass
er herzlich gerne noch mehr Jammers hätte gelitten, wenn der Wille
seines gnädigen Gottes das gewollt hätte. |
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| 36 Siehe, das ist ein rechter
lebendiger Glaube, der ihm durch Erkenntniss göttlicher Güte
sein Herz erweichet hat, dass ihm nichts zu schwer noch zu viel gewesen
wäre zu leiden und zu thun. (E7) Ein solch' geschickt Herz machet
der Glaube, wenn er Gottes Gnade fühlet. |
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| 37
Daraus folget nun die andere Tugend, nämlich die Liebe des Nächsten,
dass er auch willig und bereit gewesen ist, jedermann zu dienen; aber weil
er arm und elend ist, hatte er nichts, damit er dienen konnte; darum wird
sein guter Wille für die That gerechnet. |
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| 38
Aber diesen Mangel leibliches Dienstes erstattet er gar reichlich durch
einen geistlichen Dienst. Denn jetzund, nach seinem Tode, dienet er der
ganzen Welt mit seinen Schwären, Hunger und Elend. |
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| 39 Sein leiblicher Hunger speiset
unsern geistlichen Hunger; seine leibliche Blossheit kleidet unsere geistliche
Blossheit; seine leibliche Schwären heilen unsere geistliche Schwären;
damit, dass er uns mit seinem Exempel lehret und tröstet, wie Gott
einen Gefallen an uns habe, wenn es uns übel gehet auf Erden, so wir
glauben; und uns warnet, wie Gott einen Zorn habe über uns, wenn es
uns wohl gehet im Unglauben; gleichwie Gott an ihm in seinem Elend Gefallen,
und am reichen Mann einen Missgefallen gehabt hat. |
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| 40
Sage mir, welcher König vermöchte mit allem seinem Gut aller
Welt einen solchen Dienst zu thun, als dieser arme Lazarus mit seinen Schwären,
Hunger und Armuth gethan hat? O der wunderbarlichen Werke und Urtheil Gottes!
Wie schändet er so meisterlich die kluge Närrin, die Vernunft
und weltliche Weisheit. |
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| 41 Sie gehet daher und siehet
lieber den schönen Purpur des reichen Mannes, denn die Wunden des
armen Lazari; sie siehet lieber einen gesunden schönen Menschen, wie
der reiche Mann war, denn einen greulichen und nacketen, wie Lazarus war;
ja, sie stopfet ihre Nase zu vor dem Gestank seiner Wunden, und wendet
die Augen von seiner Blösse. |
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| 42
Indess lässt sie Gott gehen, die grosse Närrin, vor solchem edlen
Schatz über, und urtheilet immer für sich in der Stille sein
Urtheil, und machet dieweil den armen Menschen so theuer und köstlich,
dass darnach alle Könige nicht würdig sind, ihm zu dienen und
seine Schwären zu wischen. |
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| 43 Denn welcher König,
meinest du, würde jetzund nicht aus ganzem Herzen seine (E8) Gesundheit,
Purpur und Krone für die Schwären, Armuth und Elend dieses Lazari
gerne geben, wenn es ihm werden möchte? Und welcher Mensch ist, der
jetzt auch einen Dreck geben wollte für den Purpur und ganzes Reichthum
dieses reichen Mannes? |
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| 44
Meinist du nicht, dass dieser Reiche selbst, wenn er nicht so blind gewesen
wäre, und gewusst hätte, dass ein solcher Schatz, so ein theurer
Mann vor Gottes Augen, vor seiner Thür läge, er wäre heraus
gelaufen, hätte ihm seine Schwären gewischet und geküsset,
in seine besten Betten gelegt; alle sein Purpur und Reichthum hätte
ihm müssen dienen? |
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| 45 Aber zu der Zeit, da Gottes
Urtheil gieng, sahe er's nicht, dass er es thun konnte. Da dachte Gott:
Wohlan, du sollst auch nicht werth seyn, dass du ihm dienest. Darnach,
da nun das Gerichte und Werk Gottes aus ist, siehet sich um, und da er
nun in der Hölle leidet, gäbe er gerne Haus und Hof, dem
er zuvor nicht einen Bissen Brods geben wollte; und begehret nun, dass
ihm Lazarus mit den äussersten Theil des Fingers seine Zunge kühlt,
den er zuvor nicht anrühren wollte. |
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| 46
Siehe, solches Urtheils und Werks macht Gott nbocn täglich die Welt
voll, und niemand siehet es, ja, jedermann verachtet es. Da, da sind vor
unsern Augen Arme und Dürftige, die Gott als den grössten Schatz
uns vorleget; |
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| 47 aber wir thun die Augen zu
gegen sie, und sehen nicht, was Gott da machet, hinten nach, wenn Gott
nun ausgemachet hat, und wir den Schatz versäumet haben, so kommen
wir denn und wollen dienen, so ist's zu lange geharret. |
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| 48 So fahen wir denn an, und
machen Heiligthum aus ihren Kleidern und Schuhen, und Gefässen, und
riehcten Wallfahrten an, bauen Kirchen auf ihre Gräber, und haben
viel zu schaffen mit dem Narrenwerk, spotten unser selbst, dass wir die
lebendigen Heiligen mit Füssen treten und verderben haben lassen,
und nun ihre Kleider, da es nicht noth noch nütze ist, ehren: |
|
| 49 dass uns freilich unser Herr
das Urtheil fällen wird, wie er im Matthäo 23,29-33 sagt: "Wehe
euch Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr die Propheten
(E9) Gräber bauet, und schmücket der Gerechten Gräber, und
sprecet: Wären wir zu unsrer Väter Zeiten gewesen, so wollten
wir nicht theilhaftig seyn mit ihnen an der Propheten Blut. |
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| 50 So gebet ihr zwar über
euch selbst Zeugniss, dass ihr Kinder seyd derer, die die Propheten getödten
haben. Wohlan, erfüllet auch ihr das Maass eurer Väter. Ihr Schlangen,
ihr Orterngezüchte, wie wollet ihr der höllischen Verdammniss
entrinnen?" |
|
| 51
Dieser Art des armen Lazari sind alle Gläubigen, und sind allesamt
rechte Lazari; denn sie sind gleiches Glaubens, Sinnes und Willens, wie
dieser Lazarus. Und wer nicht ein Lazarus seyn wird, der wird gewisslich
mit dem reichen Schwelger in der Höllen Glut sein Theil haben. |
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| 52 Denn wir müssen alle,
wie Lazarus, mit dem rechten Glauben auf Gott trauen, ihm uns ergeben,
nach allen seinem Willen mit uns zu handeln, und bereit seyn jedermann
zu dienen. Und ob wir nicht alle solche Schwären und Armuth leiden,
so muss doch derselbige Wille und Meinung in uns seyn, die in Lazaro waren,
solches gerne anzunehmen, wo es Gott haben wollte. |
|
| 53
Denn solche Armuth des Geistes kann wohl in grossen Gütern stehen;
wie Hiob, David, Abraham, arm und reich gewesen sind. Denn David spricht
Psalm 39,15: "Ich bin beide, dein Pilgrim und dein Bürger, wie alle
meine Väter". Wie gieng das zu, so er doch ein König war und
gross Land und Städte hatte? |
|
| 54 Also gieng es zu: ob er solches
wohl hatte, so hieng er doch nicht daran mit dem Herzen, und war ihm eben
als nichts, vor dem Gut, so er vor Gott hatte. Also hatte er auch von seiner
Gesundheit gesagt, dass ihm eben so viel als nichts wäre gegen der
Gesundheit vor Gott, und hätte wohl mögen leiden auch äusserliche
Schwären und Krankheit. |
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| 55
Also auch Abraham, ob er wohl solche Armuth und Krankheit nicht hatte,
wie Lazarus, hat er doch eben den Sinn und Willen, dieselbigen anzunehmen,
den Lazarus hatte, wenn sie ihm Gott hätte zugefüget. Denn die
Heiligen sollen einerlei Sinn und Muth haben innerlich, aber sie können
nicht einerlei Werk und (E10) Leiden haben äusserlich. |
|
| 56 Darum erkennet auch Abraham
diesen Lazarum für den Seinen, und nimmt ihn in seinen Schoos; welches
er nicht thäte, wenn er nicht gleiches Sinnes wäre,und Gefallen
hätte an Lazari Armuth und Krankheit. Das sey gesagt der Summa und
Meinung des Evangelii, dass wir sehen, wie allenthalben der Glaube selig
mache, und der Unglaube verdamme. |
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| 57
Nun bringet das Evangelium etliche Fragen mit sich. Die erste: Was der
Schoos Abrahams sey? Hierauf zu antworten, ist zu wissen, dass des Menschen
Seele oder Geist keine Ruhe oder Statt hat, da er möge bleiben, denn
das Wort Gottes, bis dass er am jüngsten Tage zur hellen Beschauung
Gottes komme. |
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| 58 Darum halten wir den Schoos
Abrahä nichts anders, denn das Wort Gottes, da dem Abraham Christus
verheissen ward, 1. Mos. 22,18. nämlich, "durch deinen Saamen sollen
alle Völker gesegnet werden." In diesen Worten ist Christus ihm zugesaget,
als durch den jedermann gesegnet, das ist, von Sünde, Tod und Hölle
erlöset werden soll, und sonst durch niemand, noch durch keine Werke. |
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| 59 Alle, die nun an diesen Spruch
geglaubet haben, die haben an Christum geglaubet, und sine rechte Christen
gewesen, und sind also durch den Glauben an diess Wort von Sünden,
Tod und Hölle erlöset. |
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| 60
Also sind alle Väter vor Christi Geburt in den Schoos Abrahams gefahren,
das ist, sie sind im Sterben mit festem Glauben an diesem Spruch Gottes
blieben, und in dasselbige Wort entschlafen, gefasset und bewahret, als
in einem Schoos, und schlafen auch noch darinnen bis an den jüngsten
Tag; |
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| 61 ausgenommen die,
so mit Christo schon sind auferstanden, wie Matth. 27,52. schreibet, woe
sie also geblieben sind. Gleichwie auch wir, wenn wir sterben, uns erwegen
und ergeben müssen mit starkem Glauben in das Wort Christi, da er
sagt Joh. 11,26: "Wer an micht glaubet, der wird nimmermehr sterben," oder
desgleichen; und also darauf sterben, entschlafen, und in Christi Schoos
gefasset und bewahret werden, bis an den jüngsten Tag. |
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| 62 Denn es (E11) ist eben dasselbige
Wort, das zu Abraham und zu uns gesagt ist; alle beide sagen sie von Christo,
dass wir durch den müssen selig werden. Jenes aber heisst Abrahams
Schoos, darum, dass es zu Abraham am ersten gesagt ward, und an ihm anfieng. |
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| 63
Also, wiederum, kann die Hölle an diesem Ort nicht seyn die rechte
Hölle, die am jüngsten Tag angehen wird. Denn des Reichen Leichnam
ist ohne Zweifel nicht in die Hölle, sondern in die Erde begraben;
es muss aber ein Ort seyn, da die Seele seyn kann, und keine Ruhe hat,
derselbige kann nicht leiblich seyn. |
|
| 64 Darum achten wir, diese Hölle
sey das böse Gewissen, das ohne Glauben und Gottes Wort ist, in welchem
die Seele begraben ist, verfasset bis an den jüngsten Tag, da der
Mensch mit Leib und Seele in die rechte leibliche Hölle wird verstossen
werden. |
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| 65 Denn, gleichwie Abrahams
Schoos Gottes Wort ist, darinnen die Gläubigen durch den Glauben ruhen,
schlafen und bewahret werden bis an den jüngsten Tag; also muss je
wiederum die Hölle seyn, da Gottes Wort nicht ist, darinnen die Ungläubigen
durch den Unglauben verstossen sind bis an den jüngsten Tag. Das kann
nichts anders, denn ein leer, unglaubig, sündig, bösses Gewissen
seyn. |
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| 66
Die andere Frage: "Wie gehet denn das Gespräch zu, mit Abraham und
dem reichen Manne?" Antwort: Es kann je kein leiblich Gespräch seyn,
sintemal ihrer beider Leib in der Erden begraben liegen; also wenig als
auch eine leibliche Zunge ist, die der Reiche klaget in der Hitze; auch
kein leiblicher Finger oder Wasser, dess er von Lazaro begehret. |
|
| 67 Darum muss solches alles
im Gewissen zugehen, auf die Weise: Wenn das Gewissen im Sterben oder Sterbensnöthen
eröffnet wird, so wird es gewahr seines Unglaubens, und siehet denn
allererst den Schoos Abrahams, und die darinnen sind, das ist, das Wort
Gottes, daran er sollte geglaubet haben, und hat es nicht gethan; davon
er denn die allergrösseste Pein und Angst, wie in der Hölle,
hat, und findet keine Hülfe noch Trost. |
|
| 68
Da heben sich denn solche Gedanken im Gewissen, die solch Gespräch
hielten, wenn sie reden könnten, wie dieser Reiche mit Abraham hält,
und suchet denn, ob (E12) ihm das Wort Gottes, und alle, die daran geglaubet
haben, helfen wollen, so ängstliglich, dass es auch den allergeringsten
Trost von dem Allergeringsten annehme, und kann ihm doch nicht werden. |
|
| 69 Denn Abraham antwortet ihm,
das ist, sein Gewissen nimmt einen solchen Verstand vor dem Wort Gottes,
dass es nicht seyn kann, sondern habe sein Theil in seinem Leben davon
gebracht, und er müsse nun leiden, aber die andern getröstet
werden, die er verachtet hat. |
|
| 70
Zuletzt fühlet er, dass ihm gesaget wird, "es sey eine grosse Kluft
zwischen ihm und den Gläubigen gemachet, dass sie nimmer können
zusammen kommen." Das sind die Gedanken der Verzweifelung, wenn das Gewissen
fühlet, dass ihm ewiglich das Wort Gottes entsaget und ihm nimmer
zu helfen sey; darnach ringen die Gedanken seines Gewissens, und wollten
gerne, dass solches die Lebendigen wüssten, dass es also zugienge
in Sterbensnöthen, und begehrte, dass es ihnen jemand sage. |
|
| 71 Aber da wird nichts aus,
denn er fühlet eine Antwort in seinem Gewissen, dass es genug sey
an Mose und den Propheten, denen sollen sie glauben, wie er auch sollte
gethan haben. Solches handelt sich alles zwischen einem verdammten Gewissen
und Gottes Wort in der Stunde des Todes oder Todesnöthen, und kann
kein Lebendiger inne werden, wie es gehet, denn der es erfähret; und
der es erfähret, wollte, dass sie es wüssten; aber es ist umsonst. |
|
| 72
Die dritte Frage: Wenn solches geschehen sey? Und ob der reiche Mann noch
täglich ohn Unterlass solches leide bis an den jüngsten Tag?
Das ist eine subtile Frage, und nicht leichtlich zu beantworten für
den Unerfahrnen. |
|
| 73 Denn hier muss man die Zeit
aus dem Sinne thun, und wissen, dass in jener Welt nicht Zeit noch Stunden
sind, sondern alles ein ewiger Augenblick; wie St.Petrus sagt 2. Epist.
3,8: "Ein Tag vor dem Herrn ist wie tausend Jahr, und tausend Jahr wie
ein Tag," Ps. 90,4. |
|
| 74 Darum achte ich, dass in
diesem reichen Manne angezeiget sey, wie es allen Unglaubigen gehen wird,
wenn ihre Augen im Sterben oder Sterbensnöthen aufgethan werden; welches
geschehen kann einen Augenblick lang, und darnach wieder (E13) aufhören
bis an den jüngsten Tag, wie das Gott gefället; denn keine gewisse
Regel hierauf gestellet werden mag. |
|
| 75 Daher ich nicht sagen darf,
dass der reiche Mann noch jetzt also leide, wie er dazumal gelitten hat;
darf auch nicht läugnen, dass er noch also leide: denn es stehet in
Gottes Wilkühr beiderlei; und uns genug ist, dass uns angezeiget ist
sein Exempel und Anfang des Leidens aller Ungläubigen. |
|
| 76
Die vierte Frage: Ob man auch für die Todten bitten soll, weil hier
kein Mittelstand angezeiget wird im Evangelio, zwischen dem Schoos Abrahams
und der Höllen, und die in Abrahams Schoos dess nicht bedürfen,
und denen, die in der Höllen sind, nichts nützet? |
|
| 77 Wir haben kein Gebot von
Gott, für die Todten zu bitten; darum niemand daran sündigen
kann, der nicht für sie bittet; denn was Gott nicht geboten oder verboten
hat, daran kann sich niemand versündigen. Doch wiederum, weil Gott
uns nicht hat lassen wissen, wie es um die Seelen stehet, und wir ungewiss
seyn müssen, wie er's mit ihnen mache, wollen und können wir
denen nicht wehren, noch zu Sünden machen, die da für sie bitten. |
|
| 78 Denn wir je aus dem Evangelio
gewiss sind, dass viel Todten auferweckt sind, welche wir bekennen müssen,
dass sie ihr endlich Urtheil nicht empfangen noch gehabt haben; also mögen
wir auch noch nicht von irgend einem andern gewiss seyn, dass er sein endlich
Urtheil habe. |
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| 79
Dieweil nun solches ungewiss isst, und nicht wissen, ob die Seele verurtheilet
sey, ist's nicht Sünde, dass du für sie bittest; aber auf die
Weise, dass du es ungewiss lassest bleiben, und sprechest also: Lieber
Gott, ist die Seele in dem Stande, dass ihr noch zu helfen ist, so bitte
ich dich, wollest ihr gnädig seyn. Und wenn du das einmal oder zwei
gethan hast, so lass es gut seyn, und befiehl sie Gott. |
|
| 80 Denn Gott hat verheissen,
er wolle uns erhören, was wir bitten. Darum, wenn du einmal oder drei
gebeten hasts, sollst du glauben, dass du erhöret seyest, und nimmer
bitten, auf dass du Gott nicht versuchest oder misstrauest. |
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| 81
Aber dass man ewige Messen, Vigilien und Gebet darauf stiftet, und alle
Jahr plärret, als hätte es Gott (E14) vor dem Jahr nicht erhöret,
das ist der Teufel und Tod, da wird Gott verspottet mit Unglauben, und
ist solch Gebet eine lautere Lästerung Gottes. |
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| 82 Darum hüte dich dafür,
og gehe dess ab. Gott fraget nichts nach jährlichen Stiftungen, sondern
nach einem herzlichen, andächtigen, gläubigen Gebet; dasselbige
wird den Seelen helfen, soll ihnen etwas helfen. Vigilien und Messen helfen
wohl den Pfaffen-, Mönchen- und Nonnenbäuchen; aber den Seelen
ist nichts damit geholfen, und Gott wird nur damit geschändet. |
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| 83
Hast du aber in deinem Hause einen Rumpelgeist oder Poltergeist, der da
vorgiebt, man solle ihm mit Messen helfen, den sollst du für einen
Teufel halten. Es ist nich nie keine Seele von Anfang der Welt erschienen;
Gott will es auch nicht haben: denn hier siehest du im Evangelio, dass
Abraham dem Reichen nicht gestatten will, dass ein Todter die Lebendigen
lehre, sondern weiset auf Gottes Wort in der Schrift 5. Mos. 31, und spricht:
"Sie haben Mosen und die Propheten, lass sie dieselbigen hören". |
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| 84 Damit siehet Abraham auf
Gottes Gebot im fünften Buch Mosis, und erinnert uns desselbigen,
da Gott spricht: "Du sollst nichts von den Todten fragen." (5 Mos 18,11) |
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| 85
Darum ist gewiss eitel Teufelsgespenste, dass sich etliche Geister lassen
beschwören, und bitten um so und so viel Messen, solche und solche
Wallfahrt, oder andere Werke, und erscheinen darnach mit Klarheit, geben
vor, sie sind erlöset. |
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| 86 Damit schaffet der Teufel
den Irrthum, dass die Leute vom Glauben alle Werke fallen, und meinen,
die Werke vermögen solch gross Ding. Und wird also erfüllet,
das St. Paulus 2. Thess. 2,10.11. verkündiget hat, "dass Gott kräftige
Irrthum und Verführungen zur Ungerechtigkeit über die Ungläubigen
sendet, dafür, dass sie die Liebe der Wahrheit nicht haben aufgenommen,
dass sie selig würden". |
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| 87
Darum sey klug, und wisse, dass Gott uns will nicht wissen lassen, wie
es mit den Todten zugehe, auf dass der Glaube Raum behalte durch Gottes
Wort, der da glaubet, dass Gott nach diesem Leben die Gläubigen selig
machet, die Ungläubigen verdammet. |
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| 88 Wenn dir nun ein Poltergeist
vorkommt, so achte sein nicht, und (E15) sey gewiss, dass es der Teufel
ist, und stoss ihn mit diesem Spruch Abrahams: "Sie haben Mosen und die
Propheten", item, mit dem Gebot Gottes in Mose: "Du sollst nicht von den
Todten fragen;" so wird sich der bald trollen. Trollet er sich nicht, so
lass ihn poltern, bis er müde wird, und leide um Gottes willen in
festem Glauben seinen Muthwillen. |
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| 89
Und ob es möglich wäre, dass es gleich eine Seele oder guter
Geist wäre, so sollst du doch nichts von ihm lernen noch fragen, weil
es Gott verboten; denn darum hat er seinen Sohn selbst gesandt, dass er
uns alles lehrete, was uns zu wissen noth ist; was uns derselbige nicht
gelehret hat, das sollen wir gerne nicht wissen wollen, uns begnügen
lassen an der heiligen Apostel Lehre, durch welche er uns geprediget hat.
Doch davon habe ich weiter geschrieben in der Postille über das Evangelium
an der heiligen drei Könige Tag, und im Büchlein vom Missbrauch
der Messen; da magst du mehr davon lesen. |
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| 90
Also, dass wir auch ein Exempel sagen, lesen wir in der Historia tripartita
von einem Bischof, der gen Corinthum kan, da er zum Concilio zog, und als
er nicht füglich Herberge fand für sich und sein Gesinde, sahe
er ein wüstes Haus stehen verschlossen, fragete, ob man ihn daselbst
nicht könnte herbergen? da ward ihm geantwortet, es wäre so ungeheuer
drinnen, dass niemand darinnen wohen könnte, und wären vielmal
des Morgens die Leute todt darinnen gefunden. |
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| 91 Da machte er nicht viel
Worte, und hiess stracks einziehen, und lag die Nacht darinnen; denn er
sahe wohl, dass es des Teufels Gespenst war, und hatte einen festen Glauben,
dass Christus des Teufels Herr wäre, darum verachtete er ihn, und
zog zu ihm ein. Da ward das Haus durch sein Beten und Herbergen frei, dass
hinfort kein Rumpeln noch Ungeheuer darinnen gehöret ward. Siehe,
da siehest du, dass es Teufel sind die Rumpelgeister, und dass nicht viel
mit ihen zu disputiren ist, sondern mit fröhlichem Glauben soll man
sie verachten, als wären sie nichts. |
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| 92
Item, also lieset man von dem Bischof Gregorio in Cappadocien, dass er
über das Welsche Gebirg zog, (E16) und herbergete bei einem heidnischen
Küster oder Kirchner, der hatte einen Abgott, der antwortete ihm,
was er fragte, und nährete sich desselben Handels, dass er den Leuten
heimliche Dinge sagete. |
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| 93 Davon wusste nun der Bischof
nichts, und zog Morgens seine Strasse. Aber der Teufel konnte des heiligen
Mannes Gebet und Gegenwärtigkeit nicht leiden, und flohe aus dem Hause,
dass der Kirchner hinfort nicht mehr konnte weissagen, wir vorhin. Da er
nun seinen Abgott rief, und heulete um seinen Schaden, erschien ihm das
Teuflein im Schlaf, und sprach: es wäre seine Schuld, dass er den
Bischof beherberget hätte, vor welchem er nicht hätte können
bleiben. |
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| 94
Der Kirchner eilete dem Bischof nach, und klagete ihm, dass er ihm seinen
Gott und Nahrung verjagt hätte, und der Herberge übel gedanket.
Da nahm der Bischof Papier und schrieb kurz also: Gregorius dem Apollini
meinen Gruss zuvor; ich erlaube dir zu thun, das du vorhin gethan hast;
gehab dich wohl. |
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| 95 Den Brief nahm der Kirchner,
und legete ihn bei seinen Abgott; da kan der Teufel wieder, und that wie
vorhin. Zuletzt gedachte der Kirchner, welch ein geringer Gott ist mir
das, der sich von diesem Gott, der ein Mensch ist, treiben und führen
lässet: und machte sich auf zu dem Bischof, und liess sich lehren
und taufen, und nahm also zu, dass er ein trefflicher Bischof ward zu Cäsarien
in Cappadocia, nach dieses Bischofs Tode. Siehe, so einfältig gehet
der Glaube daher, und handelt doch so freudig, sicher und mächtig
einher. Also thue auch deinen Poltergeistern. |
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