Julius Köstlin: Luther, sein Leben und seine Schriften
Fünftes Buch: (Fünfte neubearbeitete Auflage, nach des Verfassers Tode fortgesetzt von D. Gustav Kawerau)
Der erste kirchliche Neubau und der Kampf mit Schwärmerei und Aufruhr. Luther bis zu seiner Heirat 1525.
Berlin 1903

Kap. 7: Fortschritte der Reformation und Verfolgungen


Tilbage til Köstlin, indholdsfortegnelse!

Indhold: Neue Prediger des Evangeliums 603. -- Das Evangelium in den Niederlanden 604. -- Brüsseler Märtyrer 606. -- Luthers Lied dazu 607. -- Ausbreitung des Evangeliums unter dem Adel. 608. -- in den deutschen Städten. 610. -- unter den Fürsten. 615. -- Verfolgungen der Evangelischen. 616. -- Heinrich von Zütphens Märtyrertum. 618. -- Reformation in Preussen 620. -- in Livland und Danzig. 624. -- in Schweden und Dänemark. 625. -- Evangelische aus Frankreich 627. -- Kursachsen. 627. -- Mordanschläge auf Luther. 628.

Tilbage til oversigten!
 
1          Über alle deutsche Länder hin sprosste während jener Jahre bereits die Saat des neu verkündeten Evangeliums empor. Sie war auch schon imstande, Stürme auszuhalten und sich darunter zu bewähren. 
          Aus der Zahl der bisherigen Geistlichen erhoben sich treue und tüchtige Bekenner der neuen Lehre, und besonders auch aus den Klöstern gingen neben den vielen unbrauchbaren Personen, über welche Luther klagte, gewissenhafte, begabte und besonders auch zur volkstümlichen Predigt geschickte Vertreter derselben hervor. Wir sehen, wie mächtig Luthers Theologie vor allem in seinem eignen Orden, dem der Augustiner, wirkte; von ihnen gingen an vielen Orten die Reformen aus: wie in Wittenberg, so z. B. auch in Erfurt und Nürnberg. Liess es doch bei jenem Konvent, der während Luthers Wartburgaufenhalt (oben S. 470) in Wittenberg tagte, sich an, als ob ein grosser Teil des Ordens als solcher seinem Werke sich anschliessen wollte: von ihm liessen sie sich beraten, sein Freund Link stand an der Spitze. 
3    Anderseits stellten die Gegner anfangs die Sache Luthers so dar, als ob er bei ihr um selbstsüchtige Interessen eines Augustiners im Gegensatz gegen die andern Orden sich handelte. Bald aber zündete sein Wort auch inmitten der anderen; so waren z. B. B. Eberlin und Kettenbach, zwei der kräftigsten Volksredner, Fanziskanermönche: (n3) Zu diesen Übertretenden kam ein zahlreicher junger Nachwuchs, der schon ganz in der neuen Theologie herangebildet war. Wittenberg hatte fortwährend einen gewaltigen Zufluss von Studenten, auch aus Ländern, wo der Besuch dieser Universität von der Obrigkeit verboten war. Im Volke übte neben den Schriften Luthers und den Schriften und Predigten seiner Anhänger bereits die verdeutschte heilige Urkunde selbst ihre Wirkung.   
4         An irgend eine äussere Organisation für die Verbreitung seiner Lehre, -- an eine organisierte Propaganda, wie wir es nennen, -- hat Luther nie (604) gedacht. Auch in dieser Beziehung galt für ihn sein Satz: das einfache Wort müsse es ausrichten. Sein Wort aber und seine Verkündigung des göttlichen Wortes liess er unermüdlich ausgehen sowohl für das Volk im grossen, als für kleinere besondere Kreise, die sich ihm öffneten. In seinem Sendschreiben an Kronberg spricht er von dem innern Trieb hierzu also: "das edle Gotteswort bringt natürlich mit ihm den heissen Hunger und unsättigen Durst, dass wir nicht könnten satt werden, obgleich viel tausend Menschen dran glaubten, sondern wollten gern, dass kein Mensch sein mangeln müsste; solcher Durst ringet und ruhet nicht und treibt uns zu reden".          Luther har aldrig tænkt på en eller anden organisation til udbredelse af hans lære -- en organiseret propaganda, som vi kalder det --. Også i dette forhold gjaldt hans sætning: Ordet i sig selv må udrette det. Men sit ord  og sin forkyndelse af det guddommelige ord lod han utrætteligt udgå både for folket i det store og for mindre særlige kredse, der åbnede sig for ham. I sit sendebrev til Kronberg taler ham om den indre drift til det på denne måde: "det ædle Guds ord bringer naturligvis med sig den hede hunger og den umætteligt tørst, så at vi ikke ville kunne blive mætte, om så mange tusind mennesker troede derpå, men gerne ville, at intet menneske skulle mangle det; en sådan tørst kæmper og hviler ikke og driver os frem til at tale". 
5   Er wollte sich auch dadurch nicht abschrecken lassen, dass man bei solchem Durst oft mit Galle und Essig getränkt werde. Namentlich war er mit freudiger, ermunternder, tröstender Zusprache immer bereit, wo an einem Orte der evangelische Glaube neu geboren war und durch Leiden und Kämpfe sich durcharbeiten musste. Mündlich wirkte er weithin durch die vielen Besuche von Theologen und auch Laien, die in Wittenberg sich einfanden.  Han ville heller ikke lade sig afskrække af, at man med denne tørst ofte fik serveret galde og eddike. Især var han altid parat med glad, opmuntrende og trøstende tiltale, når den evangeliske tro et sted var nyfødt og måtte arbejde sig frem gennem lidelse og kampe. Mundtligt virkede han i stor udstrækning gennem de mange besøg af teologer og lægfolk, som indfandt sig i Wittenberg. 
6          Einen besonders günstigen Boden fand Luther gleich anfangs unter seinen Ordensgenossen in den Niederlanden. Ja in diesem Lande, das nur noch lose mit dem Deutschen Reich zusammenhing, entstand bereits eine so lebhafte Bewegung, wie kaum irgendwo in Deutschland mit Ausnahme von Wittenberg und Erfurt. Hier, wo anderseits die Gebote des Kaisers unmittelbar eingriffen, kam es auch zu einer ersten gewaltsamen Katastrophe, zu einer ersten Blutsaat für das Evangelium.           En særlig gunstig jordbund fandt Luther lige fra begyndelsen blandt sine ordensbrødre i Nederlandene. Ja, i disse lande, der kun løst var forbundet med det tyske rige, opstod der allerede en så livlig bevægelse som næppe nogetsteds i Tyskland med undtagelse af Wittenberg og Erfurt. På den anden side kom det også her, hvor kejserens bud umiddelbart kunne gribe ind, til den første voldelige katastrofe, til en blodsæd for evangeliet. 
7         Wir bemerken überhaupt einen lebhaften Verkehr zwischen den dortigen Augustinerklöstern und dem Wittenbergischen, wozu besonders auch wiederholte Reisen des Staupitz nach den Niederlanden beitragen mochten; denn die Konvente in Antwerpen, Dortrecht, Enghien, Enkhuizen, Gent und Haarlem gehörten der deutschen Kongregation unter seiner Leitung an. Daher war auch sein Nachfolger Link im Sommer 1521 als Visitator dort tätig. Den reformatorischen Bewegungen hatten in diesem Lande die besonders hier verbreiteten Brüder des gemeinsamen Lebens, die teilweise bereits mit der Kirche zerfallenen frommen mittelalterlichen Vereine der Beguinen und Begharden und in der jüngsten Zeit die humanistische Schule des Erasmus vorgearbeitet.          Vi kan i det hele taget lægge mærke til en livlig trafik mellem de derværende augustinerklostre og det wittenbergske kloster, hvortil især gentagne rejser af Staupitz til Nederlandene måtte bidrage; for konventerne i Antwerpen, Dortrecht, Enghien, Enkhuisen, Gent og Haarlem hørte til den tyske kongregation, der stod under hans ledelse. Derfor var også hans efterfølger, Link, i arbejde der i sommeren 1521 som visitator. Vejen foran de reformatoriske bevægelser var i disse lande blevet beredt, især gennem de her udbredte "brødre af det almindelige liv", gennem de delvist med kirken sammenfaldne fromme middelalderlige foreninger, Beguinerne og Begharderne, og i den seneste tid gennem Erasmus' humanistiske skole. 
8         Schon schlossen sich auch die Prioren niederländischer Augustinerklöster Jakob Präpositus oder Probst aus Ypern (von Späteren fälschlich Spreng genannt) und Heinrick Moller aus Zütphen, gewöhnlich Heinrich von Zütphen genannt, persönlich an Luther an, verkehrten brieflich mit Wittenberg, suchten Brüder dorthin zu schicken und wünschten selbst dorthin reisen zu können. Sie kannten die Universität schon von früher her: denn sie hatten selbst einst hier studiert und Jakob im Jahre 1509 (605) die Würde eines Magister, Heinrich die eines Baccalaureus in der philosophischen Fakultät erworben.          Snart sluttede også priorerne fra de nederlandske augustinerklostre, Jakob Præpositus eller Probst fra Ypern (senere fejlagtigt kaldet Spreng) og Henrik Møller fra Zütphen, sædvanligvis kaldet Henrik af Zütphen, sig personligt til Luther, havde brevlig forbindelse med Wittenberg, søgte at sende brødre dedrhen og ønskede selv at kunne rejse dertil. De kendte allerede universitetet fra tidligere. For de havde selv engang studeret her og Jakob havde i 1509 erhvervet magisterværdigheden, Henrik Baccalaureus-værdigheden på det filosofiske fakultet. 
9  Heinrich wurde dann 1516 Prior in Dordrecht, wo schon 1518 Augustinermönche in Luthers Sinn predigten und Verfolgungen gegen lutherisch Gesinnte sich erhoben, ohne dass wir übrigens näheres über Heinrichs Verhalten hierbei wissen, -- und nachher zeitweise wohl auch in Gent. Jakob bekannte sich bereits im Frühjahre 1518, wie damals Luther durch Erasmus hörte, mit Begeisterung zu ihm und seiner Lehre; er war damals Prior in Rotterdam, nachher in Antwerpen. Beide kamen -- wohl gegen Ende des Jahres 1520, beziehungsweise zu Anfang des folgenden -- nach Wittenberg.  Henrik blev så i 1516 prior i Dortrecht, hvor allerede 1518 augustinermunke prædikede i Luthers ånd, og hvor der opstod forfølgelser imod de luthersk sindede, uden at vi véd nærmere besked om Henriks forholden sig ved den lejlighed -- og bagefter viste det samme sig vel også i Gent. Jakob bekendte sig allerede i foråret 1518 til Luther og hans lære, hvilket Luther dengang hørte gennem Erasmus. På det tidspunkt var han prior i Rotterdam, bagefter i Antwerpen. Begge kom til Wittenberg -- den ene hen mod slutningen af året 1520, den anden i begyndelsen af 1521. 
10 Heinrich wurde jetzt hier im Januar 1521 Baccalaureus, im Oktober Sententiarius, Jakob am 12. Juli Lizentiat der Theologie. (n10) Sie gehörten zum nächsten Freundeskreis Luthers und Melanchthons. Zur gleichen Zeit hielten sich auch noch andere niederländische Brüder im Wittenberger Augustinerkloster auf: sie haben sich nachher, wie wir oben (S. 468 = 4,3#36) bemerkten, bei jenen ersten Neuerungen im Kloster besonders hervorgetan. (n10a Henrik blev her i januar 1521 baccalaureus, i oktober sententiarius, Jakob den 12. juli licentiat i teologi. De hørte til Luthers og Melanchthons nærmeste vennekreds. Samtidig opholdt der sig også andre nederlandske brødre i det wittenbergske augustinerkloster. De har, som vi tidligere bemærkede (se  4,3#36), gjort sig særlig bemærkede ved de første nyordninger i klostret. 
11         Inzwischen begann in den Niederlanden die strenge Vollziehung des Wormser Edikts durch die Statthalterin Margaretha, die Tante des Kaisers; gegen die immer weiter um sich greifende Ketzerei wurden zwei fanatische Inquisitoren bestellt, der Ratsherr Franz van der Hulft und der Mönch Nikolaus von Egmont, den Erasmus einen unsinnigen, mit dem Schwert bewaffneten Menschen, Luther den Narren von Egmont nannte.           I mellemtiden begyndte i Nederlandene den strenge fuldbyrdelse af Wormser ediktet gennem statholderen Margaretha, kejserens moster. Imod det stadig omsiggribende kætteri blev to fanatiske inkvisitorer hentet frem, rådsherren Franz van der Hulft og munken Nikolaus von Egmont, som Erasmus kaldte et vanvittigt, med et sværd bevæbnet menneske, Luther narren fra Egmont. 
12       Probst, nach Antwerpen zurückgekehrt, wurde noch im Dezember 1521 vors geistliche Gericht gestellt. Geschwächt durch Misshandlungen erkaufte er am 9. Februar 1522 sein Leben durch einen feierlichen Widerruf, und viele andere folgten seinem Vorgang -- zum Jubel für die Gegner, zu tiefem Schmerz für Luther. Als er aber freigelassen war, predigte er mit neuem Eifer nach seiner bisherigen Überzeugung, sah dann aufs neue verhaftet dem Feuertod entgegen, entkam jedoch jetzt im Juni aus dem Gefängnis und traf im August 1522 glücklich wieder in Wittenberg ein (vgl. oben S. 521. (5,2#47) 561 (5,4#53); unten S. 614.) (n12         Probst, der var vendt tilbage til Antwerpen, blev endnu i december 1521 stillet for den gejstlige ret. Svækket af mishandlinger købte han sig sit liv gennem en højtidelig tilbagekaldelse, og mange andre fulgte hans fremgangsmåde -- til jubel for modstanderne, men til dyb smerte for Luther. Men da han var blevet løsladt, prædikede han med fornyet iver i overensstemmelse med sin hidtidige overbevisning, men så da døden på bålet imøde, da han påny var blevet fængslet. Dog undslap han i juni fra fængslet og mødte i august 1522 lykkelig op i Wittenberg. 
13           Von seinen Ordensbrüdern in Antwerpen und insbesondere von Heinrich von Zütphen, der jetzt die Stelle des Priors erhielt, wurde den Verboten und Gefahren zum Trotz noch fort und fort vor grossen Volksmassen das Evangelium verkündigt, bis gegen Ende September 1522 die Obrigkeit mit bewaffneter Macht einschritt. Heinrich wurde von der Kanzel weggerissen in den Kerker; von hier aber entriss ihn das Volk, wobei besonders Weiber sich hervortaten, und er verliess das Land, um gleichfalls wieder nach Wittenberg zu gehen: unterwegs hielten ihn die Bremer fest, damit er ihr Prediger würde (unten S. 614). (606) (se heinrich#40         Men evangeliet blev stadigvæk prædiket overfor store folkemasser af Jakobs ordensbrødre og især af Henrik von Zütphen, der nu blev prior i Jakobs sted, til trods for fare og forbud. Så skred øvrigheden i slutningen af september 1522 ind med bevæbnet magt. Henrik blev revet bort fra prædikestolen og sat i fængsel, men herfra fik folket ham ud, hvorved især kvinder gjorde sig gældende, og han forlod landet for ligeledes at tage til Wittenberg. Undervejs blev han imidlertid standset af bremerne, for at han kunne blive deres præst. 
14         Das Kloster wurde samt der Klosterkirche, als Brutstätte der Ketzerei, dem Erdboden gleich gemacht, die ketzerische Mönche vors peinliche Gericht gestellt. In der Todesfurcht zeigte sich auch jetzt wieder der grösste Teil der Verhafteten schwach und widerrief. Drei aber beharrten trotz Drohungen und freundlichem Zureden bei ihrem Bekenntnis: Heinrich Bos, an Jahren noch ein Jüngling, Johann van den Esschen (nach Luthers Angabe auch noch nicht dreissig Jahre alt) und Lambert Thorn, Probsts Nachfolger im Predigamt. Sie bestanden im Verhör vor geistlichen und weltlichen Richtern und im Disput mit den beigezogenen gelehrten Theologen insbesondere darauf, dass auch die Konzilien und die alten Väter irrtumsfähig seien und man ihnen nur zu glauben habe, soweit sie mit der Schrift übereinstimmen.            Klostret blev sammen med klosterkirken nedbrudt til grunden, som redested for kætteriet, de kætterske munke blev stillet overfor den pinlige domstol. I frygt for døden var gjorde også nu størstedelen af de fængslede det, at de viste sig svage og foretog en tilbagekaldelse. Men tre holdt fast ved deres bekendelse trods trusler og venlig tiltale: Henrik Bos, endnu en ung mand, Johann vor Eschen (ifølge Luthers angivelse endnu ikke tredive år gammel) og Lambert Thorn, Probsts efterfølger som prædikant. De stod fast i forhøret overfor de åndelige og verdslige dommer og i disputationen med de lærde teologer, der var blevet hidkaldt, især holdt de fast ved, at også koncilerne og de gamle fædre kunne fejle, og at man kun skulle fæste lid til dem, hvis de stemte overens med skriften. 
15  In der Hauptstadt Brüssel wurde ihnen der Prozess gemacht und das Todesurteil über sie gesprochen. (se bryssel#1) Am 1. Juli 1523 sollte es auf dem Platz vor dem Rathaus vollzogen werden. Sie wurden zuerst feierlich aus dem geistlichen Stand ausgestossen, das geistliche Kleid ihnen abgenommen. Lambert wurde aus Gründen oder Rücksichten, die wir nicht kennen, jetzt noch mit dem Tode verschont und wieder in ein Gefängnis gebracht, wohin Luther noch im folgenden Januar ein Schreiben an ihn richtete mit Glückwünschen und Ermunterungen für sein Leiden um Christi willen; nachher hören wir von ihm nichts mehr. Bos und van den Esschen bestiegen froh den Scheiterhaufen und endeten in den Flammen unter lautem Lobgesang und Anrufen des Herrn Jesu. (n15 Processen imod dem blev holdt i hovedstaden Bruxelles og dødsdommen udtalt over dem. Den 1. juli 1523 skulle den fuldbyrdes på pladsen foran rådhuset. Først blev de højtideligt udstødt af den gejstlige stand, de gejstlige klæder blev taget fra dem. Lambert blev af grunde eller hensigter, vi ikke kender, skånet for døden og igen bragt tilbage til fængslet; Luther skrev den følgende januar et brev til ham med lykønskelser og opmuntringer til hans lidelse for Kristi skyld, bagefter hører vi intet mere fra ham. Bos og van den Eschen besteg glad brændebunken og endte deres liv i flammer under høj lovsang og anråbelse af herren Jesus. 
16        So bekam der evangelische Glaube seine ersten Märtyrer. Luther war von der Nachricht davon zunächst tief erschüttert. Nach Kesslers Bericht brach er in Tränen aus: "Ich vermeinte, ich sollte ja der erste sein, der um dieses heiligen Evangelii willen sollte gemartert werden; aber ich bin des nicht würdig gewesen!" Aber schnell gewann eine ander Empfindung die Oberhand: Gott legte Zeugnis ab für die Echtheit des Evangeliums Luthers, indem er ihm Blutzeugen gab! An "alle die lieben Christen in Holland, Brabrant und Flandern", unter denen die Verfolgung fortwährte und bereits noch viele andere gefangen sassen, erliess er ein Sendschreiben in diesem Sinne.           Således fik den evangeliske tro sine første martyrer. Luther var ved efterretningen derom først dybt rystet. Ifølge Kesslers beretning brød han i gråd: "Jeg troede, jeg skulle være den første, som skulle pines for det hellige evangeliums skyld; men jeg var ikke værdig dertil!" Men snart vandt en anden følelse overhånd. Gud aflagde vidnesbyrd om Luthers evangeliums ægthed, idet han gav ham blodvidner! Han udgav et sendebrev til "alle de kære kristne i Holland, Brabant og Flandern", hvor forfølgelsen fortsatte og hvor allerede mange andre sad fængslede, et sendebrev, der gengav denne opfattelse. 
17         "Lob", sagt er, "sei dem Vater aller Barmherzigkeit, des uns wiederum sehen lässt sein wunderbares Licht; -- die Zeit ist wieder gekommen, dass wir der Turteltauben Stimmen hören und die Blumen aufgehen in unserem Lande (Hohelied 2,11ff): welcher Freude, meine Liebsten, Ihr nicht allein teilhaftig, sondern die ersten geworden seid, an welchen wir solche Wonne erlebt haben; denn Euch ist's vor aller Welt gegeben, das Evangelium nicht allein zu hören und Christum zu erkennen, sondern auch die ersten zu sein, die um Christus willen Schand und Schaden, Angst und Not, Gefängnis und Fährlichkeit leiden und nun so voller Frucht und Stärke worden, dass Ihr's auch mit eignem Blut begossen und bekräftigt habt. -- O wie (607) verächtlich sind die zwei Seelen hingerichtet, aber wie herrlich und in Freuden werden sie mit Christo wiederkommen und recht richten diejenigen, von denen sie jetzt mit Unrecht gerichtet sind! --         Han skrev: "Lov og tak være al barmhjertigheds fader, som i denne tid igen har ladet os se sit vidunderlige lys, ... Men nu er den tid igen kommet, hvor vi hører turtelduens stemme og blomsterne blomstrer op i vort Land (Højs 2, 11f). (n5) Og, mine kære, denne glæde har I ikke blot del i, I er endog blevet de fremmeste, og gennem jer har vi oplevet denne glæde og fryd. For overfor hele verden er det givet jer, ikke blot at høre evangeliets røst og erkende Kristus, men også at være de første, som for Kristi skyld lider skam og skade, angst og nød, fængsel og fare, og nu er blevet så fulde af frugt og styrke, at I endog har overøst og bestyrket det med jeres eget blod; ... Åh, hvor foragteligt blev ikke de to sjæle henrettet, men hvor herligt vil de ikke komme igen med Kristus til evig glæde og dømme dem ret, som nu har dømt dem uret! ...
18  Gott sei in Ewigkeit gebenedeit, dass wir erlebt haben, rechte Heilige und wahrhaftige Märtyrer zu sehen und zu hören, die wir bisher so viel falscher Heiligen erhebt und angebetet haben. -- Nun ist's Zeit, dass das Reich Gottes nicht in Worten, sondern in der Kraft stehe. Hie lehret sich's, was da gesagt sei: "seid frölich in Trübsal" (Röm 12,12); "es ist eine kleine Zeit, dass ich dich verlassen, aber mit ewiger Barmherzigkeit will ich dich aufnehmen" (Jes. 54,7); "ich bin mit ihm in Trübsal, ich will ihn erretten und will ihn zu Ehren setzen" (Psalm 91,14ff.). Weil wir denn die gegenwärtige Trübsal sehen, tröstliche Verheissungen haben, so lasst uns unser Herz erneuern, gutes Muts sein und mit Freuden dem Herrn uns schlachten lassen". (n18) (bryssel#4-17)  Gud være lovet, Gud være i evighed velsignet, at vi har oplevet at få lov til at se og høre rette helgener og sande martyrer, vi, som hidtil har ophøjet og tilbedt så mange falske helgener! ... Nu er den tid kommet, hvor Guds rige ikke består i ord, men i kraft. (1 Kor 4,20) Her kan man lære, hvad der blev sagt: Vær frimodige i trængsler (Rom 12,12). Det er en liden stund, siger Esajas (54,7), så forlader jeg dig; men jeg vil tage dig til mig med evig barmhjertighed. Og Sl 91,14f: Gud siger: Jeg er med ham i trængsel. Jeg vil redde ham og vil sætte ham i ære, for han har erkendt mit navn. Fordi vi da ser den nuværende trængsel og har trøsterige forjættelser, så lad os forny vore hjerter, være ved godt mod og med glæde lade os slagte for Herren."
19         Laut liess er die Kunde von den Märtyrern auch im Liede erschallen. Sie waren es, die zum erstenmal, so weit wir wissen, seine Dichtergabe wachgerufen haben. Er singt im echten Volkston:           Også i sang lod han kundgøre, hvad der var sket med martyrerne. Det blev dem, der, så vidt vi véd, for første gang vækkede hans digteriske gaver. Han synger i den ægte folkevisetone: 
20  "Ein neues Lied wir heben an,
Das walt Gott, unser Herre, 
Zu singen was Gott hat getan
Zu seinem Lob und Ehre:
   Zu Brüssel in dem Niederland
Wohl durch zween junge Knaben
Hat er sein Wunder macht bekannt,
Die er mit seinen Gaben
So reichllich hat gezieret. (bryssel#24)
      Nu synger vi en ny slags sang,
det virker Gud, vor Herre,
vi synger om, hvad Gud har gjort,
alt til hans lov og ære.
     I Bryssel, hist i Nederland,
har, ved to unge drenge,
han sine kræfter underfuldt
bekendt, som hørt ej længe,
så rigt har han dem prydet. 
21       So erzählt er ihre Geschichte: wie der böse Feind sie fangen liess, wie man sie mit Drohen und List von Gottes Wort abtreiben wollte, wie die Löwener Sophisten hierbei mit ihrer Kunst zu Schanden wurden:          Så fortæller han deres historie: hvordan den onde fjende lod dem tage til fange, hvordan man med trussel og list ville fravriste dem Guds ord, hvordan de løvenske sofister herved blev til skamme med deres kunst. 
22    "Sie sungen süss, sie sungen saur,
Versuchten manche Listen,
Die Knaben stunden wir ein Maur,
Veracht'ten die Sophisten.
    Den alten Feind das sehr verdross,
Dass er war überwunden
Von solchen Jungen, er so gross;
Er war voll Zorn von Stunden,
Gedacht sie zu verbrennen". (bryssel#27)
      En sang så sød, en sang så sur:
"Vi snart dem overlister".
De drenge stod der som en mur
foragted' de sofister.
     Den gamle fjende blev så gal, 
at han blev overvundet
af den slags børn, hvor ku' det ske?
Han straks en plan udgrunded':
De sku' på timen brændes. 
23     Als man ihnen Weihe und Ordenskleid nahm, -- "sie dankten ihrem Vater Gott, dass sie los sollten werden des Teufels Larvenspiel und Spott". Gott aber schickte es also, "dass sie recht Priester worden, sich selbst ihm mussten opfern da und gehn im Christenorden".        Da han tog deres indvielsesdragter og deres ordensklæder fra dem, takkede de deres fader Gud, som lod dem løsrive fra djævelens maskespil og spot. Men Gud skikkede det sådan, at de blev rette præster, der måtte ofre ham sig selv og så gå ind i kristenordenen. 
24    "Zwei grosse Feur sie zünd'ten an,
Die Knaben sie her brachten,
Es nahm gross Wunder jedermann,
Dass sie solch Pein veracht'ten. (608) 
     Mit Freuden sie sich gaben drein
Mit Gottes Lob und Singen,
Der Mut war den Sophisten klein
Für diesen neuen Dingen,
Da sich Gott liess so merken. (bryssel#31)
     To store bål blev stakket op,
de drenge kom til syne,
og underfuldt for alle, de
foragted' sådan pine.
    Med glæde gav de helt sig hen,
med pris til Gud, med sange;
sofisterne, hvis mod var småt,
de stod med næser lange,
Her lod Gud selv sig ane. 
25        Jetzt möchten jene ihre Tat beschönigen und fast verbergen: "die Schand' im Herzen beisset sie;" aber "Abels Blut muss den Kain melden". Ja --         Men nu søgte de at besmykke og næsten skjule det, de havde gjort. Skammen bider dem i hjertet; men Abels blod må anmelde Kain. Ja --
26    "Die Aschen will nicht lassen ab,
Sie stäubt in allen Landen,
Hie hilft kein Bach, Loch, Grub noch Grab,
Sie macht den Feind zu schanden.
    Die er im Leben durch den Mord
Zu schweigen hat gedrungen,
Die muss er tot an allem Ort
Mit aller Stimm und Zungen
Gar fröhlich lassen singen". (bryssel#33)
     For bålets aske bliver ved,
gi'r støv i alle lande.
Al verdens vand, dens jord og grav
kan ej dets glød udvande.
    Dem, som vor fjende ved sit mord
har tvunget til at tie,
dem tvinges han til hvert et sted
at lade glad udsige
Guds pris med tunger døde. 
27      Jene lästern und lügen über die Heiligen Gottes noch nach dem Tode. Aber --       Men de andre spotter og lyver om Guds helgener endnu efter at de er døde. Men  -- 
28       "Die lass man lügen immerhin,
Sie haben's keinen Frommen,
Wir sollen danken Gott darin,
Sein Wort ist wiederkommen.
     Der Sommer ist hart für der Tür,
Der Winter ist vergangen,
Die zarten Blümlein gehn herfür:
Der das hat angefangen,
Der wird es wohl vollenden. Amen". (n33) (bryssel#35)
      Lad dem blot lyve vidt og bredt
om vore kække drenge,
vi, derimod, vil takke Gud,
Hans ord gror frem i enge.
     Se, sommeren står straks for dør,
for vint'ren er nu ude.
De sarte blomster skyder frem.
Han, som det lod bebude,
Han vil det nok fuldende.
Amen. 
29      Durch Glieder des Augustinerordens und zugleich durch Brüder des gemeinsamen Lebens wurde auch das mit den Niederlanden in nahem Verkehr stehende Herford schon frühe ein Herd evangelischen Geistes. Der Augustiner Gottschalk Kropp aus Herford erwarb sich im Laufe des Jahres 1521 bis 23 bei der Wittenberger Fakultät die theologischen Würden und predigte alsdann dort als Prior die neue Lehre. Zu derselben Zeit erscheint auch schon der dem Brüderhaus angehörige gelehrte Jakob Montanus in freundschaftlicher Korrespondenz mit Luther; er gewann allmählich seinen ganzen Konvent für diesen. (n29
30         Zum Vortritt im reformatorischen Kampf schien für Deutschland im grossen anfangs, wie wir gesehen haben, die Reichsritterschaft bestimmt zu sein. Sickingen richtete sich einen evangelischen Gottesdienst ein und liess im Sommer 1522 eine Schrift ausgehen, in der er einem altgläubigen Verwandten den Nachweis führte, dass "die Worte Christi, der Apostel und Propheten allein die Grundveste der Lehre Luthers" wären. (n30) Nach dem Wormser Reichstag wurde besonders jener Hartmuth von Kronberg für (609) die evangelische Sache tätig.
31  Er gab eine einträgliche Stelle im kaiserlichen Dienst auf, trat in brieflichen Verkehr mit Luther, erliess eine ganze Reihe öffentlicher Sendschreiben, an die Bettelmönche, den Kaiser, Papst Hadrian, die Einwohner von Kronberg und andere, warnte iin Verbindung mit anderen Adeligen besonders auch die Bürger von Frankfurt am Main und einen dort eifernden katholischen Pfarrer vor Unterdrückung der evangelischen Lehre, welche daselbst ein Prediger Ibach verkündigte. Er war kein Redner wie Hutten, aber ein Mann voll warmer, lauterer, christlicher Überzeugung und wurde als solcher freudig von Luther begrüsst. Den Verlust seiner Güter infolge seiner Teilnahme für Sickingen ertrug er fest im Glauben. Ritter Hans Landschad in Steinach am Neckar veröffentlichte 1522 ein "Missive", in dem er seinen Landesherrn, den Pfalzgrafen Ludwig aufforderte, für Luthers Lehre einzutreten. 
32         Unter den Grafen des Reichs bat z. B. Graf Georg von Wertheim, ein Mitglied jener Kommission des Wormser Reichstag (oben S. 424), schon 1522 Luther, ihm einen Evangelisten zu schicken. Graf Johann Heinrich von Schwarzburg befragte ihn wegen der Übertragung des Pfarramts von einem Mönch auf einen evangelisch gesinnten Mann. Unter den Grafen seines Heimatlandes Mansfeld blieb ihm Albrecht fortwährent zugetan, und auch der grösste Teil der Bevölkerung fiel schon seiner Lehre zu, während allerdings die Grafen der ältern Mansfeldischen Linie beim katholischen Kirchentum beharrten. 
33 An seinem Gebortsort Eisleben wirkte einer seiner älltesten und rührigsten Anhänger, Kaspar Güttel, früher Mönch und Prior des dortigen Augustinerklosters, das 1523 sich auflöste, jetzt evangelischer Prediger der Stadt. Im Jahre 1525 liess dann Albrecht, wie wir bereits (S. 548 = 5,3#93) erzählten, eine evangelische Schule in Eisleben einrichten, indem er dorthin Agricola berief. 
34         Innerhalb Österreichs blieben längere Zeit Adelige Hauptvertreter der evangelischen Richtung. Unter ihnen finden wir einen Herrn Christoph Jörger von Tolleth zu Kreusbach in Oberösterreich, einen späteren hohen Beamten Kaiser Maximilians II., seit dem Jahre 1525 in brieflichem Verkehr mit Luther, der ihm damals auf seine Bitte den Prediger Michael Stiefel (unten S. 613 = #51) zuschickte und dann ihm und namentlich auch seiner frommen und mildtätigen Mutter Dorothea zeitlebens freundschaftlich verbunden blieb. -- 
35 An einen anderen, Herrn Bartholomäus von Starhemberg, aus dem angesehenen österreichischen Geschlecht dieses Namens, schrieb Luther auf die Bitte eines gemeinsamen Freundes im Jahre 1524, um ihn über den Tod seiner Gemahlin zu trösten und ihn davon abzumahnen, dass er für die Verschiedene durch Messen und Vigilien sorfgen wolle. Der Brief wurde alsbald in Süddeutschland als Flugschrift gedruckt. (610) 
36        Wir erwähnen ihn übrigens nicht wegen einer besonderen reformatorischen Bedeutung, sondern weiil ihm mit Recht eiine Stelle unter Luthers edelsten und eigentümlichsten Trostschreiben zugeteilt wird. Luther lehrt den Trauernden, mit Hiob (1,21) dem lieben Gotte zu singen, der gegeben und genommen hat: "sein," sagt er, "war solche treue Gemahlin, ehe er sie gab; sein war sie, da er sie gegeben hatte; sie ist auch noch sein, nachdem er sie genommen hat, wie wir alle sein sind. Darum, ob es wohl weh tut, dass er das Seine von uns nimmt, soll doch das Herz sich höher trösten seines allerbesten Willens, denn aller seiiner Gaben. Denn wie gar unermesslich ist Gott besser als alle seine Gaben!
37 So ist auch hier sein Wille besser zu halten denn das allerbeste Weib: wiewohl man das nicht so fühlen kann, wiie dies; der Glaube fühlt es aber. Darum gebe Ew. Gnaden Gott das Seine fröhlich, und nehme an diesen rechten Wechsel, dass Ihr nun habt für eiin zartes, liebes Weib einen zarten lieben Gotteswillen und dazu Gott selber u. s. w."
38        Bartholomäus trat dann als Hauptvertreter des evangelischen Bekenntnisses in Österreich auf und ebenso sein Sohn, der an kriegerischen Ehren reiche Erasmus; später führte Luther mit diesem eine Korrespondenz, die wir leider nicht mehr besitzen. (n38
39        Aber mit dem Scheitern der politischen Bestrebungen jener Ritterschaft im Deutschen Reich verlor sie hier auch die hohe Bedeutung für die Entwicklung der Reformation. Die Bürger grosser Städte waren es, die jetzt vorangingen, den evangelischen Predigern zufielen, neue beriefen, durch sie den Gottesdienst nach Luthers Weisungen ordnen liessen. Und zwar wurde nun hier die Annahme der Reformen durch die Obrigkeiten, d. h. die städtischen Magistrate verfügt, sei's dass sie von der Bürgerschaft hierzu angetrieben wurden, sei's dass sie selbst schon mit den Bürgern von der Bewegung ergriffen waren. -- 
40 Der grösste Zahl treuer Anhänger und Freunde gewann Luther schon während der ersten Jahre der Reformation in Nürnberg (vgl. schon S. 136f). Hier hatte sein vertrauter Freund Link als Prediger des Augustinerklosters von Anfang an in Übereinsstimmung mit ihm das Wort Gottes vorgetragen, sein Freund Spengler sass als einflussreicher Mann im Rate der Stadt, der Schlesier Schleupner, der bei ihm in Wittenberg sich theologisch weiter gebildet hatte, wurde Prediger an der Sebalduskirche. In gleichem Geist mit ihnen arbeiteten der Prior jenes Klosters, die Pröpste der beiden Hauptkirchen, ferner der oben (S. 587. 598) erwähte Prediger Osiander, der theologisch bedeutendste unter ihnen. 
41 Hier hatte sich ferner der ehrliche, aus den kernigsten Bürgertum hervorgegangene Dichter Hans Sachs den neuen evangelischen Lichte zugewendet; so sang und lehrte er 1523 in einem langen Gedicht von der "Wittenbergischen Nachtigall, die man jetzt höret überall", und gab auch Beiträge zum Kirchenlied. Albrecht Dürer gehörte schon zu den ersten Genossen des Kreises, der um Link sich sammelte und mit Liebe und Verehrung auf Luther schaute; bekannt ist der rührende Herzenserguss in seinem Tagebuch (611) von seiner Reise nach den Niederlanden (oben S. 433), als er vernommen, dass Luther, der fromme, von Gott erleuchtete Lehrer des heiligen Evangeliums, auf der Rückreise aus Worms verschwunden sei. Wir hörten, wie dann in Nürnberg auch vor Reichsregiment und Reichständen gepredigt und reformiert wurde. (n41
42         In Magdeburg hatte Erzbischof Albrecht schon im Jahre 1521 den von Luther hocngeschätzten Prediger Kaugsdorf wegen seiner ketzerischen Richtung abgesetzt. Seit Ende des Jahres 1522 trat daselbst der Augustiner Melchior Mirisch als Prediger des Evangeliums ein, der früher die Stelle eines Priors in Dresden bekleidet und in Wittenberg promoviert, dann (1520) die Stelle des Priors im Augustinerkonvent zu Gent erhalten hatte, und bewährte sich als solcher, obgleich Luther wegen der Art, wie er sich bei den Verfolgungen in den Niederlanden durch schlaue Erklärungen dem Bekenntnis und Märtyrertum entzogen habe, anfangs sehr ungünstig von ihm dachte. 
43 Noch kurz vorher schrieb der dortige Bürgermeister Storm oder Sturm an Luther, den er während seines Magdeburger Schuljahrs (oben S. 25) kennen gelernt zu haben sich erinnerte, um ihn von dem harten Schreiben gegen die hohen Häupter der Kirche abzumahnen. Aber auch mehrere der bisherigen Prediger und ein grosser Teil der Bürger erklärten sich bereits eifrig für die Reformen. Aufs Andringen der Bürgerschaft schickte der Magistrat im Jahre 1524 Sturm zum Kurfürsten mit der Bitte, ihnen Amsdorf als Pfarrer abzutreten, ersuchte auch Luther selbst um einen Besuch. Er kam in Begleitung Melanchthons und predigte dort mehrmals, u. a. am 26. Juni. Amsdorf übernahm das Pfarramt der Ulrichskirche und führte die erforderlichen kirchlichen Neuerungen aus. Ihm folgte dorthin Cruciger als Rektor der städtischen Hauptschule (s. oben S. 548 = 5,3#92). Als die Magdeburger Domherren das Reichsregiment zum Einschreiten gemäss den kaiserlichen Edikten aufriefen, traf die Stadt bereits Zurüstungen zu einem bewaffneten Widerstand. (n43
44        Im Osten Deutschlands wurde Breslau eine Hauptstadt für die Reformation. Dorthin hatte Luther an Bischof Thurzo unmittelbar vor dessen Tod mit guten Hoffnungen geschrieben (oben S. 308). Schon seit dem Jahre 1520 wurde in einem der Klöster daselbst "lutherisch" gepredigt und der Magistrat war dem günstig, schon 1522 fürchtete der Klerus eine Erhebung des Volkes gegen sich. Im folgenden Jahre berief der Magistrat den Nürnberger Johann Hess, früher Sekretär bei Thurzo, dann Hofprediger des Herzogs von Oels, zuletzt (Frühjahr 1523) in Nürnberg, am 20. Mai 1523 als Prediger an die Magdalenenkirche und investierte ihn, als der Bischof Jakob von Salza die Präsentation abwies, aus eigner Macht als Pfarrer. 
45 Er hielt am 20. April 1524 eine Disputation zur (612) Rechtfertigung der evangelischen Grundsätze, und der Rat gebot auf Grund derselben den städtischen Predigern künftig nur noch die Lehre der heiligen Schrift ohne Rücksicht auf Tradition und Kirchenväter vorzutragen. Hess hatte im Dezember 1519 (S. 303) einen Besuch in Wittenberg gemacht und gehörte seither zeitlebens zu den nahen persönlichen Freunden Luthers und besonders Melanchthons. Schlesien überhaupt zeichnete sich durch Teilnahme für Luther aus. Der in Oels residierende  Herzog Karl von Münsterberg, ein Nachkomme des Böhmenkönigs Georg Podiebrad und Gönner des Hess, schrieb an Luther im März und wieder am 29. Juni 1522 und ermunterte ihn zum ferneren Kampf für den Laienkelch und gegen der Tyrannei der Päpste, die seines Ahnen Geschlecht verflucht hatten. 
46 Der Herzog von Liegnitz beschützt offen die evangelische Lehre. Besonders eifrig zeigte sich unter den ersten Vertretern der reformatorische Bewegung Kaspar Schwenkfeld von Ossig. Auch vor Überstürzung und mangelnder Rücksicht auf die Schwachen mussten Luther und Melanchthon in Briefen an Hess warnen: auch Carlstadt und Genossen hatten dort bereits ihre Geistesverwandten. (n46
47         Am entgegengesetzten Ende Deutschlands ragte Strassburg hervor. Seit Ende des Jahres 1523 hatte hier die Reformation den Sieg in der Bürgerschaft errungen. Ihrem ersten Vorkämpfer, dem Pfarrer Zell, traten eben damals Butzer und Capito zur Seite: Männer von selbständigerer Entwicklung als vielle andere Mitarbeiter der deutschen Reformation, aber beide auch persönlich durch Luther angeregt. Butzer hatte die ersten, tiefen Eindrücke von ihm bei der Heidelberger Disputation in 1518 empfangen. Capito war wegen seines Verhältnisses zu Erzbischof Albrecht, aus dessen Dienst er jetzt in den der Strassburger Gemeinde übertrat, vom ihm scharf zurecht gewiesen worden (vgl oben S. 453 = 4,2#58. 509 = 5,1#46), liess sich aber in dem neuhergestellten guten Vernehmen mit ihm auch dadurcu nicht stören, dass indiskrete Menschen inzwischen jenen scharfen Brief durch den Druck veröffentlichten. 
48 Erasmus, der in den Strassburgern Freunde Huttens sah, hatte diese erfolgreich bei Melanchthon verdächtigt; dieser aber hatte auf seine Reise in die Heimat (Frühjahr 1524) bei einer Begegnung mit Capito sehr günstigen Eindruck empfangen. Während er noch in der Ferne war, schrieb Luther am 25. Mai an Capito: Gerüchte von einer angeblichen Entzweiung zwischen den Strassburgern und ihm wies er unbedingt zurück. "Damals", schrieb er, "warst Du ein Knecht des Hofes, jetzt bist du Christi Freigelassener und bist ganz mein und ich ganz Dein". Unter den angesehenen Laien der Stadt hatte der Jurist Gerbel schon 1521 Freundschaft mit Luther gemacht (oben S. 458 = 4,2#87); wir finden ihn seitdem in regelmässigem Briefwecksel mit diesem. (n48) (613) 
49        Die Ulmer Bürgerschaft, bei welcher vorübergehend schon andere, besonders Kettenbach und Eberelin, kräftig gewirkt hatten, berief im Juni 1524 Konrad Sam als ersten ordentlichen Prediger des reinen Evangeliums. Er war schon 1520 als Geistlicher des Städtchens Brackenheim durch einen Brief Luthers wegen seiner Liebe zur reinen Lehre Christi begrüsst und ermuntert worden und bekannte, durch ihn zur Erkenntnis der Wahrheit gelangt zu sein. (n49
50        Die Reichsstadt Schwäbischhall wurde schon 1523 in besonnenen Reformen zu evangelischen Gottesdienst übergeführt durch den erst vierundzwanzigjährigen Johann Brenz, der gleichfalls, als ganz junger Magister, Luther in Heidelberg kennen gelernt und seither ganz an seinen Schriften sich weiter gebildet hatte. (n50
51         Seit 1524 predigte im gleichen Sinn in der kleinen Reichsstadt Wimpffen Erhard Schnepf, den wir ebenfalls bei der Heidelberger Disputation erwähnt haben, nachher ein Hauptwerkzeug der Reformation in Schwaben. In Esslingen, dessen Gesandter vom Wormser Reichstag als Verehrer Luthers zurückkkehrte, wurde die Bewegung durch den Einfluss des schwäbischen Bundes und der damals in Württemberg eingesetzten österreichischen Regierung in Schranken gehalten, und der besonders für sie tätige Michael Stiefel, ein Augustinermönch, der selbst in Wittenberg gewesen war, musste 1522 fliehen (S. 609 = #34). Aber sie währte fort und Luther beteiligte sich direkte an ihr, indem er, durch Stiefen veranlasst, am 11. Oktober 1523 den Esslingern eine Belehrung über eine Reihe von Artikeln zuschickte, welche die altgläubigen Geistlichen daselbst aufgestellt hatten. (n51
52         In Augsburg, einer der vornehmsten Städte des Reiches, hielt der Karmeliterprior Frosch, der Wirt Luthers im Jahre 1518 und Wittenberger Dokter der Theologie, fortwährend treu zu der verketzerten Lehre, während der Domherr Bernhard Adelmann der Bannbulle vom Jahre 1520 sich beugte, in die er als Anhänger Luthers mit aufgenommen war. Es enstand dort, wäurend eine Reihe kurz enwesender und sesshafter Prediger für die Reformation eintraten, ein langer, bewegungsvoller Kampf. Am 26. August 1523 trat daselbst zum erstenmal ein Priester in den Ehestand, feierlich vor einer Gesellschaft von Bürgern sein Verlöbnis feiernd; die Feier in der Kirche hatte der Rat verhindert. Als nun der Rat diese Bürger teils mit Geld, teils mit Gefängnis strafte, erliess Luther einen "Trostbrief" an "alle Glieder Christi in Augsburg". 
53         Er erinnerte sie, dass, wer mit herrschen wolle mit Christus, auch mit leiden müsse; dass das ein fauler Knecht wäre, der auf sametnem Polster sitzen wollte, während sein Herr hungerte, arbeitete und stritte, dass Gott den süssen, lieblichen Schatz des Evangeliums ein wenig würze und mit Myrrhen und Essig scharfschmeckig mache, dass man sein nicht überdrüssig werde. (614) 
54        Urbanus Rhegius, der bereits seit 1521 in pseydonymen Satgiren Luthers Gegner verspottet und in zahlreichen erbaulichen Schriften Luthers religiöse Gedanken wirkungsvoll verkündigt hatte, begann im Sommer 1524 als der tüchtigste Prediger des Evangeliums in Augsburg zu wirken und teilte zuerst mit Frosch das Abendmahl unter beiden Gestalten aus. Wir sehen Luther in diesem Jahre in Beziehung zu ihm treten. Luther freute sich, dass Rhegius als erster gegen die Abendmahlslehre Carlstadts die Feder ergriff. (n54
55         Auch aus Worms vernahm Luther von einer Anzahl evangelisch Gesinnter und bedachte sie, die "wie Ezechiel unter den Skorpionen wohnen", am 24. August 1523 mit einer kräftigen Zuschrift. Im nächsten Frühjahr entstand gar unter den Wittenberger Studenten das Gerücht, er beabsichtige, ohne Geleit und gegen des Kurfürsten Willen, selber nach Worms zu reisen -- doch wohl, um dort den Evangelischen im Kampfe beizustehen. (n55
56          Unter den norddeutschen Städten nahm Bremen im November 1522 Heinrich von Zütphen auf; die Ansgari-Gemeinde stellte ihn an; der Rat beschützte den überaus erfolgreichen Prediger gegen den hohen Klerus, welcher forderte, dass er als Gefangener des Kaisers ausgeliefert werde. Im Jahre 1524 wurde auch sein Landsmann Probst aus Wittenberg auf einer Bremer Pfarrstelle berufen. (n56
57       Zur gleichen Zeit, als Heinrich in Bremen sich niederliess, hörte Luther, dass die Hamburger "das Wort Gottes suchten" und dass sie einen bischöflichen Offizial, der es ihnen wehren wollte, vertrieben hätten; richtig war aber nur, dass damals einzelne Stimmen gegen den päpstlichen Bann redeten und dass die Bürgerschaft mit dem Scholastikus des Domkapitels um das Recht über die Schulen stritt. Ein Prediger, der 1521 reformatorische Predigten begann, wurde verdrängt, aber zu Ostern 1523 erhielt die Stadt in dem Franziskaner Stephan Kempe einen unerschrockenen Prediger des Evangeliums, dessen Wirksamkeit es zu danken war, dass sich im Sommer 1524 die Nikolaigemeinde nach Wittenberg wandte und Bugenhagen berief. Aber noch trat der Rat dem Willen der Gemeinde entschieden entgegen und Bugenhagen blieb in Wittenberg. (n57
58         Soweit an diesen Orten die neue Lehre durchdrang, begann man überall die äusseren, gottesdienstlichen Neuerungen nach dem Masse, welches hierfür Luther empfohlen hatte. Mit der bisherigen Kirche wollte man darum noch nicht brechen: noch hoffte man auf jene friedliche Entwicklung in Deutschland, zu der die Beschlüsse der Reichsstände Aussicht gaben. -- Wir haben zugleich bemerkt, wie weit mit der Verbreitung von Luthers Lehre auch seine persönlichen Verbindungen nach allen Seiten hin sich ausdehnten. 
59          Dagegen konnte unter den Fürsten des Reiches keiner, auch wenn (615) er der neuen Lehre innerlich sich zuneigte, sich schon zu einem offenen, entschiedenen Schritt entschlissen; Luther suchte auch keinen dazu anzutreiben. 
60       Zuerst hören wir von den zwei Mecklenburger Herzögen Heinrich und Albrecht, von denen ersterer auf der Heimkehr vom Nürnberger Reichstag 1523 Luther in Wittenberg kennen gelernt hatte, dass sie im Frühjahre 1524 durch Zwischenpersonen Luther um "Evangelisten" ersuchten. Luther schickte durch den Augustinerprior von Sternberg zwei Männer seines Ordens dorthin, wollte jedoch dem Fürsten, der darum gebeten hatte, nicht selbst schreiben, damit ken Verdacht entstünde. Unter den Mecklenburger Herzögen war und blieb besonders Heinrich der Sache gewogen, enthielt sich aber noch lange Zeit eines offenen Hervortretens. (n60) Auch von Herzog Heinrich von Braunschweig wurde damals durch den Humanisten Euricius Cordus Luther berichtet, dass er das Evangelium anzunehmen beginne, während sich bald das Gegenteil herausstellte. (n60a
61          Die wichtigste Wendung aber bereitete sich jetzt bei dem Fürsten von Hessen vor, der so kräftig gegen Sickingen das Schwert geführt und bisher die evangelische Predigt streng aus seinem Land verbannt hatte. Landgraf Philipp traf im Frühjahr 1524 zufällig mit Melanchthon zusammen, der auf der Rückkehr von seiner Reise in die Heimat begriffen war. Nachdem er ein freundliches Gespräch mit ihm geführt, erbat er sich von ihm einen schriftlichen Bericht über die religiösen Streitfragen, den Melanchthon in treffender Kürze abfasste ("Summa der christlichen Lehre"). Noch im Sommer verfügte er, dass das Evangelium in seinem Gebiet rein gepredigt werden solle. 
62 Mit frohen Hoffnungen vernahm Luther im folgenden März, dass eine Zusammenkunft zwischen ihm und den Herzögen Johann und Johann Friedrich von Sachsen verabredet sei. Sie fand am 20. März in Kreuzburg a. d. Werra statt und ihr Ergebnis übertraf die Erwartungen: Philipp erklärte, eher Leib und Leben, Land und Leute lassen zu wollen, als dass er vom Wort Gottes wiche, und versprach, in diesem Sinn auch noch Kräften auf Herzog Georg einzuwirken, dessen Tochter seine Gattin war; er hatte auch vorher schon eifrig mit seinem Schwiegervater über die religiösen Fragen korrespondiert. (n62
63        Unter den feindlichen Fürsten des Reiches stand für Luther eben jener Herzog Georg von Sachsen immer in erster Reihe wegen "Tobens und Wütens wider Gott und seinen Christ". Derselbe hielt mit den Bischöfen, besonders dem merseburger, treulich zusammen in der Fürsorge, sein Land von ketzerischen Predigern und Büchern zu reinigen, was natürlich gerade hier wegen der Nähe Wittenbergs besonders schwer hielt. Den Ungehorsam gegen seine Verbote strafte er mit Verbannung, Gefängnis und Geldbussen. Hierzu kan die persönliche Gereitzheit zwischen ihm und Luther. Es muss (616) indessen anerkannt werden, dass er in seinen Überzeugungen redlich und ernst war, und dass er sich enthielt, in Sachen des Glaubens Blut zu vergiessen.
64 Er liess zwar jemand wegen Entführung einer Nonne hinrichten, jedoch niemand wegen einfacher Ketzerei, noch auch wegen Verbreitung ketzerischer Lehren und Schriften. Als der Wittenberger Prediger Fröschel im Herbst 1522 sich erkühnte, in Leipzig Gastpredigten zu halten, liess er ihn bloss verhaften und ausweisen. Auch Luther hatte ihm keine Bluttaten vorzuwerfen. -- Georgs Bruder Heinrich war wohl schon damals anders gesinnt, aber in seinem Verhalten durch jenen gebunden. So mussten im Jahre 1523 drei adlige Fräulein wegen lutherischer Bücher seinen Hof in Freiberg verlassen, an welche Luther dann einen Kurzen Trostbrief schrieb. Schurf liess ihn hinter Luthers Rücken drucken, ohne dass er an die Vertriebenen abgeschickt wurde. (n64
65          Schwereres mussten die evangelisch Gesinnten in den Ländern der Fürsten und Bischöfe leiden, die scih zur Ausrottung der Ketzerei auf dem Regensburger Konvent vereinigt hatten. Diese scheuten sich dann auch nicht, zum Äussersten zu schreiten. 
66       Den stärksten Halt hatte das römische Kirchentum bei den bayrischen Herzögen. Der Papst hatte sie auch durch Einräumung wichtiger Rechte und Vorteile sich verbunden. Hier wirkte Eck fort und fort als der eifrigste und betriebsamste unter Luthers theologischen Gegnern in Deutschland. Seine Richtung beherrschte die Universität Ingolstadt. Als bei dieser der junge Magister Arsacius Seehofer, der in Wittenberg studiert hatte, nun eine Vorlesung über Briefe Pauli in Anlehnung an Melanchthons Auslegung gehalten hatte, wurde er im August 1523 durch den Rektor, den Theologen Nikolaus Appel, verhaftet; am 7. September wurden ihm 17 "ketzerische" Artikel aus seinen Aufzeichnungen in öffentlicher Universitätsversammlung vorgehalten, er musste sie widerrufen als Erzketzerei und Büberei und wurde darauf im Kloster Etall interniert; aus diesem entfloh er später und flüchtete nach Wittenberg. 
67 Nicht nur von evangelischer Seite wurden jene 17 Artikel veröffentlicht, auch die Richter Seehofers gaben sie bekannt mit Angabe der Gründe, warum jeder dieser Artikel als ketzerisch bezeichnet worden sei -- freilich bestritt Ingolstadt hernach, diesen Druck veranlasst zu haben, lud aber zugleich auf den 11. April 1524 zur Disputation über diese Artikel ein. Jene erste Veröffentlichung der Ingolstädter war Luther in die Hände gekommen. Inzwischen hatte die tapfere Frau eines herzoglich bayrischen Beamten, Argula von Grumbach (Argula Staufferin), Sendschreiben an die Ingolstädter Universität und an Herzog Wilhelm von Bayern gerichtet, sie die Frau, da ja scho zu lange kein Mann wider diesen Frevel zeuge.
68 Schon im Juni 1522 war sie mit Luther in Korrespondenz getreten; im (617) Januar 1524 empfing er abermals einen Brief von ihr, wohl in derselben Angelegenheit. Er erkannte mit Freuden in ihr, die aus einer sündhaften Tochter Adams eine Tochter Gottes geworden sei, ein sonderliches Werkzeug Christi an, der durch dieses schwache Gefäss die Mächtigen und Weisen zu schanden mache. Schon im Mai 1524 erwähnt er, dass die Herzöge auch durch Hinrichtungen das Evangelium verfolgten. Über seine Schrift gegen die Ingolstädter Artikel s. unten S. 645. (n68
69         Aus den Verfolgungen in Österreich ging der Wiener Kaufmann Kaspar Tauber als ein Märtyrer hervor, den Luther mit jenen beiden in Brüssel Verbrannten zusammenstellte: er hatte, als er einen feierlichen öffentlichen Widerruf leisten sollte, vielmehr ein neues, festes Bekenntnis abgelegt und wurde deshalb am 17. September 1524 enthauptet, sein Leichnam verbrannt. (n69
70        In solchen Verfahren gegen die Evangelischen schloss sich an Kaiser Karl und Herzherzog Ferdinand von Österreich König Ludwig von Ungarn und Böhmen, der Mann ihrer Schwester Maria, an, der anfangs milder gesinnt gewesen sein soll. Luther nennt nächst Tauber als Opfer der Verfolgungen einen Buchhändler Johann oder Georg in Pesth, der hier im Jahre 1524 mit seinen Büchern verbrannt wurde. Ludwig machte auch dem Kurfürsten Friedrich Vorwürfe wegen des Schutzes, den er Luther gewähre. Er wandte sich ferner an Herzog Georg von Sachsen wegen der kirchlichen Reformen, welche die Herren von Minkwitz  in ihrer unter sächsischer Lehenshoheit stehenden, aber mit der (böhmischen) Lausitz zusammenhängenden Herrschaft Sonnenwalde vornahmen. 
71 Luther gab ihnen dafür ein Gutachten. Ludwig forderte Unterdrückung, und Georg wollte einschreiten; jene beharrten jedoch in ihrem Vornehmen, gestützt auf die Gunst Friedrichs, dessen Rat Hans von Minkwitz war. Auch in Schlesien, welches zu seinem eignen Reich Böhmen gehörte, vermochte Ludwig seinen Willen nicht durchzusetzen; Luther triumphierte, dass Hess in Breslau trotz aller königlichen Gesandten gesiegt habe. Von den Vorgängen in Böhmen selbst werden wir nachher reden. (n71
72         Was die übrigen deutschen Länder anbelangt, so machte eine Heimsuchung, die über die kurmainzische Stadt Miltenberg erging, besonderes Aufsehen. Johann Drakonites (eigentlich Drach), der einst Luther in Erfurt auf der Durchreist nach Worms mit begrüsst hatte und dann Anlass zu Tumulten daselbst geworden war (S. 463 = 4,3#4), wurde hier 1522 von der Bürgerschaft auf eine Predigerstelle berufen, von dem Mainzischen Kommissar in Aschaffenburg 1523 vergeblich citiert, darauf in den Bann getan. Als am 8. September 1523 die Exkommunikation in dder Miltenberger Kirche verlesen wurde, wollte die empörte Gemeinde sich an den Priestern vergreifen, aber Drakonites schützte diese; da eine Petition der Bürgerschaft in (618) Mainz ungnädigen Bescheid erhielt, baten die Bürger den geliebten Prediger, zu entweichen. 
73  Am 20. Oktober besetzte der erzbischöfliche Hofmeister mit reisigen Knechten die Stadt, setzte den Bürgermeister und andere evangelisch gesinnte Männer gefangen, der katholische Gottesdienst wurde wieder hergestellt -- auch reden die Quellen von zwei "Märtyrern im Turm" (hingerichtet oder im Gefängnis gestorben?). Drakonites, der über Wertheim nach Nürnberg zog, richtete von dort eine Bittschrift für die Gefangenen nach Mainz, schrieb dann von Erfurt aus einen Trostbrief an seine geängstete Gemeinde, und entwich, als man ihn dort verhaften wollte, nach Wittenberg, wo er schon im Jahr vorher von Wittenberg aus gewesen war, um sich die theologische Doktorwürde zu erwerben. Wie er nun von hier aus seine Gemeinde zur Standhaftigkeit ermahnte, so richtete auch Luther gleichzeitig (Februar 1524) einen "Trostbrief an die Miltenberger" mit einer praktischen Auslegung des 120. Psalms. (miltenberg). 
74        Er ermahnte sie, ihren Feinden kein Arges zu wünschen, vielmehr herzliches Erbarmen für sie zu hegen, weil sie ein böses Gewissen hätten und sich selbst schweren Schaden täten; wir, sagt er, sollen schweigen und leiden wie Kinder, damit der Spruch (Psalm 8,3) erfüllt werde: "Du hast einen starken Grund gelegt durch den Mund der Unmündigen und Säuglinge, auf dass du des Feindes ein Ende machest"; wo Gott so sein Wort rede durch den Schwachen Mund, da würden auch noch etliche der Feinde bekehrt werden, die des Teufels Schuppen gewesen, und dieser werde blass und matt; solche fröhliche Überwindung ohne Schwert und Faust tue dem Teufel wehe. 
75 Wegen der Schmähungen gegen die sogenannte "lutherische" Lehre äusserte er: "Wiewohl ich's nicht gerne habe, dass man die Lehre und Leute lutherisch nennt, und muss von ihnen leiden, dass sie Gottes Wort mit meinem Namen also schänden, so sollen sie doch den Luther, die lutherischen Lehren und Leute lassen bleiben und zu Ehren kommen". (miltenberg#50)
76         Luther zeigte dem Erzbischof selbst an, dass er dieses Schreiben ausgehen lasse; er erklärte ihm, dass allgemein bekannt sei, wie die Miltenberger in Wahrheit nicht Aufruhrs halber, sondern des Evangeliums wegen so geplagt seien, dass er aber noch hoffe, der Erzbischof werde nicht selbst so gesinnt sein wie etliche Wölfe an seinem Hof und werde vielleicht nicht alles so wissen. In der Tat wollte dieser auch jetzt noch nicht den unbedingten Feinden der neuen Lehre beigestellt sein, sondern noch immer für mögliche Wendungen sich die Hand frei halten; zwischen Luther und ihm war ein brieflicher Verkehr überhaupt noch nicht abgebrochen. (n76) (br140224). 
77        Auf die greulichste Weise endlich wurde im äussersten Norden Deutschlands das edelste Opfer, jener Heinrich von Zütphen (S. 614 = #56), durch wütende Bauern abgeschlachtet, die des Klerus aufhetzte. Sein Eifer, weiter zu missionieren, zog ihn zu Ende November 1524 von Bremen weg nach Meldorf zu den freien Bauern in Ditmarschen, wohin der Pfarrer des Orts, Nikolaus Boje, mit gleichgesinnten Pfarrkindern ihn rief, damit er (619) ihnen das Wort Gottes verkündigte und sie aus des Antichrists Rachen brächte. (heinrich#51) Die Meldorfer Dominikaner wirkten schleunig bei den sogenannten Achtundvierzig, dem aus den Gemeinden der Landschaft gewählten Obergerichte, einen Befehl aus, den Ketzer zu verjagen; die Meldorfer beriefen sich aber auf ihr Recht, sich ihre Prediger selbst zu erwählen, und unter den Achtundvierzig drang nun die Meinung durch, dass man in der Aussicht auf ein nahes Konzil die Sache bis auf weiteres könne ruhen lassen.
78 Auf neues Verhandeln der Mönche mit etlichen der Achtundvierzig erklärten diese sich bereit, noch einmal ihren Befehl an den Pfarrer und Heinrich zu wiederholen. Die Mönche aber trieben, diesem augenblicklich ein Ende zu machen, da seine ersten Predigten bereits mächtig wirkten. So machten sich mehrere der bäuerlichen Häupter mit etwa fünfhundert Genossen auf, brachen in der Nacht vom 9. auf den 10. Dezember ins Meldorfer Pfarrhaus ein und rissen Heinrich hinweg nach eine Meile entfernten Dorfe Heide, wo sie ihn unter vielen Martern umbrachten; der Schein rechtlichen Verfahrens wurde dadurch notdürftig gewahrt, dass einer, der früher Ortsrichter gewesen, anwesend war und von wegen seines gnädigen Herrn, des Erzbischos von Bremen, den "Bösewicht, der gegen die Mutter Gottes und den Christenglauben gepredigt habe", zum Tode verurteilte. Luther erkündigte sich genau nach der "Geschichte und Marter dieses seligen Bruders Heinrich", zeichnete sie auf und veröffentlichte sie mit einem Sendschreiben an die Bremer und mit einer kurzen Auslegung des 9. (10.) Psalms. (heinrich#1)
79       Ergreifens führt er in ganz einfachem geschichtlichem Bericht den Lesern jenen ganzen Hergang vor Augen: wie jene den Gefangenen unangekleidet in der kalten Winternacht unter Hohn und Misshandlungen fortschleppten, ihn in Heide erst in einen Keller steckten und seine Wächter Mutwillen mit ihm treiben liessen, während sie den Rest der Nacht mit Saufen verbrachten, wie sie dann am Morgen ihn verbrennen wollten, aber kein ordentliches Feuer zustande brachten, ihn inzwischen stundenlang mit ihren Waffen schlugen und stiessen und zuletzt einen ungeschickten Versuch machten, ihn an eine Leiter gebunden aufs Feuer zu legen, wie endlich einer ihn mit einen Fausthammer auf die Brust schlug, bis er sich nicht mehr regte. 
80 Ferner wie Heinrich jenem Vogt ruhig erwiderte, dass er das ihm Vorgeworfene nicht getan, wie er von jenem weg zum Himmel aufblickte mit der Bitte, dass des Herrn Wille geschehen und der Herr ihnen verzeihen möge, die nicht wüssten, was sie täten; wie er einen Mönch, dem er beichten sollte, mit der Frage beschämte, ob er ihm denn je etwas zu leid getan habe, das dieser zu vergeben hätte; wie er noch an der Leiter seinen Glauben zu sprechen anfing, aber von einem aufs Maul geschlagen und von einem andern auf die Brust getreten wurde. Jener Psalm hebt an mit den Worten: "Ich danke dem Herrn von ganzem Herzen und erzähle alle deine Wunder". "Diese Wunder", sagt Luther, "sind, dass Gott die Welt zwingt und bekehrt nicht mit Gewalt, sondern durchs Blut und Sterben seiner Heiligen und überwindet die Lebendigen durch die Sterbenden und Toten: das ist ein wunderlicher Sieg". (heinrich#17)
81 Den Bremern schrieb er: "unter diesen Heiligen, deren Blut köstlich ist vor Gottes Augen, leuchtet Euer Henricus (620) am allerhellesten". (heinrich#6) Auch dieser Mordtat gegenüber wollte er nicht, dass man den Tätern übel nachrede: sie treffe durch die Schuld, welche sie auf sich geladen, schon allzugrosse Vergeltung; die Bremer sollten vielmehr über sie, als über ihren seligen Heinrich weinen und Gott bitten, dass er nicht allein sie, sondern das ganze Ditmarscher Land zur Erkenntnis der Wahrheit kommen lasse; es sei tröstlich, zu hoffen, dass solche Frucht folgen werde aus diesem Leiden Heinrichs. (heinrich#12) Seine Hoffnung ist wenige Jahre nachher an dem ganzen Lande Ditmarschen erfüllt worden. (n81
82        So rang in Deutschland das neue Leben mit den alten Mächten, und Luther vertraute der unsichtbaren Gotteskraft, die es durch Leiden zum Siege führen werde. 
83         Ihre grösste Eroberung aber machte inzwischen die evangelische Predigt ausserhalb des damaliten deutschen Reichgebietes, in Preussen, dem Lande der Deutsch-Ordens-Ritter. Der Staat dieser Ritter, die zugleich mit dem ritterlichen Schwert und den mönchischen Gelübden der Keuschheit, der Armut und des Gehorsams Gott dienen sollten, war längst in traurigem Zerfall begriffen. Sie waren dem auf sie eindringenden Polen in einer Reihe von Kämpfen unterlegen, hatten Westpreussen abtreten und für ihr noch übriges Gebiet die polnische Oberhoheit anerkennen müssen. Innerlich war das Gemeinwesen durch Parteiungen und offene Kämpfe zerrüattet worden. 
84 Zum geistlichen Charakter des Ordens stand das sittliche Leben schon seit dem 14. Jahrhundert grossenteils in grellem Widerspruch. Jetzt stand Albrecht, Markgraf von Brandenburg, ein Vetter des Kurfürsten und Erzbischofs Albrechts, als Hochmeister an der Spitze des Ordens. Noch hoffte er, nach einem neuen unglücklichen polnischen Krieg, mit Hilfe des deutschen Mutterlandes die Selbständigkeit wieder gewinnen zu können. Schon im September 1521 hatte er als seinen Agenten den sächsischen Edelmann Dietricht von Schönberg zum Kurfürsten Friedrich gesandt, um unter anderm ihn auch zu fragen, ob wohl durch Luther eine Revision des Ordensbuches erfolgen könne, als Vorarbeit für eine Reformation des Ordens. 
85 Der vorsichtige Kurfürst scheint jedoch nicht Lust gehabt zu haben, Luther in diese Sache hineinzuziehen. Die Zusendung des Ordensbuches an Luther unterblieb einstweilen, um das Geheimnis strengstens zu wahren. Aber im Frühjahr 1522 kam Albrecht selbst ins Reich; um des Reichstags willen begab er sich nach der eben der evangelischen Sache sich erschliessenden Stadt Nürnberg. Die ersehnte Unterstützung fand er nirgends; aber er lernte hier die evangelische Predigt kennen, fühlte sich besonders von Osiander angezogen, trat mit ihm, Spengler und andern in engen Verkehr. Schon im Dezember jenes Jahres durfte Luther über eine Äusserung sich freuen, die Albrecht dort gegen den päpstlichen Legaten tat: dass man nämlich der Kirche schlecht aufhelge, wenn man die offenbare Wahrheit verdammen und Bücher verbrenne. 
86 Die tiefe Verderbtheit des Ordens erkannte damals auch Papst (621) Hadrian und gebot deshalb, ihn von oben bis unten zu reformieren. Der Hochmeister aber ging jetzt geradezu Luther um Ratschläge für eine Reform desselben an. Er sendete im Juni 1523 Magister Johann Oeden als Unterhändler mit einem Handschreiben an Luther: es handele sich um eine Reformation des Ordens, der Bischöfe, Prälaten und Geistlichkeit. Eine Abschrift der Ordensstatuten wurde ihm jetzt vorgelegt: er solle aufzeichnen, was daran christlich sei und was der Reform bedürfe. Am 1. Advent (29. November) erschien darauf Albrecht persönlich bei Luther. Dieser riet ihm, die ganze törichte und verworrene Ordensregel fallen zu lassen, ein Weib zu nehmen und Preussen in ein Herzogtum umzuwandeln. 
87 Melanchthon, der an der Besprechung teilnahm, stimmte diesem Rate zu; Albrecht lächelte, gab aber keine Antwort darauf. Hatte Luther das lächelnde Schweigen des Hochmeisters richtig verstanden, oder noch direke eine Anregung dazu von ihm erhalten, jedenfalls setzte er sich sofort an die Arbeit und trug denselben Vorschlag, den er mündlich gemacht, nun auch in einer Schrift vor, die natürlich, om Albrechts Zwecken zu dienen, völlig als aus eignem Antrieb hervorgehend auf dem Büchermarkt erscheinen musste, sein öffentliches Sendbriefen: "An die Herren deutschs Ordens, dass sie falsche Keuschheit meiden und zur rechten ehelichen Keuschheit greifen, Ermahnunt". 
88         Die biblischen Gründe Luthers sind hier dieselben wie die, mit denen er das eigentliche Mönchtum bestritt. Und dazu kommen ihm nun bei dem Ritterorden noch besondere "menschliche Ursachen, die vor der Welt gelten": es sei ein seltsam Ding, das weltliche Schwert führen und weltlich sein und zugleich geistlich und sich wie ein Mönch halten; wie sich das zusammenreime, lehre täglich die Erfahgung und Vernunft allzuwohl. Der Orden habe vor den Mönchsorden, wenn er diesen Stand aufgeben wolle, den grossen Vorteil voraus, dass er reiche zeitliche Güter besitze, mittels deren man die Mitglieder unterhalten und Landsassen, Amtleute oder sonst nützlich Personen aus ihnen machen könne, dass die Herren für ihren kriegerischen Beruf so gut und nocht besser als bisher taugen würden, und dass so aus ihrem Ordensstaat mit der Zeit eine rechte ordentliche Herrschaft werden möchte, die ohne Gleissen und falschen Namen vor Gott und der Welt angenehm wäre. 
89 Ferner würden die Ordensherren ihren Untertanen leidlicher und lieber werden, während sie jetzt für unnütz gälten, ja viel Argwohn gegen sie herrsche -- besonders auch, weil man allenthalben wisse, wie selten wahre Keuschheit und wie gefährlich dann fürs sittliche Leben die gezwungene Ehelosigkeit sei. Angriffe würden sie wegen des ihnen angeratenen Schrittes schwerlich zu fürchten haben, sonderlich wenn sie ihn in christlichem Sinn und mit dem Beifall ihrer Untertanen vornähmen, und ohne Zweifel würden ihn viel grosse Herren, die ehrbares Leben liebten, nicht ungerne sehen. 
90 Luther hoffte, der Deutsch-Orden würde dadurch auch für andere Orden ein trefflich, stark Exempel werden. Zugleich sprach er die Hoffnung aus, dass Christus sich etliche Bischöfe behalten habe, die ihr gegenwärtiges Amt lassen oder wieder zu einem rechten bischöflichen Amt machen möchten, und dass auch mancher Bischof und Abt zur Ehe greifen werde, wenn nur einmal die Bahn gebrochen wäre und das Freien nicht mehr für eine Schande und Gefahr gelte. (622) 
91         Am 2. Januar 1524 hatte Herzog Georg die eben erschienene Schrift bereits in Händen; er erkannte den Zusammenhang zwischen Albrechts Besuch bei Luther und dieser Schrift; er merkte, dass dieser Fürst jetzt für die "lutherische Leichtfertigkeit" gewonnen sei. Auch um Zusendung evangelischer Prediger hatte Albrecht Luther gebeten. Und schnell zeigte sich die Wirkung von Luthers Schrift und mündlichem Rat im Ordenslande. (n91
92       Bereits entschied sich auch einer der preussischen Bischöfe, Georg von Polentz, seit 1519 Bischof von Samland, für die evangelische Lehre. Seit dem Sommer 1523 predigte Johannes Amandi (Amandus) in Königsberg das Evangelium ein begabter, aber auch rücksichtslos dreinfahrender Mann, der sich dadurch bald seine Stellung verdarb. Im Dezember erschien, voon Luther empfohlen und durch Albrecht berufen, der ehemalige Franziskaner und Wittenberger Doktor der Theologie, Johannes Briesmann, und wurde Polentz' Berater, -- im Sommer 1524 der schon trefflich bewährte Paul Speratus, -- das Jahr darauf Johann Poliander. Diese drei, Briesmann, Speratus und Poliander, wurden, um mit Luther zu reden, die Evangelisten Preussens. 
93  Mit vollster Überzeugung arbeitete jener Bischof mit ihnen zusammen. Schon im Jahre 1524 schloss sich auch der Bischof von Pomesanien, Erhard von Queiss, ihren Bestrebungen offen an. Polentz hielt zu Weihnachten 1523 eine Predigt om Dom, in der er Briesmann als seinen Stellvertreter in der Predigt der Gemeinde empfahl und ankündigte, dass fortan deutsch getauft werden solle. Darauf erliess er am 28. Januar 1524 ein Mandat, worin er, über die herrschende religiöse Unwissenheit klagend, seinen Geistlichen gebot, bei der Taufe deutsch zu reden und das Volk in den göttlichen Verheissungen zu unterweisen, und für ihre eigbne Ausbildung ihen die Lektüre der Bibelübersetzung Luthers, seiner "Freiheit eines Christenmenschen" und andere Schriften von ihm empfahl; er hoffte, bald auch die preussischen und litauischen Eingeborenen mit christlicher Predigt in ihrer eignen Muttersprache versorgen zu können. Eine Ausgabe des Taufbüchleins Luthers erschien alsbald in Königsberg. Luther liess dieses Mandat zusammen mit einem Erlass des Ermländer Bischofs Mauritius Ferber vom 20. Januar 1524 drucken, der gegen die Lutheraner eiferte, unter dem Titel: "Duae episcopales bullae". 
94        Er wollte darin den lesern 

Noter:

n3:  603,1: B. Riggenbach, Joh. Eberlin 1874. Radlkoser, Joh. Eberlin. Nördlingen 1887. Ausgew. Schriften. 2 Bde. Halle 1896 u. 1902. Kettenbach: Kawerau in RE,3, 10, 265ff.

n10:  605,1: Die Thesen seiner Licentiatur bei Clemen, Beitr. z. Ref.-Gesch. 1, 34ff.

n10a:  605,2: Br 1, 341. 483. 2,12 (E 2, 183, 473, 3, 165). L. Dec. 24f. Bacc. u. Mag. 1, 10. 24. 25. Heinrich als "prior Gundensis": oben Anm 368,1. Krafft 39ff. 49f. Kolde, Aug. cong. 369f. 385ff.

n12:  605,3: Clemen a. a. O. 37ff.

n15:  606,1: Br 2, 179. 194. 206f. 213ff. 218. (E 3, 328. 357. 394. 396f. 404. 407. 411f.) 182 (v. 11. Aug., nämlich d. Tiburt. et Susannae, E3, 440f.). CR 1, 578. Br 2, 265, 379. 359. 361ff. (E 4, 39. 200. 181. 184. 196f.) WA 12, 73ff. Probst in Wittenberg: Kolde Anal. 41. -- Heinrich v. Z.: UN 1713, 249ff. Krafft 45ff. 52. Kolde Anal. 49. Kapp, Kl. Nachlese 550f. -- Über Lambert hörte L. anfangs, dass er schon wenige Tage nach Bos und Esschen hingerichtet worden sei. Diese Nachricht muss aber falsch gewesen sein; denn unter dem Lambert, an welchem Luth. nachher (Br 2, 462ff. E 4, 280ff) schrieb, kann nur jener verstanden werden, und L. führt ihn auch nachher nicht mit unter den Blutzeugen auf (bes. Br 2, 648); vgl. auch Br 6, 626f. Anm. Spal. Menck. 628 hatte jene Nachricht offenbar von Luth. P. Fredericq, Corp. ducomentorum inquisitionis Neerlandicae IV n. 138ff. Clemen a. a. O. 40ff.

n18:  607,1: WA 12,73ff. Br 2. 362ff. Kessler, Sabbata I (1866) 239ff.; neue Ausg. 130f.

n33:  608,1: Wackernagel, D. deutsche Kirchenlied 3,3f.; die 10. Strophe ("Die Aschen will etc") samt der 9. fehlt im ältesten Text, dem Erfurter Enchiridion; beide sin dann in Joh. Walters Gesangbüchlein hinzugefügt.

n29:  608,2: Cornelius, Münster. Aufruhr 1, 34. 50. 64. 81. Kolde, Aug. cong. 402. L. Schulze in Evg. Kirchenztg. 1881, 465. L. Dec. 26ff. ZKG 11, 460ff. Hölscher, Ref.-Gesch. d. Stadt Herford. Gütersloh 1888. Br 2, 283. 357 (E 3, 54. 179f).

n30:  608,3: Vgl. Smend, D. deutsch. ev. Messen 71. Kück, Schriftstellernde Adlige d. Ref.-Zeit I. 1899.

n38:  610,1: Kronberg: Schriften Hartmuths von Cronberg, hrsg. v. Kück. Halle 1899. Br 2, 158. 161ff. (E 3, 318. 308ff.); die Stellen Br 6, 673: E 3, 335ff.; WW 15, 1855ff.; Roth 30. -- Landschad: Kück, Schriftstellernde Adlige I. -- Wertheim: Br 1, 602. 2, 245. 6,43 (E 4, 2f. 160f.). EA 20, 35. -- Schwarzburg: Br 2, 257ff. (E 4, 36) -- Kawerau, C. Güttel 1882 (Zeitsch. d. Harzvereins XIV). -- Jörger: Br 2, 676 (E 5, 188) 6, 524ff. Bk. 220. 278. -- Starhemberg: Br 2, 397ff. (E 5, 10ff.: v. 1 Sept 1524). Kühne, Die Häuser Schaunberg u. Starhemberg etc 1880 S. 14ff.

n41:  611,1: Fried. Roth, D. Einführung d. Ref. in Nürnberg. Würzburg 1885; W. Kawerau, Hans Sachs u. die Reformation. Halle 1889; Lange u. Fuhse, Dürers schriftl. Nachl. Halle 1893 S 161ff; M. Zucker, A. Dürer, Halle 1900.

n43  611,2: Seck. 1, 246. Pressel, Amsdorf. Meier, Amsd. in Meurer, Leben d. Altväter etc. Hülse, Einführung d. Ref. in Magdeburg 1883 S. 65ff. Br 2, 133. 301. 616. 625. 644. 646. (E 4, 64. 5, 105. 123. 155f. 157.). -- Zu Kaugsdorf: Br 2, 132. 190 (E 3, 283. 357). Alb. 47. L. Dec. 15f. E 3, 285. Zu Mirisch: Br 6, 683. Seid Br 62. L. Dec. 17. Kolde, Aug cong. 464. Anal. 56. Hülse, Die Einführung der Ref. in Magd. 1883, 7. -- Pressel und Meier lassen nach Rathmann (Geschichte Magdeburgs 3, 358) und Lke. Luth. am 3. Juli in Magdeb. predigen und erst am 6. nach Wittenb. zurückkommen, während L. doch hier schon am 4. wieder Briefe schrieb. Dagegen findet sich in einer Predigtsammlung des Paulermönchs Bonif. Bodenstein zu Magdeb. beim 5. Sonntag n. Trin. ( = 26. Juni) die Notitz, dass L. an diesem Sonntage dort gepredigt habe; auch war sein Predigtext der des 5. n. Trin.; vgl. Hülsse in Magd. Zeitg. 1883 N. 188; ders., Die Einführung der Ref. in Magd. 64ff. Mel. paed. 138 (der Brieg ist also erst nach dem 24. Juni geschrieben). Historia des Möllenvoigts Seb. Langhans. Magd. 1881. WA 15, 407.

n46:  612,1: Köstlin, Biogr. d Hess in Zeitsch. d. schles. Geschichtsvereins 6, 97ff. 181ff. u. in RE3, 8, 787ff. Br 2, 159. 176. (E 3, 318f. 325). E 3, 408ff. O. Hampe, Zur Biogr. K. v. Schwenkfelds, Osterprogr. d. Jauersch. Gymn. 1882.

n48:  612,2: Br 2 522ff. 5. 89ff. 153ff. (E 4, 347ff. 3, 152. 155. 239ff. 313f.). E 3, 159ff. etc. (Was Baum, Capito 256f., über die Stellung der Wittenberger zu Capito sagt, ist mit Bezug auf Luth. unbegründet.)

n49:  613,1: Br 1, 489f. (E 2, 483ff.). Bossert in RE,2,3, 376ff.

n50:  613,2: Hartmann, Joh. Brenz 1862. Bossert in RE 3, 3, 376ff.

n51:  613,3: WA 12, 151ff. Br 2, 416ff. (E 4, 242f.) Keim, Reformationsblätter der Stadt Esslingen.

n54:  614,1: WA 12,221ff. Br 2. 440ff. (E 4, 264f.; über das Unterbleiben einer kirchlichen Trauung bei der Verehelichung jenes Priesters vgl. Muther, Aus dem Universitäts- u. Gelehrtenleben etc, 247, und oben S. 733f.). -- Uhlhorn, Urban Rhegius, 1861. Br 2, 593 (E 5, 99: isst scherlich von Luth.) 586 (E 5, 89. 15.) F. Roth, Augsburgs Ref.-Gesch. 2, 1901 S. 115ff. Seitz, D. theolog. Entwicklung d. Urban Rhegius. Gotha 1898. Clemen in Beitr. z. bayer. Kgesch. 9, 72ff.

n55:  614,2: Br 2,310. 392ff. (E 4, 91f. 216f.). Roth, Die Buchdruckereien zu Worms 1892, 77ff. Mel. paed. 133.

n56:  614,3: Br 2, 379. 511. (E 4, 41. 200. 340f). Kolde Anal. 55ff. E 5, 14ff. Iken, H. v. Zütph. Halle 1886.

n57:  614,4: Br 2, 265 (E 4, 40). Vogt, Bugenhagen 1867. Kolde Anal. 56. E 5, 14. Sillem, D. Einführung d. Ref. in Hamburg, Halle 1886, 43f. Briefw. d. Bugenh. 18ff. 21ff.

n60:  615,1: Br 2, 511 (E 4, 340). Bk 70. Seid. Br. 22f. E 4, 367. Seck. 1, 295. Schnell, Heinrich V. Halle 1902. S. 25f.

n60a:  615,2: Br. 2, 511 (E 4, 340f)

n62:  615,3: Camerarius, Vita Melanchth.; CR 1, 677, 703ff. Br 2, 633. 641. 644. (E 5, 138. 147. 156.) Spal Menck. 642. Rommel, Philipp d. Grossmütige I. Hassenkamp, Hess. Kirchengeschichte I. Schmidt, Melanchthon 107. Ellinger, Mel. 193. Kolde Anal. 56. E 5, 14. Neues Archiv f. Sächs. Gesch. 6, 98.

n64:  616,1: Seid. Beitr.: Br 2, 347f. 357 (E 4, 161f. 178. Seidem., Jak. Schenk. 1875, 2.

n68:  617,1: WA 15, 95ff. Prantl, Gesch d, Ludwig-Maxim-Univers. 1, 150ff. Br 2, 559. 590 (E 5, 43, 4, 293f.) zu Argula: Br 6. 697.

n69:  617,2: Br 561, 563. 3, 66. (E 5, 46. 53). Spal. Menck. 637. Kessler, Sabbata ed. 1902, 124ff. Literatur über Tauber s. E 5, 46. Lösche, Gesch. d. Protestantismus in Österr. 1902, 21.

n71:  617,3: Br 2, 563 (E 5, 53). 3, 66. EA 26(2), 403. -- Br 2, 619ff. (E 5, 113f., woselbst weiteres). Seck. 1, 278f.

n76:  618,1: WA 15,54ff. Br 2, 475ff. 484f. 462. 3, 16 (E 4, 297ff. 279. 5, 221f.). -- Kawerau in RE,3,5, 12f. Mel. paed. 134f.

n81:  620,1: Br 3, 65ff. (E 5, 112f). EA 26, 400ff. Über ihre Wirkung in Freiberg, wo die Schrift eine Reaktion der römischen Partei hervorrief, vgl. N. Archiv f. sächs. Gesch. 5, 334. Bericht Probsts an L.: Kapp, Kl. Nachl. 660ff. Zwei Briefe Probsts in Weimar, Abschr. v. Neudecker, Gotha. L. schrieb noch an Heinrich 1. Sept. 1524: Kolde: Anal. 55ff. E 5, 14ff. Kessler, Sabbata ed. 1902, 128ff. Bremisches Jahrb. 1885. 191ff. Iken. H. v. Zütphen. Halle 1886.

n91:  622,1 Joachim in ZKG 12, 116ff. Tschakert ebend. 11, 278ff. 620. Br 2, 266. 526 (E 4, 40. 358). E 4, 158ff. 266f. WA 12,228ff.