Julius Köstlin: Luther, sein Leben und seine Schriften
Fünftes Buch: (Fünfte neubearbeitete Auflage, nach des Verfassers Tode fortgesetzt von D. Gustav Kawerau)
Der erste kirchliche Neubau und der Kampf mit Schwärmerei und Aufruhr. Luther bis zu seiner Heirat 1525.
Berlin 1903

Kap. 4: Priesterehe und Austriff aus den Klöstern


Tilbage til Köstlin, indholdsfortegnelse!

Indhold: Schriften von Ehe und Cölibat 552. #1. -- Verehelichung von Geistlichen 556. #28. -- Austritt von Nonnen 558. #39. -- Luthers Kutte und Kloster 561. #52.

Tilbage til oversigten!

Tilbage til koestlin5,2!
 
1           Mit Bezug auf das kirchliche Leben und auf die sittlichen Lebensordnungen der damaligen Kirche hat nichts in Luthers Tätigkeit binnen so kurzer Zeit eine so grosse Wirkung ausgeübt, eine so lebhafte Bewegung hervorgebracht, auch so viel böse Nachreden veranlasst, als seine Angriffe auf die erzwungene Ehelosigkeit der Geistlichen und auf die Keuschheitsgelübde der Klöster. 
          Ihm selbst war es zunächst nur darum zu tun, dass die Gewissen von unchristlichen Banden frei würden, der von Gott eingesetzte Ehestand die ihm gebührende Achtung fände, und die, denen die Gabe zu einem wahrhaft sittlichen Leben im Cölibat versagt sei, in jenen Stand wirklich mit freiem Gewissen treten möchten. Schwerlich dachte er sich, dass von der Freiheit, für welche er stritt, viele so eilig, als es dann geschah, praktischen Gebrauch machen würden. Zweifelte er doch hinsichtlich seines Freundes Lang (oben S. 514 = 5,2#14), ob dieser, der innerlich längst frei geworden war, nicht dennoch länger im Kloster hätte bleiben dürfen und sollen. 
3         Aber die Gegner bemühten sich nur um so mehr, die Heiligkeit und Herrlichkeit eines ehelosen Lebens, in welchem man sich ganz Gott weihe, wieder anzupreisen. Sie (553) erklärten nicht bloss den Bruch des Gelübdes für einen Frevel am Heiligsten, sondern sie sentzten dem Spotte, der jetzt so vielfach die Mönche und Pfaffen traf, auch ihrerseits Hohn entgegen, -- Hohn über die gemeine Natürlichkeit des ehelichen Lebens, über die gemeine Triebe, durch die man dazu siich verleiten lasse, über die gemeinen Lebensverhältnisse, Geschäfte und Sorgen, in die man die neuen Eheleute hineingeraten sehe.   
4          Nur desto eifriger setzte Luther seine Belehrungen, Ermahnungen und Strafreden in dieser Sache fort. Er handelte in jener Schrift "Wider den falsch genannten geistlichen Stand u. s. w.", 1522 (oben S. 517 = 5,2#29) auch speziell wieder vom Keuschheistsgelübde. Im nämlichen Jahre gab er eine Predigt "Vom ehelichen Leben" heraus, worin er, nachdem er von Ehehindernissen und der Ehescheidung gehandelt, beide von der Tyrannei des päpstlichen Rechtes frei gemacht und schriftgemäss darzustellen versucht hatte, vor allem davon redet, "wie man den Orden christlich und göttlich führen solle".   
5   Als dann der Generalvikar des Konstanzer Bischoffs, Johann Fabri, ein grosses Werk gegen Luther hatte ausgehen lassen, in dem er u. a. auch das Lob des Priestercölibats herausfordernd verkündigt hatte, da Priester "reiner sein müssten als andre Christen", da hatte Luther zunächst Justus Jonas als jungen Ehemann veranlasst, diesen Patron des unreinen Cölibats und Verunglimpfer des Ehestandes zurückzuweisen. Er sellbst aber legte dann im Juli 1523 in einer besonderen Druckschrift das 7. Kapitel des 1. Korintherbriefs aus, weil dieses das Hauptstück sei, auf welches die Feinde des Ehestandes und Lobredner des Cölibats sich beriefen; er wollte "des Teufels Keuschheit" aufdecken, durch deren Schein die Jugend verführt werde, und Fleiss anwenden, dass dieses Kapitel "nicht länger ihr Schanddeckel bleibe". (n5) (1kor7a#6
6   Daneben nötigte ihn auch das Eheschliessungsrecht, wie es damals gehandhabt wurde, zu öffentlichem Zeugnis. Hatte er einerseits auf Grund des 4. Gebotes schärfer, als das kanonische Recht tat, die Forderung gestellt, dass kein Kind ohne elterliche Einwilligung heiraten dürfe, so galt es anderseits, dem tyrannischen Missbrauch der elterlichen Gewalt zu wehren, dass sie ihre kinder zwangen ohne eigne Zuneigung die oder den zu ehelichen, den die Eltern wollten.  Verschiedene Fälle, die ihm von solchemn Zwange bekannt wurden, trieben ihn seit Frühjahr 1524, in einem kürzeren Gutachten, einer Predigt (8. Mai) und in einer dem oben (S. 409) genannten Ritter Hans Schott gewidmeten Schrift: "Dass Eltern die Kinder zur Ehe nicht zwingen sollen" seine Meinung deutlich kundzugeben. (n6). Genauer gehen wir den Gedanken vor allem in seiner Auslegung von 1. Kor. 7 nach. 
7        Luther will dem, was der Apostel dort zu Gunsten eines ehelosen Lebens gesagt hat, nicht abbrechen. Er ist auch weit entfernt von einer Idealisierung des (554) ehelichen Lebens, welche über die ihm anhaftende Schwächen, schweren Aufgaben und Versuchungen sich täuschen würde. Er weiss: "ohne Ehe zu sein, erspart viel Unruhen, Ungemachs und Leides"; man kann "Gott desto besser pflegen, mit guter Ruhe am Wort Gottes hangen, täglich lesen, beten, handeln und predigen, denn ein ehelicher Mensch kann sich nicht ganz dazu ergeben"; (1kor7c#97) und "wer wollte und sollte das nicht jedermann gönnen?" (1kor7a#64) Ja es ist ihm "eine grosse, edle Freiheit", so zu leben; hohe, reiche Geister nennt er die, welche also sprechen können und tun: "ich künnte wohl ehelich werden, aber es gelüstet mich nicht, ich will lieber am Himmelreich, das ist am Evangelio, schaffen und geistliche Kinder mehren". 
8  Es ist "eine lustige, liebliche, feine Gabe, wem sie beigegeben ist" (1kor7a#35). Dazu kamen für ihn die besonderen Drangsale und Stürme des gegenwärtigen Weltlaufs, ähnlich wie Paulus seiner Zeit meinte, "um der gegenwärtigen Not willen sei es dem Menschen gut, also zu sein" (1 kor 7,17); ein Eheloser, sagt er, komme freilich durch Fahr, Not und Verfolgung leicht durch. Als Lang bald nach seiner Verheiratung seine Frau wieder verloren hatte, schrieb ihm Luther, dass er nicht wisse, ob er ihm sein Beileid aussprechen oder in Anbetracht der verworrenen, stürmischen Zeiten Glück wünschen solle, und er warnte ihn vor unbedachten Schritten zu einer neuen Ehe. 
9         Aber jene hohen Geister sind nach Luther "seltsam, unter tausend Menschen kaum einer". Sie sind "Gottes besondere Wunderwerke"; es muss einer dazu besonders von Gott berufen sein, Gottes Gnade besonders mächtig in sich empfinden. Wenn Paulus in jenem Kapitel sagt, es habe jeder seine eigne Gabe von Gott, und es sei besser freien als Brunst leiden, so war es für Luther Tatsache der Erfahrung, dass die Gabe, vermöge deren ein Mensch ein wahrhaft reines Leben im ehelosen Stand führen kann und demnach des Freiens sich enthalten mag, nur bei einzelnen, wie eine Ausnahme von der Regel, sich finde. Die Triebe und Erfahrungen, um deren willen Paulus das Freien gutheisst, scheinen ihm das Regelmässige, das allgemein Natürliche beim männlichen wie auch beim weiblichen Geschlechte. 
10        Hiervon sprach er denn nun mit aller Offenheit und Derbheit, denen entgegen, welche sieh anstellten, als ob sie selbst vermöge sonderlicher Durchheiligung über solche natürliche Dinge hinaus wären, und anderen zumuteten, die von Gott anerschaffene Natur zu überwältigen und abzutöten. Die natürlichen Zustände, welche Mann und Weib zu einander treiben und denen ihm ehelichen Zusammensein auf gottgefällige Weise Genüge geschehen soll, gehören nach ihm so gut zu der vom Schöpfer stammenden Menschennatur als die Notdurft des Essens und Trinkens. (1kor7a#18
11  Wer dennoch allein zu bleiben sich vermisst, nimmt einen unmöglichen Streit vor wider die Kreatur, wie sie von Gottes Willen und Wort geschaffen, erhalten und getrieben wird. Wo jene besondere Gabe, vermöge deren solche Regungen sich dämpfen lassen, eiinem nicht verliehen ist, hat man auch keine Befugnis, sie nach eignem Gutdünken sich zu erbitten. 
12 Denn man kann wohl, wie Luther sagt, alles von Gott erlangen durchs Gebet, aber Gott will auch unversucht sein; Christus hätte auch können von den Zinnen des Tempels sich hernieder lassen, wie der Teufel vorgab, aber er wollte es nicht tun, weil es nicht not war; ich soll nicht ohne Not ein anderes von Gott gewarten, das er nicht gegeben hat, und das, was er mir gegeben hat, verachten und beiseite setzen. 
13 Gott, der jene Regungen der Natur so mächtig werden lässt, gibt auch das rechte Mittel für sie im Ehestand. In diesem erhält man gesunden Leib und gutes Gewissen. Durch ihn werden Städte udn Länder vor den Plagen behütet, die Gott sonst um der Unzucht willen über Land und Leute kommen lässt. Das Allerbeste endlich ist in ihm, dass Gott darin Frucht gibt und sie aufziehen lässt in seinem Dienste: (555) das ist auf Erden das alleredelste, teuerste Werk: hier gibt Gott uns Seelen in den Schoxss, von unserm eignen Leib gezeuget, an denen wir können alle christlichen Werke üben; denn gewiss, Vater und Mutter sind der Kinder Apostel, Bischöfe und Pfarrherren. 
14   Das ist auch der älteste Stand, schon eingesetzt im Paradies, das der Stand der alten Erzväter, Priester und Propheten, viel tausend Jahre älter als der Mönche und Nonnen Stand. Denselbigen Stand hat Christus hoch geehret mit seinem ersten Wunder, das er zu Kana auf der Hochzeit für die jungen Eheleute getan: er selbst wollte bei ihnen sein zur Hochzeit und im Ehestande.   
15         So redet Luther ohne Hehl und Ziererei von den natürlichen Dingen, die von seinen Gegnern gemein gemacht wurden und deren Erwähnung bei ihm gar oft auch anderen anstössig erschienen ist; so führt er von diesem Naturgrund des ehelichen Lebens hinüber zu seiner höchsten sittlichen Würde und Bestimmung. 
16        Er enthüllt nicht minder offen das Bild, das sich darstelle, sobald man den blendenden Schein, mit welchem diie Papisten den Cölibat umgeben, hinwegnehme und den hier vorliegenden Zuständen auf den Grund gehe. Es folgt, sagt er, aus dem widernatürlichen Zwang und Kampf nicht Heiligkeit und Vollkommenheit, sondern Versuchung, Anfechtung, Sünde, ja tiefste sittliche Zerrüttung und Verderbnis.   
17 Man beruft sich dafür, dass die geforderte Keuschheit im Cölibat siich dennoch erlangen lasse, auf die Lehre des heiligen Hieronymus: aber dieser hat vielmehr selbst bekannt, dass er sein Fleisch mit keiner Anstrengung und keinem Fasten dämpfen könne, und hiermit bekundet, dass Freien für ihn viiel besser gewesen wäre.   
18 Die Natur, der man ohne Kraft von oben und gegen Gottes Ordnung wehren will, bricht dann durch in Unzucht, Ehebruch und stummer Sünde. Es ist ein Ringen, bei dem man zuletzt in der Unreinigkeit des Fleisches ersäuft und verzweifelt. Die römische Kirche aber nimmt es nach Luther mit den Sünden, in welcher Priester und Mönche so hineingeraten, gar leicht; es genügt ihr, wenn nur das Verbot der Ehe aufrecht erhalten bleibt, die eben hiervor bewahren sollte; ja sie zieht aus jenen Sünden noch niedrigen Gewinn. 
19  Luther hält seinen Gegnern als bekannten kirchlichen Brauch vor, dass die Bischöfe den Priestern Zuhälterinnen gestatten gegen jährliche Abgabe von einem Gulden und daraus einen grossen Teil ihres jährlichen Einkommens beziehen; er führt das Sprichwort an, dass keusche Pfaffen den Bischöfen nicht zuträglich und diese ihnen feind seien; er vergleicht dieser Männer der Kirche mit Bordellwirten, welche nicht gerne sehen, dass die jungen Leute ehelich werden. Er hat ein solches Dulden der Sünde und dazu sein eignes notorisches Leben in Unzuchtsünden speziell und offen dem ersten deutschen Kirchenfürsten, den Erzbischof und Kardinal Albrecht, vorgeworfen, ohne dass dieser oder seine Freunde ihn Lügen zu strafen wagten. (falsk-stand2#113
20         Eine besondere Beförderung des Cölibats und Mönchstums sah Luther in dem Brauch adeliger und fürstlicher Herren, ihren nachgeborenen Söhnen ein bequemes Unterkommen in geistlichen Stellen zu verschaffen und ebenso ihre Töchter, die sie nicht nach Wunsch verheiraten konnten, in Klöstern und Stiften zu versorgen. 
21  Luther aber fragt die Eltern, welche so handeln, ob einer ein grösserer Feind und Mörder seiner Kinder sein könne als sie. (falsk-stand2#137) Ihre Güter, sagt er, wollen sie zusammenhalten und stossen darum ihr eigen Fleisch und Blut in der Hölle Abgrund; dazu feiere man diesen Seelenmord mit Glockenläuten, Tedeumsingen, Fahnentragen u. s. w., wie man einst in Israel dem Moloch Kinder verbrannt habe mit grossem Schall und Getöne, um ihr Schreien und Jammern nicht zu hören. (falsk-stand2#139  
22  Statt dessen rät er, dass die Fürsten und die Edeln ihren andern Söhnen ausser ihren Eerstgeborenen und Nachfolgern etwas mitgeben und sie damit einfach ins Volk eintreten, dem übrigen Volke gleich werden (556) lassen möchten; ebenso werde es nichts schaden, wenn eine adelige Tochter einen Bürger nehme. Manche, die man ins Kloster gegeben habe, möchte jetzt in ihrer Not einen Hirtenknaben zur Ehe nehmen, während ihr vorher vielleicht ein Graf zu gering gewesen sei. Vor Gott seien wir ja alle gleich, Adams Kinder, Gottes Kreatur und je ein Mensch des anderen wert. ((falsk-stand2#145)  
23         Die Sorgen und Beschwerden des Ehestandes kennt Luther. Aber er will sie in Gottes Namen und im Vertrauen auf Gott getragen haben, wo nicht Gott selbst jene besondere Gabe verliehen hat. Man hört, wie er sagt, davon allenthalben in der Welt reden; ua diie Welt spricht: ein Narr ist, wer ein Weib nimmt. Die Welt denkt hierbei natürlich nicht an den Dienst des Himmelreichs, um deswillen jene einzelnen nach Pauli rat sich davon frei haltem mögen. 
24 Sie meint, Weiber machten dem Manne Unlust, wenn er an sie sich binde; siie möchte vor allem der Sorge für den Unterhalt von Weib und Kind los sein. Es haben, sagt Luther, -- auf Fabris Argumente für den Cölibat hier anspielend -- auch viele der Hochgelehrten beschlossen, ein weiser Mann solle kein Weib nehmen, ob sie gleich die Weisheit selbst wäre; und sie haben fein geredet, als die da denken, dass nach diesem Leben kein ander Leben sei und dass man deshalb besser ohne ehelich Band seine Lust befriedige. Das haben denn auch die Geistlichen sich ersehen und zu solcher feinen Keuschheit sich begeben. (1kor7a#8
25  Der Stand, der bisher für geistlich sich rühmen liess, ist freilich mit Leibesnotdurft aufs sicherste versorgt; sie suchen in Klöstern und im Pfaffenstand, dass der Bauch und die Haut genug habe, und man nicht immer zum Himmel schauen müsse und auf Gott vertrauen, der immer nähre. Aber eben der eheliche Stand will und soll zum Glauben zwingen, er lehrt und treibt, auf Gottes Hand und Gnade zu sehen. (1kor7a#79-81)
26 Wohl sagt Paulus, dass Eheleute leibliche Trübsal haben werden; da ist der Jammer wegen der Nahrung, mancherlei Fährlichkeit des Hausstandes, die List und Tücke vieler Mitmenschen, mit denen man darin zu tun bekommt; das Weib hat die Schmerzen und Arbeiten der Mutter; der Mann muss viel vertragen an der Schwäche des Weibes. 
27 Aber es ist alles nur zeitliches Ungemach. Und billig heisst eben dieser Stand der geistliche, darin der Glaube not tut und täglich geübt wird, dem Herrn zu vertrauen, der seine milde Hand auftut und alles, was da lebet, mit Wohlgefallen erfüllt. Der Geist spricht: ein weiser Mann ist, der ein Weib nimmt; sintemal ein Christenmann eines anderen Lebens gewartet, ist's weislich getan, dass er hier weniger gute Tage habe, damit er in jenem Leben möglich gute Tage habe. Das hat auch Gott ersehen, da er Mann und Weib schuf und zusammengab. 
28       Am meisten lag Luther dabei andauernd der Zustand der Geistlichkeit am Herzen, deren amt von Gott verordnet und für die Christenheit so hochwichtig sei, und welcher das Wort Gottes (1 Tim 3,2; 4,3) ausdrücklich das Recht zum Ehelichwerden gebe, der es daher nur durch teufliche Satzung entzogen werden könne. Da sagt Luther jetzt einmal geradezu, wie er ähnlich in Betreff der Fastengebote sich ausgedrückt: "wer sonst nicht Lust hätte, ein Weiib zu nehmen, sollte nur zu Leid und Trotz dem Teufel und seiner Lehre eines nehmen". (falsk-stand2#126
29       Beim Mönchtum kamen für ihn mehr nur die Personen, welche selbst darin gefangen waren, als deren Stellung zur gesamten Kirch in Betracht. Aber es ist ihm dringende Christenpflicht, in der Not und dem sittlichen (557) Verderben, in welches sie hineingeraten und grossenteils ohne eigne freie Wahl durch Eltern oder Verwandte hineingestossen seien, auch ihnen zu helfen, die andern vor den Fallstricken der Mönchsheiligkeit und des mönchischen Wohllebens zu warnen und dem Ärgernis zu steuern, das ja doch auch der ganzen Kirche dort gegeben wurde. 
30 Mit beweglichen Worten schildert er den "Jammer" aller derer, die in den Klöstern, durch Gelübde gebunden, doch ihre Natur, ihr Geschlecht fühlen und nun "unwillig" keusch sein müssen, und gibt die Parole aus, dass es Pflicht aller redlichen und frommen Christen sei, ihnen "herauszuhelfen". Mit Freuden sah er bereits viele Klöster sich entleeren und die Zeit gekommen zu ihrer anderweitigen Verwendung, worüber er seine schon oben erwähnten Ratschläge gab. 
31 Und indem er dies sah, blieb er auch bereits nicht mehr bei der Warnung vor neuem Eintreten in Klöster stehen, sondern wollte, dass jetzt auch die Obrigkeit keine neuen Aufnahmen mehr gestatte. Sein Rat im ganzen war jetzt: die, welche aus den Klöstern ausscheiden wollten, solle man gehen lassen; die aber, welche ihres Alters, oder der Gewohnheit, oder des Gewissens wegen zu bleiben begehrten, solle man nicht ausstossen, noch unfreundlich behandeln, sondern sie ihr Leben lang lassen genug haben, ja sie darin noch reichlicher versorgen als vielleicht bisher geschehen, damit man je verspüre, dass nicht der Geiz dem geistlichen Gut, sondern der christliche Glaube den Klöstern feind sei; mit ihnen aber solle man die Klöster aussterben lassen. 
32 Das will er gesagt haben "denjenigen, so das Evangelium verstehen und solches zu tun mächtig seien in ihren Landen, den Städten und Obrigkeiten". Von den Gütern der Kirche soll man den Austretenden und zwar auch denen, welche nichts mit hineingebracht haben, etwas Redliches mitgeben, damit sie etwas anfangen und sich in einen neuen Lebensstand begeben können: das sei auch für die letzteren billig, denn sie seien durchs Klosterwesen betrogen worden und würden, wenn sie nicht darin gewesen wären, etwas anderes gelernt haben. Das übrige solle man, wie wir oben (S. 549) hörten, zum gemeinen Kasten schlagen, nachdem man den verarmten Erben der Väter und Vorfahren, die etwas gestiftet, einen Teil zurückerstattet habe. 
33         Vielfach erzeigte Luther Geistlichen, welche heirateten, und Mönchen oder Nonnen, welche die Klöster verliessen, auch seine spezielle persönliche Teilnahme. 
34        Als Pfarrer Bugenhagen im Oktober 1522 Hochzeit hielt, wohnte er dieser bei und bat Spalatin, für die Feier eine Gabe and Wildbret zu Ehren des neuen Ehemanns und der Hochzeitsgäste beim Kurfürsten auszuwirken; Spalatin schickte das Gewünschte als ein von ihm selber kommendes Geschenk, damit man den Fürsten nicht beschuldigen könne, er zeige sich öffentlich dem Heiraten der Priester hold. -- 
35 Besonders freute sich Luther, (558) als sein Freund Link, der bisherige Vikar des Augustinerordens, jetzt Pfarrer in Altenburg (oben S. 519 = 5,2#41), im April 1523 den gleichen Schritt tat: es freue ihn, schrieb er an Spalatin, dass der Name eines solchen Mannes vor der Welt töricht und die falsche Keuschheit dadurch zu schanden gemacht werde; die Herrlichkeit des Evangeliums werde über das Ärgernis, das man darin finde, obsiegen. Link wünschte er Glück, dass er auf diese Weise des Provinzialates los werde, und kündigte sich ihm mit einer ganzen Gesellschaft Wittenberger Freunde zur Teilnahme bei der Hochzeitsfeier an. Er selbst vollzog (in der Bartholomäus-Kirche in Altenburg) die Trauung. -- 
36 Einen andern Freund, Wolfgang Reissenbusch, Präzeptor des Antoniusordens in Lichtenberg, ermunterte er durch ein eignes Sendschreiben vom 27. März 1525, das er gedruckt erscheinen liess, zu Eintritt in den Ehestand. Dieser war übrigens offenbar schon vorher dazu geneigt, wie er denn auch schon vier Wochen nachher sich wirklich verlobte, und hatte sich nur noch vor den Spöttereien und Schmähungen gescheut, die er sich damit zuziehen werde. Luther schreibt ihm: "wer sich der Ehe schämt, der schäme sich auch, dass er ein Mensch sei, oder mache es besser denn Gott es gemafcht hat; -- es ist der Welt Gott, der Teufel, der den Ehestand so schämlich gemacht hat; werdet Ihr meiner treuen Vermahnung folgen auf Gottes Gnade und Zuversicht, so sollt iihr sehen, wie darum, dass Iihr sein Werk und Wort damit ehret, er Euch wieder ehren und schmücken wird; es ist um ein kleines Schandstündlein zu tun, dann werden eitel Ehrenjahre folgen". 
37 Für einen grossen Ruhm und eine christliche Tugend erklärt er es, wenn jener durch seinen Vorgang auch anderen ein "ehrlicher Schanddeckel" werde, wie ja Christus unser aller Schanddeckel geworden sei. Auch Bugenhagen widmete ihm nach seiner Hochzeit eine Schrift über die Priesterehe. Um dieselbe Zeit fragte Luther den Spalatin, warum er zögere, in die Ehe zu treten. (n37
38        Von ausgetretenen Mönchen wurde Luther vielfach um Rat und Beistand angegangen; er suchte ihnen für ihr Fortkommen behilflich zu sein, unterstützte sie mit Geld, soweit seine geringen Mittel reichten, und verwandte sich für sie bei anderen. 
39         Besonders bewegte ihn das Los von neun Nonnen, welche an Ostern 1523 aus dem Kloster Nimbschen bei Grimma nach Wittenberg kamen. Am Ostersonnabend (4. April) entwichen zwölf Nonnen von dort mit Hilfe dreier Torgauer Bürger, des Ratsherrn Leonhard Koppe, eines Brudersohnes von diesem und des Wolf v. Dommitsch. Sie sollen durch ein Loch, das iin eiine Lehmwand gebrochen wurde, aus dem kloster entkommen und von ihren befreiern auf einem bedeckten Wagen davongeführt worden sein; die Sage schmückte dies später noch weiter aus. Es waren lauter Töchter angesehener, grösstenteils adeliger Familien, darunter eine Schwester des Staupitz, ferner Katharina von Bora. Drei von ihnen gingen zu ihren Verwandten in Kursachsen. Die andern neun suchten in Wittenberg Zuflucht, da sie in Herzog Georgs Gebiet ihre Heimat hatten. Luther liess über diesen Vorfall am 10. April ein offenes Sendschreiben an Koppe auusgehen: "Ursach und Antwort, dass Jungfrauen Klöster göttlich verlassen mögen".
40        Sie hätten, schreibt er, ein Werk getan, davon Land und Leute singen und sagen und welches viele für einen grossen Schaden ausschreien würden. Es werde heissen: der Narr Leonhard Koppe habe sich von dem verdammten ketzerischen Mönch fangen lassen und Nonnen entführt und ihnen geholfen, ihr Gelübde zu verleugnen. Und er bekennt sich offen zu seinem Anteil an dem Werk. Er berichtet: die Jungfrauen hätten zuvor ihre Eltern und Angehörigen demütig mit genugsamen ursachen gebeten, ihnen aus dem Leben herauszuhelfen, das sie der Seelen Seligkeit halber nicht länger erdulden könnten, und sich daneben erboten, zu tun und zu leiden, was fromme Kinder tun und leiden sollen. 
41 Es sei ihnen aber alles abgeschlagen worden; sie seien gedrungen gewesen, anderswo Hilfe und Rat zu suchen, um ihr Gewissen zu retten, und diejenigen, welche hier zu helfen und zu raten vermocht, seien schuldig gewesen, es zu tun, aus christlicher Liebe Pflicht. Da habe er selbst geraten und gebeten, was Koppe ausgeführt habe. Die Herren vom Adel und andere Biederleute, welche Kinder in Klöstern hätten, sollten nun selber dazu tun und sie herausnehmen, damit nichts Ärgeres folge; viele, welche hierzu das rechte Verständnis hätten, scheuten sich noch das Exempel zu geben: jetzt sei die Bahn gebrochen. 
42 Auf die einrede, dass das ärgerlich sei wider den gemeinen Brauch und Lehre und dass man der schwachen Gewissen schonen müsse, entgegnet er: "Ärgernis hinn, Ärgernis her! Not bricht Eisen und hat kein Ärgernis; ich soll der schwachen Gewissen schonen, sofern es ohne Gefahr meiner Seele geschehen mag; wo nicht, so sill icn meiner Seele raten, es ärgere sich dann die ganze oder halbe Welt". 
43 Er schrieb darüber auch sogleich an Spalatin: er werde zuerst den Verwnadten der Entflohenen Anzeige machen, damit diese sie aufnähmen; falls diese es ablehnten, wolle er dafür sorgen, dass sie anderswo untergebracht würden; von mehreren Seiten habe er hierfür bereits eine Zusage; etliche der Jungfrauen werde er auch verehelichen können. Spalatin möge bei seinen reichen Leuten am Hof Geld erbetteln, mit welchem sie einstweilen könnten ernährt werden; auch den Kurfürsten möge er um eine Gabe angehen; was von diesem komme, solle ja gewiss heimlich gehalten werden. 
44         Aus den nämlichen Kloster wurden am folgenden Pfingstmontag drei andere Nonnen, wie Luther es gewünscht hatte, von ihren adeligen Verwandten weggeholt. (n44
45        Mit dem Ausdruck frohen Staunens darüber, wie Gottes Werk weitergehe, konnte ferner Luther wenige Wochen nachher (24. Junii) Spalatin melden, dass jetzt auch sechzehn Nonnen des Mansfeldische Kloster Widerstett verlassen hätten, von denen fünf beim Grafen Albrecht von Mansfeld aufgenommen worden seien. (n45
46        Im folgenden Frühjahre (März 1524) veröffentlichte er die "Ge- (560) schichte, wie Gott einer Klosterjungfrau ausgeholfen hat", die Geschichte einer Nonne, die aus dem Kloster zu Neu-Helsta vor Eisleben entkommen war, mit einer Zuschrift an die Mansfelder Grafen. 
47         An ihr sollte "alle Welt sehen, was Klosterei sei, und des Teufels Tand an den Tag kommen". Der Grad, der ja viele solcher "Gefangenen" in seinen Landen habe, möge doch nicht wehren, ob jemand um des Gewissens willen aus dem Kloster gehen wolle. Wir mögen an ihr ein Beispiell für viele ähnliche Fälle haben. Die Nonne Florentine von Oberweimar war schon in ihrem sechsten Lebensjahre jenem Kloster übergeben und im Alter von elf Jahren eingesegnet worden. Vierzehn Jahre alt fühlte und klagte sie, dass sie für diesen Stand nicht geschickt sei, erhielt aber zur Antwort, sie sei nun einmal eingesegnet und habe Gott ewige Keuschheit geschworen. 
48 Das feierliche Gelübde oder den Profess liess man sie zwar erst später ablegen, erklärte ihr aber, dass sie nicht erst über die Ordensregel belehrt und über ihre Willigkeit zum Gehorsam gegen dieselbe befragt zu werden brauche, da sie schon bei ihrer Einsegnung sich genugsam verpflichtet habe. Als sie hernach von Luther und seiner evangelischen Lehre hörte, schrieb sie an ihn um Trost und Rat, was durch ihre Genossinnen der Oberin des Klosters, ihre Muhme, Katharina von Watzdorf, verraten wurde. Deshalb wurde sie vier Wochen lang bei grosser Kälte eingekerkert, kam in den Bann und musste zur Busse eine Woche lang bei den kirchlichen Horen sich auf die Erde legen und die anderen über sich hinschreiten lassen. 
49 Danach klagte sie einem Vetter, Herrn von Watzdorf, ihre Not, wurde jedoch abermals verraten, von der Oberin und vier anderen Personen durchgestäupt, wieder eingekerkert, auch einen Tag mit den Füssen in Eisen gelegt, endlich zu lebenslänglicher Haft in einer Zelle verurteilt. Da liess eines Tages die Verschliesserin diese offen stehen und die Nonne entkam. (n49
50        Es fielen unter den verheirateten Geistlichen und austretenden Ordensgliedern auch böse Exempel und wirkliche Skandale vor. Luther verhehlte dieselben sich und anderen ebensowenig als die Geschichte der Reformation von ihnen schweigen darf. So urteilte er sehr streng über den Weimarschen Hofprediger Stein, weil dieser eine sehr reiche alte Person des Geldes wegen zum Weib genommen habe. Hinsichtlich der Mönche klagte er schon im Frühjahre 1522, dass sie grossenteils austräten aus keinem andern Grunde, als aus welchem sie ins Kloster eingetreten seien, nämlich des Fleisches und der fleischlichen Freiheit wegen. 
51 Es missfiel ihm sehr, dass sie so schnell aufs Freien ausgingen, zumal da es Leute seien, die zu keinem Geschäft und Berufe taugten. Er bedauerte die viele Zeit, die sie ihm stählen, während er dieselbe sonst zum allgemeinen Besten verwenden könnte, sprach auch von dem vielen Gelde, das er "mit ausgelaufenen Mönchen und Nonnen vernarren müsse", während er selbst mit seinem Wittenberger Klosterprior des nötigen Unterhalts entbehre. Dennoch liess er sich von seinem Eifern gegen Cölibat und Mönchtum nicht abschrecken. Er meinte, es sei auch immer noch besser, wenn solche müssige und eigennützige Menschen ohne Kutte sündigten, als wenn siie es in der Kutte täten und doppeltem Verderben anheimfielen. (n51) (561) 
52         Er selbst verblieb noch Jahre lang bei seiner gewohnten klösterlichen Lebensweise, wie er siie gleiich nach seiner Rückkehr von der Wartburg wieder angenommen hatte. Viele seiner Anhänger waren darüber befremdet; Papisten deuteten es ihm so, als ob er auf seine eignen Grundsätze für sich nicht zu bauen wage; auch Erasmus machte seine Bemerkungen darüber, dass er die Freiheit nicht gebrauche, die er andere lehren wolle. Er aber fühlte das Bedürfnis, um dessen wille er andern auch zum äusseren Gebrauch dieser Freiheit riet, bei sich doch nicht so dringend, dass es andere Rücksichten bei ihm überwogen hätte, und unter dem Drang seiner steten Arbeiten und Kämpfe bekümmerte er sich überhaupt nicht viel darum. 
53  Auch die kirchlichen Fasten beobachtete er lange noch gewohnheitsmässig, ähnlich wie er früher, bis zur Zeit des Wormser Reichstages, trotz der schon errungenen innern Freiheit sogar noch die besonderen Mönchsübungen fortbetrieben hatte (oben S. 142. 393 = 3,15#54). Er erzählte später, wie ihm einmal sein Freund Jakob Probst am Palmtag eine Henne zum mahl vorgesetzt habe, damit sie mit einander nach ihrer Lehre täten. 
54         Seine Kutte trug er schon 1523 nach dem Berichte des Dantiscus (oben S. 500 = 5,1#1) in seiner Wohnung nicht mehr. Dieser traf ihn damals in einem Kleid, in welchem er von einem Manne des Hofes nicht zu unterscheiden gewesen sei. Öffentlich legte er jedoch die Mönchtracht erst seit dem 9. Oktober 1524 ab: da predigte er ohne sie, am folgenden Sonntag vormittags noch einmal in ihr, nachmittags ohne sie. Er hatte, wie er später noch erzählte, seine Kutte ganz abgetragen und Freund Schurf ihm, da es ihm an Geld fehlte, eine neue versprochen, vom Kurfürsten Friedrich aber hatte er ein Stück besten Tuches zum Geschenk bekommen, damit er entweder eine neue Kutte oder einen Rock sich darauc machen lasse; das Tuch geriet, wie er sagt, zu einem Rocke; er habe so getan Gott zu Ehren vielen zur Freude, dem Satan zum Trotz und Schmach. (n55
55        In seinem Kloster befand sich damals schon seit einiger Zeit ausser etwaigen Gästen kein Ordensgenosse mehr als er und der ihm gleichgesinnte Prior Brisger. Die Einkünfte des Klosters waren so sehr zusammengeschwunden und liessen so schwer mehr sich eintreiben, dass sie dennoch nicht mehr ausreichten, die Verpflichtungen zu decken, ja dass die letzten Inwohner fort und fort in grosses Gedränge mit ihrem eignen Unterhalt gerieten. 
56 Luther schickte schon seit dem Jahre 1522 Berichte und Gesuche deshalb durch Spalatin an den Hof: der Bettelsack, schrieb er 1523, habe ein grosses Loch; schon damals kam es einmal so weit, dass er davon sprach, gar noch auus Not Wittenberg verlassen zu müssen. Dazu kam, dass endlich auch Brisger dringend wünschte, aus dem Kloster auszutreten. So trug denn endlich im Dezember 1524 Luther mit ihm beim Kurfürsten darauf (562) an, dass dieser das Kloster mit allem, was dazu gehöre, von ihnen als "jüngster Erbe" übernehmen möge. 
57 Nur erbaten sie sich aus fürstlicheer Gunst und mit Rücksicht darauf, dass dem Brisger sein väterliches Erbe des Evangeliums wegen vom Trierschen Erzbischof vorenthalten wurde, eine gewisse ausserhalb des Klosters liegende, von diesem angekaufte Behausung. Luther versicherte den Spalatin, dass er gern irgendwo von seiner eignen Arbeit leben würde, wenn davon nicht Schande für das Evangelium und den Fürsten zu fürchten wäre. 
58 Der Kurfürst gewährte -- in aller Stille, um Aufsehen zu vermeiden, -- mehr als erbeten war: er überliess Luther das Klosterhaus selbst mit Vorraum und Garten. Erst seine Nachfolger legten dann diese Schenkung auch urkundlich fest. (n58
59        Von einer weiteren Konsequenz, dass er nun auch zur Ehe sich entschliessen solle, wollte Luther trotz dem Niederlegen der Kutte noch nichts wissen. Noch am 30. November 1524 liess er der Argula von Staufen, dieser tätigen Freundin der Reformation, welche eine Mahnung deshalb durch Spalatin an ihn gerichtet hatte, hierauf folgendes antworten: "ich danke dafür, wundere mich auch nicht, dass man solches über mich schwatzt, da man auch noch vieles andere schwatzt; -- ich bin wohl in der Hand des Herrn als eine Kreatur, deren Herz er ändern, töten und lebendig machen kann in jedem Augenblick; so aber, wie mein Herz bisher gestanden und jetzt steht, wird es nicht geschehen, dass ich ein Weib nehme: nicht als ob iich mein Fleisch und Geschlecht nicht spürete, da ich weder Holz noch Stein bin; aber mein Sinn ist fern vom Heiraten, da ich täglich den Tod und die wohlverdiente Strafe eines Ketzers erwarte. Darum will ich weder Gott ein Ziel setzen in dem, was er mit mir tun will, noch in meinem Herzen mich fest machen; ich hoffe aber, er werde mich nicht lange mehr leben lassen". (n59) 
60 cVidere til koestlin 5,5

Noter:

n5:  553,1:  WA 12,85ff. 88ff. EA 28, 141ff. 16,508ff. 51,1ff. Br 2, 365ff (E 4, 204ff). Vgl. auch Br 2, 320ff. 332 (E 4, 132f. 138). EA 17, 116ff. -- Die kleine Schrift theologiae et doctrinae papisticae Op. v. a. 7, 21ff. wird nicht, wie in den Sammlungen von L.s Werken geschieht, ins J. 1523, sondern (nach dem "Catalogus" und dem ältesten nachweisbaren Druck a. a. O. 21f.) ins J. 1531 zu setzen sein.

n6:  553,2: EA 16,2: 403f. CR 1, 653. Br 2, 594f (E 5, 96f). WA 15, 562. 155ff.

n37:  558,1: Br 2, 253. 283. 301. 316. 318. 637ff. 643 (E 4, 9. 54. 65. 123. 126. 5, 145f. 153). Br. Seid. 23 Anm. Spal. Menck. 621. 643. Nach einem Brief Spal.s v. 27. März 1523. (Cod. Jen. Abschrift v. Neudecker) lud Link auf Dienstyag nach Quasimodogen. (14. Apr.) 1523 zu seinem Beilager nach Altenburg ein. Am 4. Apr. schreibt Amsdorf an Spal. (Kolde Anal. 443): "Von unserm Vater D. Martinus habe ich nicht mögen erlangen, dass er daheim blieben wär"; derselbe verlasse sich den drohenden Gefahren gegenüber aufs Gebet etc.

n44:  559,1: Laut. 1163f. Amn. WA 11, 387ff. Br 2, 318ff. 330 (E 4, 126ff. 137) Bk 56. Seid Br 13f. Spal Menck. 621. Über Koppe: Br 6, 528. E 4, 129. Magdalena Staupitz: Br 6, 101. 3, 470 (E 7, 116); oben S. 71; 1529-1548 war sie Vorsteherin einer Mädchenschule in Grimma, 1537 verheiratete sie sich noch mit einem dortigen Bürger: Grossmann, Visitationsakten der Diöz. Grimma 1873, H. 1, S. 96f. Über die Nonnen: Amsdorf bei Kolde anal. 442f. E 4, 130. v. Hierschfeld in Beitr. z. sächs. Kgesch. 2, 127ff.

n45:  559,2: Br 2, 354 (E 4, 168f).

n49:  560,1: WA 15, 79ff. (EA 29, 102ff.). Br 2, 495ff. Mel. paed. 134. Diese Schrift ist auch Roth 53 gemeint (nicht Br 2, 320ff.).

n51:  560,2: Br 409f, 175. 353. 357 (E4, 233. 3, 323f. 4, 164. 177f)

n55:  561,1. Hipler a. a. O. 73; Br 2, 523 (E 4, 348); Spal. Menck. 612. 637f; Brief Apels v. 13. Okt., 1524 bei Seid. in ZhTh 1874, 561; C 3, 182f. -- Spalatin schreibt Dominica S. Galli 1524 aus Wittenberg (Cod Goth. bei Schlegen, Vita Spal. 211, wo aber fälschlich 1523 statt 1524 steht): "Lutherus iterum cucullatus prodiit in concionem, sed peracto prandio excussa cuculla indutus tunica rediit in concionem, ut omnino falsus sit Erasmus quando scribit docere Lutherum quibus ipse non utitur".

n58:  562,1. Br 2, 195. 320. 433 (dieser Brief gehört in die Zeit von N. 485, vgl E 4, 131f. Bk 56) 334. 424. 431f. 473. 581ff. (E 3, 358. 4, 128. 246f. 256. 295f.). E 5, 86.

n59:  562,2.  Br 2, 570 (E 5, 77)