Julius Köstlin: Luther, sein Leben und seine Schriften
Fünftes Buch: (Fünfte neubearbeitete Auflage, nach des Verfassers Tode fortgesetzt von D. Gustav Kawerau)
Die erste kirchliche Neubau und der Kampf mit Schwärmerei und Aufruhr. Luther bis zu seiner Heirat.
Berlin 1903

Kap. 11: Der Bauernkrieg


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Tilbage til oversigten!

Tilbage til koestlin5,11!
1         Luthers Landesherren waren beim Ausbruch der Unruhen scshwach in Rüstungen und unentschlossen. Kurfürst Friedrich, der krank auf Schloss Lochau darniederlag und seinem Ende entgegen ging, war den Bauern gegenüber sehr weich gestimmt. Er schrieb am 14. April seinem Bruder Johann: "die Armen werden in viel Wege von uns weltlichen und geistlichen Obrigkeiten beschwert; will es Gott also haben, so wird es also hinausgehen, dass der gemeine Mann regieren soll; ist es aber sein göttlicher Wille nicht und dass es zu seinem Lobe nicht vorgenommen, wird es bald anders; lasset uns Gott bitten um Vergebung unserer Sünden und ihm's heimsetzen."
Er meinte sogar in dieser Sache, es sei für ihn und Johann das beste, noch "so viel möglich müssig zu stehen", hoffte indessen, der schwäbische Bund werde die Bauern zum Gehorsam bringen. Die Nachricht von Aufstand seiner eignen Untertanen war ihm "erschrecklich zu hören". Noch bis zu seinem, zm 5. Mai erfolgten Tod war er "der Hoffnung zu Gott", dass die Leute nicht sollten Ursach haben, gegen ihn und seinen Bruder in ihrem mutwilligen Vornehmen zu verharren und dass man den Handel mit ihnen noch in Güte werde beilegen können.   
3  Herzog Johann machte dem Kurfürsten zu Ende April oder Anfang Mai eine traurige Schilderung von dem "wüsten Wesen", das in ihrem Fürstentum losbreche; er halte dafür, dass über 35,000 Bauern zusammen seien. (Spalatin (n3)) hat die Zahl derer, die von der Gothaer Gegen an bis zum Vogtland hin zusammengerottet waren, auf mehr als 32,000 angeschlagen, in sechs Haufen von 2000 und 8000 Mann).   
4  Seine Mannen seien nirgends gerüstet, und die, an welche er geschrieben, blieben grössernteils aus; die von den Städten (d. h. die städtischen Obrigkeiten) seien recht gesinnt und willig, die Gemeinden aber seien Buben. Er habe den Bauern gnädig geschrieben; von Zehnten habe er schon so viel nachgelassen, dass sein und Friedrichs Einkommen gar schmal werde, und er (E709) nicht wisse, wie seinen Kredit aufrecht erhalten. 
5  So bekennt er denn: "Freundlicher, lieber Herr Bruder, ich habe Sorge, Ew. Liebden und ich sind nur verderbte Fürsten". Er klagt auch, wie ungeschickt unter dem allgemeinen Schrecken in Weimar von weisen, klugen Leuten gehandelt werde, und wie man ihn, wenn er nicht mit Gott standgehalten hätte, in ein Spiel geführt haben möchte, dass es zum Erbarmen wäre: Gott habe dies jetzt gnädig abgewandt. Vom Landgrafen Philipp hatte er damals nur unbestimmte Kunde, dass er mit einem reisigen Zeug zu Hersfeld liege und Herzog Heinrich von Braunschweig auch zu ihm kommen solle. Herzog Georg von Sachsen bat für sich selbst den Kurfürsten dringend um Hilfe. (n5
6            In Mansfeldischen versprachen die Berggesellen, auf welche Münzer es besonders abgesehen hatte, nebst Bauern und Bürgern dem Grafen Albrecht, mit Leib und Leben für ihn einzusetzen, wenn er die Beschwerungen abtue, und erhielten dies von ihm zugesagt, fingen aber gleichfalss an, die Klöster zu stürmen. Mit der Gemeinde der Stadt Mansfeld hatte Albrecht am 4. Mai eine Verhandlung. (n6
7         So drang die grosse Flut heran, eben als Luther in Eisleben verweilte. Und er sah sich berufen, selbst in ihre Wogen hineinzutreten. Er reiste in der aufgeregten Landschaft umher, gegen die Empörung predigend. Zunächst im Mansfeldischen -- aber der Allstedter Schosser musste am 1. Mai dem Kurfürsten klagen: "Dr. Luther kann solchen Aufruhr nicht wehren!"   
8  Dann auch in Thüringen. Die Angaben späterer Berichte über die Orte, die er besucht, und die Tagesangaben lassen sich schwer vereinigen. Als Orte, an denen er tätig war, werden genannt Stolberg, wo er sicher am 21. predigte, Nordhausen, Wallhausen bei Sangerhausen (mit einer Predigt am 1. Mai), Weimar, wo er schon am 23. April gewesen sein soll, sicher aber am 3. Mai sich befand, und ferner Erfurt (wo er noch vor der Ankunft der Bauern gewesen sein müsste), Orlamünde, Kahla und Jena. 
9 (Beruht die Angabe über die drei letzten Orte auf eine Verwechslung mit seiner Reise des vorigen Jahres? Auch die über Erfurt muss bezweifelt werden, da die Erfurter in ihrem bald darauf folgende Brief an Luther eines vonangegangen Besuches nicht gedenken.) 
10 Von Weimar aus schickte er am 3. Mai einen Gruss an den Pfarrer Mykonius in Gotha, der dort nach seinem Sinn das Evangelium verkündigte und jetzt auch kräftig und glücklich unter den Bürgern und Bauern gegen den Aufstand wirkte. Der Brief beginnt mit den Worten: "Gnade und Friede in Christo, welcher gesagt hat: in der Welt habt ihr Angst, in mir aber Frieden, doch seid getrost, ich habe die Welt überwunden". 
11 In Weimar besprach er sich ohne Zweifel mit Herzog Johann. Über seine Tätigkeit und seine Erlebnisse unter den Bauern sagt er selbst: "Mitten unter ihnen bin ich gewesen und durch sie (710) gezogen mit Gefaht Leibes und Lebens; die thüringischen Bauern habe ich selbst erfahren, dass, je mehr man sie vermahnet und lehret, je störriger, stolzer und toller sie wurden, und haben sich allenthalben also mutwillig und trotzig gestellt, als wollten sie ohne alle Gnade und Barmherzigkeit erwürgt sein". 
12 In Nordhausen wurde er (laut den Tischreden) während der Predigt, als er mahnend auf ein Bild des gekreuzigten Christus verwies, von etlichen verhöhnt, die dazu mit Glocken klingelten, und wenig schien zu fehlen, dass "es los gegangen wäre". (n12
13       Am 4. Mai war er wieder in dem Mansfeldischen Dorf und Schloss Seeburg und schrieb von hier aus an des Grafen Albrecht Rat Dr. Johann Rühel. Es war derselbe Tag, an welchem Albrecht jene Verhandlung in der Stadt Mansfeld versuchte. Aus Luthers Brief ist zu ersehen, wie er auch zu den Bauern wird gesprochen und wie er in Weimar den Herzog wird beraten haben. 
14        Er bittet Rühel, dass er den Grafen, "nicht helfe weich machen in dieser Sache". Denn dieser trage das Schwert nach Röm 13,4 nicht umsonst, sein Grafenstand sei von Gott verordnet und befohlen, darum solle er das Schwert gebrauchen zur Strafe der Bösen, so lange sich ihm eine Ader im Leibe rege, ob auch der Teufel noch so wütend darüber werde. (br040525#2
15 Die Bauern, so viel ihrer sind, sind doch nur Räuber und Mörder, brechen ihren Herren den Eid, führen mit Schanden und Sünden den Namen des Evangeliums; (br040525#6) ihr Vorgeben, dass sie niemand beschädigen wollen, ist des Teufels Spott, da sie ja die Herren verjagen und totschlagen. (br040525#8) Wenn die Mansfeldschen Aufrührer sagen, sie seien nicht Münzerisch, so möge ihnen das ihr eigner Gott glauben, sonst niemand. (br040525#18)
16 Luther will dem Grafen hiermit keineswegs einen äusserlich glücklichen Erfolg sicher zusagen. Er hofft zwar fest, das Vornehmen der Empörer werde keinen Fortgang oder wenigstens keinen Bestand haben. Aber er hält für möglich, dass Gott noch weiter durch sie die Welt plagen und seinen Zorn über Deutschland ausgiessen, ja sie, seine Feinde und Lästerer, für jetzt zu Herren wolle werden lassen. (br040525#10)
17 Dennoch, sagt er, darf man in ihr Streben so wenig willigen als Christus (Matth. 4) in die Verführung des Satans, des Fürsten dieser Welt, sondern muss ihnen widerstehen mit Mund und Händen, so lange man immer kann, und darüber sterben im Namen Gottes. (br040525#11) Wird dem Grafen sein Schwert mit Gewalt aus der Hand geschlagen, so ist es Gott heimzugeben, der dasselbe verliehen hat und wieder nehmen mag. (br040525#3)
18 So lange der Graf kann, muss er es führen nach Gottes Befehl. Hier ist das Gewissen sicher, ob sie jetzt gleich die Fürsten straften und vertilgten und darin Gott dienten, doch von Gott das höllische Feuer zum Lohn gegeben; der rechte Richter kommt, ihr Tun und Sieg kann nicht lange bestehen. (br040525#19) Dazu sagt er von sich selbst: er merke wohl, dass der Teufel es sonderlich auch auf ihn abgesehen habe und ihn schlechterdings tot haben wolle. (br040525#13)
19 Dem gegenüber erklärt er: "Wohlan, komme ich heim, so will ich mich mit Gottes Hilfe zum Tode schicken und meiner neuen Herren, der Mörder und Räuber, warten, die mir sagen, sie wollen niemand nichts tun; (br040525#14) -- aber ehe ich wollte billigen und rechtsprechen, was sie tun, wollt ich eher hundert Hälse verlieren, dass mir Gott helfe mit Gnaden". (br040525#16)
20 Und er fährt fort mit den merkwürdigen Worten: "Und kann ich's schicken, dem Teufel zum Trotz, will (711) ich meine Käthe noch zur Ehe nehmen, ehe denn ich sterbe, wo ich höre, dass sie fortführen; ich hoffe, sie sollen mir doch nicht meinen Mut und Freude nehmen." (br040525#17) Diese Worte waren eine seiner ersten Äusserungen über seine Absicht zu heiraten. (n20
21         Die Päpstlichen haben von Cochläus an bis auf unsere Tage Luthern nachgesagt, er sei ursprünglich im Einverständnis mit den Bauern gewesen und erst dann, als er sie habe unterliegen sehen, klugerweise recht laut gegen sie aufgetreten. In Wahrheit steht er mit seinem Wort wider sie gerade hier als Mann von Eisen da, wo unmittelbar vor ihm die Gefahr aufs höchste gestiegen war und man fürchten musste, den weltlichen Machthabern werde das Schwert in Überraschung und Schwäche entsinken. 
22        Graf Albrecht warf sich wirklich schon am Tage darauf, den 5. Mai, mit Reitern und Fussknechten im Dorf Osterhausen auf eine Rotte Aufständischer und jagte sie auseinander: es war ein an sich kleiner Erfolg, aber wichtig als der erste Schlag, der im Gebiete des Harzes und Thüringens gegen den Aufstand geführt wurde. (n22
23       Luther reiste dann, nachdem er am 5. noach einmal persönlich mit Rühel zusammengekommen war, wieder Wittenberg zu, wo er bereits am 6. eintraf: man hatte von Lochau aus nach ihm geschickt, damit er noch zum Kurfürsten käme, der jedoch inzwischen verschied und nun in Wittenberg bestattet werden sollte. (n23
24       Wie Luther über die Gefahr dachte, in der er nun hinsichtlich seines Ansehens und seiner ganzen Stellung vor dem Volk zu stehen sich bewusst war, zeigt uns eine Predigt, die er kurz nachher in Wittenberg hielt. Da sagt er im Anschluss an die Worte Psalm 26,2: "wenn ich verzagt werde und mich verdreusst, dass die Leute von mir abfallen, das ist dann böse; wenn man Gunst, Ehre und Anhang kann fahren lassen, dann ist es gut; aber es steckt tief in uns, dass wir gern sehen, dass uns die Leute günstig sind. Dieses zeigt wahrlich an, dass das Herz unrein sei; als sollte David (zu Gott) sagen: 'fege mir's nur wohl'." (n24
25        Seiner "Ermahnung zum Frieden" liess er jetzt eine zweite, kürzere öffentliche Schrift folgen: "Wider die mörderischen und räuberischen Rotten der Bauern", mit dem Motto: "Seine Tücke wird ihn selbst treffen und sein Mutwille wird über ihn ausgehen" (Psalm 7,17). Es sind dieselben Gedanken in weitere Ausführung, die er im Briefe an Rühel ausgesprochen hatte. Er schrieb sie, wie ihr Inhalt zeigt, sogleich nach seiner Rückkehr, wenn nicht ebenfalls noch auf seiner Reise: denn er ruft erst zu einem Kampfe gegen sie auf, dessen Entscheidung noch ganz bei Gott stehe. (n25) (bond1#39
26       Die Bauern, sagt er, haben, ehe er sich omgesehen, bereits zur Faust gegriffen. (bond1#40) Da kennt er keine Vermahnung zum Frieden mehr. Nur noch die offenbar vorliegende Schuld der Bauern kommt ihm in Betracht, der Unsturz, der den von Gott (712) eingesetzten Obrigkeiten als solchen und hiermit aller Ordnung und allem Frieden und Wohl des Landes droht. 
27 Jenen will er ihre schreckliche Sünde vor Augen stellen, die sie gotteslästerlich mit dem Evangelium noch immer decken wollen, ob doch etliche dieselbe noch erkennen möchten: (bond1#43) er belehrt sie noch einmal über die rechte christliche Freiheit und den Frevel meineidiger Empörung, straft sie namentlich auch wegen der Gewalt, mit der sie manche fromme Leute in ihren Bund zwingen, bittet alle, denen es möglich sei, von ihnen wegzufliehen wie vom Teufel selbst. (bond1#72)
28 Die Obrigkeit will er in ihrem Gewissen unterrichten, wie sie jetzt in dieser Sache sich halten solle. Sie soll fürs erste die Sachen Gott heimgeben und bekennen, dass sie solches wohl verdient habe; (bond1#58) darnach Gott wider den Teufel um Hilfe bitten; ferner mit einem Herzen, das dem göttlichen Willen anheimstellet, ob er ihr die Herrschaft lassen wolle oder nicht, sich gegen die tollen Bauern zum Überfluss, ob sie's gleich nicht wert seien, zu Recht und Billigkeit erbieten; dann, wo dies nicht helfen will, flugs zum Schwert greifen und mit guten Gewissen drein schlagen. (bond1#59)
29 Sie könne ja mit aller Sicherheit des Herzens zu Gott sprechen: "Siehe, mein Gott, Du hast mich zum Fürsten und Herrn gesetzt und hast mir das Schwert befohlen über die Übeltäter; es ist Dein Wort und kann nicht lügen; -- willst Du mich nun durch sie lassen töten und mir die Obrigkeit wieder nehmen, wohlan, so geschehe dein Wille, so sterbe ich doch in Deinem göttlichen Befehl und Wort; drum will ich strafen und schlagen, so lange ich eine Ader regen kann, Du wirst's wohl richten und machen". (bond1#63)
30 Ja Luther sagt, ein offenkundiger Aufrührer sei also in Gottes und kaiserlicher Acht, dass, wer ihn am ersten erwürgen könne, recht und wohl daran tue; ein jeglicher Mensch sei über denselben Oberrichter und Scharfrichter. Es sei wie bei einer Feuersbrunst, wo der beste sei, wer am ersten löschen könne; denn Aufruht sie mehr als Mord, es sei wie ein Feuer, das ein ganzes Land anzünde, er bringe mit sich ein Land voll Mordes und Blutvergiessens; darum solle hier zerschmeissen, würgen und stechen, wer da könne. (bond1#47)
31 Den Obrigkeiten macht er endlich besonders auch zur Pflicht, jene Erbarmungswürdigen zu erretten, die von den Bauern mit Zwang in ihrer Mitte gehalten werden: "Darum, liebe Herren, rettet hie, helft hie, erbarmet Euch der armen Leute, steche, schlage, würge hier, wer da kann; bleibst Du drüber tot, wohl Dir, seliglicheren Tod kannst Du nimmermehr überkommen; denn Du stirbst im Gehorsam göttlichen Wortes Röm 13,1ff und im Dienste der Liebe, Deinen Nächsten zu retten aus der Hölle Banden". (bond1#71)
32 Rücksichtsloses Niederschlagen des Aufruhrs ist in solcher Lage die rechte Barmherzigkeit; denn je schwächlicher und säumiger die Fürsten sind, desto mehr wächst die Verführung und desto mehr Blut kostet es. Die Schrift schliesst mit den Worten: "Dünkt das jemand zu hart, der denk', dass unerträglich ist Aufruhr und alle Stünde der Welt Verstörung zu erwarten sei". (bond1#73)
33        Unterdessen zog Landgraf Philipp, der in Hessen den Aufstand gedämpft hatte, heran und vereinigte seine Truppen mit denen, welche Herzog Heinrich von Braunschweig, Georg von Sachsen und die Grafen von Mansfeld aufgebracht hatte. Die grosse Haufen der Bauern waren bei ihrem bisherigen Umherziehen zu keiner kräftigen Verbindung unter einander gelangt. 
34 Der gefährlichste derselben nahm bei Frankenhausen Stellung, wo 8000 Mann zusammen kamen. Gegen ihn wandte sich die Macht der Fürsten, die ihm an Zahl der Streiter kaum, an kriegerischer Ausrüstung und Tüchtigkeit aber weitaus überlegen war. Noch wurde hier friedliche Vermittlung versucht: (713) so durch den Schosser von Allstedt im Auftrag Johanns, des neuen Kurfürsten von Sachsen, und insbesondere durch Albrecht von Mansfeld, den Freund Luthers. 
35 Die Bauern erklärten sich noch am 11. Mai willig, mit Albrecht persönlich zu verhandeln. Er erbot sich, am 14. mit ihnen zusammen zu kommen. Münzer aber, der jetzt mit den Mühlhäusern zu ihnen stich, hintertrieb es: er selbst schrieb am 12. an Albrecht (muenzer#28) und an den streng katholischen Grafen Ernst von Mansfeld (muenzer#18); jenes schalt er, dass er mit seinem "lutherischen Grütz" und "Martinischen Bauerndreck" die göttlichen Weissagungen nicht verstehe (muenzer#30) und Pauli Epistel (Röm 13) zu gunsten der "böswichtischen" Obrigkeit erbärmlich missbrauche; diesem kündigte er an, dass die Bauern "gestrackten Befehl" von Gott hätten, ihn vom Stuhl zu stossen; (muenzer#25) er unterzeichnete sich "Münzer mit dem Schwert Gideons". (muenzer#27)
36 Von den Bauern erhielt Albrecht auf sein Anerbieten keine Antwort mehr. So ging denn Landgraf Philipp mit den Herzögen Heinrich und Georg am 15. bei Frankenhausen zum Angriff gegen sie vor. Sie standen hinter einer Wagenburg. Ihre Bewaffnung war schlecht. Münzer hatte zwar keineswegs bloss auf übernatürliche Hilfe sich verlassen, sondern grosse Feldgeschütze giessen und Zeichnungen davon prahlerisch verbreiten lassen, es war aber nicht einmal das nötige Pulver dazu da. 
37 Noch einmal begeisterte er mit einer schwärmerischen Ansprache seine Scharen insoweit, dass sie stürmisch riefen, soe wollten lebendig oder tot aushalten und auf die Bluthunde losschlagen. Als aber die Kugeln in ihre Wagenburg einschlugen, sollen sie wie gelähmt gewesen sein; sie stimmten wohl an "Komm, heiliger Geist", versuchten aber gar keinen Angriff ihrerseits. 
38 Die feindlichen Reiter brachen durch die vom Geschütz geöffnete Gasse ein, das Heer der Bauern löste sich in wilder Flucht auf, über die Hälfte derselben wurde niedergemetzelt, Münzer, der auf der Flucht sich in einem Bett versteckt hatte, gefangen genommen. 
39 Kurfürst Johann brachte unterdessen die Bauern seiner eignen, südlich von diesem Schauplatz liegenden Lande durch gütliche Worte und Drohungen zur Ruhe und brach am 20. Mai au8ch zur Vereinigung mit Philipp auf. Am 25. musste Mühlhausen sich den Fürsten ergeben. Hier wurden Münzer und Pfeifer nebst aneren Anführern enthauptet. 
40 Jener zeigte sich völlig gebrochen: er legte schon am 17. ein förmliches Bekenntnis ab, irrtümlich und frevlerisch gegen Obrigkeit, das Sakrament des heiligen Leichnams Christi und die Ordnungen der gemeinen christlichen Kirche halten und dals mit ihr versöhntes Glied sterben zu wollen, liess auch, wie Dr. Rühel Luther berichtete, sich das Abendmahl unter einer Gestalt reichen. Vor seiner Hinrichtung soll er aus Angst nicht mehr imstande gewesen sein, das apostolische Glaubensbekenntnis, wie er wollte, betend herzusagen. (n40
41  Kurfürst Johann rückte hierauf über Eisenach gegen Meiningen vor, wo ein anderer Heerhaufe der Bauern stand, schlug diesen und nötigte am 5. Juni die Stadt zur Übergabe. Dann zog er nach Koburg, wo er bis zum 13. blieb, indem er überall in diesen Gegenden die aufständigen Ortschaften ihren Herren wieder unterwarf. -- 
42 In Schwaben hatten die Bauern schon vorher, am 12. Mai, durch Georg Truchsess bei Böblingen eine entscheidende Niederlage erlitten. Dieser wandte sich dann nach Franken, wo zugleich der Kurfürst von der Pfalz und der Erzbischof von Trier gemeinsam vordrangen, während Johann vom Norden her sich näherte. 
43 Die Stadt Würzburg, wo die Bürger mit den Bauern gemeinsame Sache gemacht hatten, musste sich am 7. Juni ergeben. In Oberschwaben währte der Widerstand der Bauern noch länger fort, bis hier Georg Frundsberg, der berühmte Führer der Landsknechte, dem Truchsess zu Hilfe kam. In Salzburg hielten sie sogat bis zum August noch die Burg belagert. -- 
44 Den Siegen über sie folgten massenhafte Hinrichtungen. Im Brennen und Würgen und auch in allerhand raffinierten Greueln wetteiferten jetzt mit ihnen die Kriegsknechte und grossenteils auch die Herren. Landgraf Philipp und Kurfürst Johann zeichneten sich aus durch Mässigung, der Bischof von Würzburg und andere katholische Herren durch besondere Akte der Grausamkeit. Spalatin schrieb am 12. Juli: "Das Kopfabschlagen hat noch kein Aufhören; -- es werden aus der Massen viel armer Leut Witwen und Waisen gemacht". Die Gesamtzahl der Bauern, welche durch den Krieg und die Hinrichtungen umkamen, wird von Zeitgenossen auf etwa 100.000 angeschlagen. (n44
45        Luther gab, als er Münzers Niederlage vernommen hatte, dessen berüchtigten Aufruf und jene beiden unverschämten Briefe an die Mansfelder Grafen mit einer Vermahnung heraus: (se muenzer!
46        Jeder, der nicht mutwillig verdammt sein wolle, möge aus dem öffentlichen Urteil Gottes, wie "diese Rottengeister wider Gott gewest und eitel Lügen geführt haben". (muenzer#48) "Ich schreibe", sagt er, "solches alles, nicht dass ich mich freue seines und der Seinen Unglück; denn was ist mir damit geholfen, der ich nicht weiss, was Gott über mich noch auch beschlossen hat? sondern dass ich gern wollte warnen alle Aufrührer, dass sie nicht auch in gleichen Zorn Gottes fallen". (muenzer#49)
47 Ferner: "die Herren und Obrigkeiten bitt' ich um zwei Stücke; fürs erste, wo sie gewinnen dass sie sich des ja nicht überheben, sondern Gott fürchten, vor welchem sie auch fast (d. h. sehr) sträflich sind; -- das andere, dass sie den Gefangenen, und die sich ergeben, wollten gnädig sein, wie Gott jedermann gnädig ist, der sich ergibt und vor ihm demütigt". (muenzer#54) (n47
48        Die Schärfe aber, mit der er in seinem Büchlein "Wider die mörderischen Rotten der Bauern" zum Dreinschlagen und Würgen aufgefordert hatte, wurde ihm jetzt auch in der eignen Umgebung vielfach sehr verdacht, während die katholischen Herren auf jene Schriften hin gegen ihn nicht weniger feind und erbittert blieben als vorher. 
49 Den offenen und geheimen Anhängern (715) des Aufstandes war er zu einem Heuchler und Fürstenknecht geworden. Auch andere aber stiessen sich sehr an jenen blutigen Worten, die nun so manchen Greueltaten zum Vorschutz dienen konnten. Luthers Freund Rühel schrieb ihm, es werde jetzt gestraft und gewütet, dass es zum Erbarmen sei. Er besorge, Luther sei den Herren ein Prophet, dass sie ihren Nachkommen ein wüstes Land lassen würden. 
50 Vielen, die Luther günstig seien, sei es befremdlich, dass er das Würgen ohne Barmherzigkeit den Tyrannen nachgelassen; in Leipzig sage man jetzt, nach Friedrichs Tode fürchte er der Haut und heuchle dem Herzog Georg damit, dass er sein Einschreiten billige. Aus Zwickau kam die Klage, er sei jetzt bei dem gemeinen Volk und auch bei Gelehrten und Ungelehrten in grosssem Abfall; man meine, sein Schreiben sei doch sehr unbeständig. 
51 Ja selbst sein treuer Freund Hausmann war über sein Buch wider die Bauern "etwas mit Verwunderung entsetzt". Der Zwickauer Bürgermeister aber urteilte, dies Büchlein sei "nicht theologisch", es gebe dem einen Teil, den Herren, "zu viel und allzuviel". Luther wollte anfangs ruhig die Leute schelten lassen: denn es sei längst genug Gerede über ihn gewesen, das mit der Zeit von selbst zu Schanden geworden sei, und er "müsste viel Leder haben, wenn er einem jeglichen das Maul zuknäufeln sollte". 
52 Dann wurde ihm des Klagens und Fragens doch zu viel. Man habe, so schreibt er an seine Freunde in Mansfeld, über jenem Büchlein jetzt alles vergessen, was Gott der Welt durch ihn getan; Herren, Pfaffen und Bauern seien jetzt zugleich wider ihn und drohten ihm den Tod. Am Pfingsttage (4. Juni) hielt er auf der Kanzel eine Verantwortung wegen seines Büchleins wider die aufrührischen Bauern. 
53        Unnütze Kläffer legten ihm sein Schreiben wider die Bauern sehr übel aus und auch fromme Herzen wären zweifelhaft geworden. Beiden wolle er Antwort geben. Der Aufrührer ist schlimmer als ein Mörder, denn er greift der obrigkeitlichen Gewalt nach dem Kopf und nach dem Schwert. 
54 Darum ist hier jeder verpflichtet, sein Haupt, die Obrigkeit zu beschützen und ihr beizustehen. Mit guten Gewissen wehrt er den Vorwurf ab, dass er jetzt "den Fürsten heuchle". Er hat ja auch die Fürsten ermahnt, Billigkeit ihren Untertanen zu erzeigen -- hören sie darauf nicht, so haben sie ihren Richter im Himmel. Jetzt aber iest seine Aufgabe, die zu rechtfertigen, die für die Erhaltung der Obrigkeit gegen den Aufruhr fechten. Wider die Klüglinge, die ihn jetzt lehren wollen, wie er schreiben soll, ist sein letztes und bestes Mittel das Gebet, wie Mose und Aaron beteten, und das Erdreich sich öffnete, ihre Feinde zu verschlingen. (n54
55        Was er so gepredigt, das führte er dann flugs in einer Schrift weiter aus: seinem "Sendbrief von dem harten Büchlein wider die Bauern" an den Mansfelder Kanzler Müller, der ihm gleichfalls über jene bösen Nachreden geschrieben hatte. 
56        Er hat hier, wie auch sonst so oft, wo er seinen Standpunkt gegen Vorwürfe und Lästerungen zu wahren hatte, die Saiten geflissentlich eher noch angespannt als nachgelassen. Zornig wendete er sich gegen diejenigen, die da rufen: jetzt sehe man (716) seinen Geist, wie er ohne alle Barmherzigkeit Blutvergiessen lehre, ja dass aus ihm der Teufel reden müsse. 
57 Diese Männer der Barmherzigkeit sind ihm Mitschuldige der Empörer; die Antwort, die er seinem Freund Müller für sie gibt, dünkt ihm ein verlorene Dienst: denn wer kann einem das Maul stopfen, dessen Herz voll Narrheit steckt? sie sollte die Obrigkeit mit am Kopfe nehmen. Ein Aufrührer ist nicht wert, dass man ihm mit Vernunft antwortet; wo Gott Zorn will, darf man nicht mit Barmherzigkeit umgehen. 
58 Gott hat es Saul zur Sünde angerechnet, dass er seinen Zorn an Amalek nicht ausgerichtet (1 Sam 23), und Paulus lehrt, dass über den, der Gottes Ordnung widerstrebt, ein Gericht kommen müsse. Aber denen, welche durch jene verführt worden oder fürs Verständnis seines Büchleins zu schwach sind, will er noch weitere Belehrung geben: man muss von Gottes Reich unterscheiden das weltliche Reich und Recht, welches Diener des göttlichen Zornes über die Gottlosen ist und nicht Barmherzigkeit, sondern Strenge in seinem Amt zu üben hat. 
59 Christen sollen zwar als Glieder des Gottesreichs sich aller erbarmen und für sie beten, jenes Recht und Werk des weltlichen Reiches aber nicht hindern, sondern fördern helfen; ja jeder soll, wie er geschrieben, auch selbst unter die Aufrührer loshauen: nämlich so lange das Haupt, die Obrigkeit, bleibt, soll zwar der einzelne auf den Befehl des Hauptes warten, wo aber das Haupt angegriffen, geschlagen und gefangen ist, soll ihm jeder auch ohne Befehl als getreues Glied mit Stechen und Hauen zu Hilfe kommen. 
60 Und in Wahrheit ist ja gerade auch jener Zorn des weltlichen Reichs nicht das geringste Stück der göttlichen Barmherzigkeit: denn wenn einen ein Dieb und Mörder überfällt und erwürgt, einem Leib und Gut nimmt, Weib und Kind schändet, so hat der Überfallene und nicht der Dieb und Mörder nötig, dass man sein sich erbarme. Wäre der Bauern Vornehmen vor sich gegangen, so wäre kein redlicher Mann von ihnen sicher geblieben; es gibt nichts Ungezogeneres, als den tollen Pöbel und Bauern, wenn er satt und voll ist und Gewalt kriegt: soll man etwa solche Leute toben und die Unschuldigen ohne Barmherzigkeit durch sie umkommen lassen? 
61 Weiter äussert Luther über die Bauern: Gott hat sie jetzt wollen lernen lassen, wie ihnen bisher zu wohl gewesen und wie sie ihm fernerhin danken sollten, wenn sie eine Kuh geben müssten und dafür der anderen in Frieden geniessen dürften. Die Herren abeer haben erfahren sollen, was hinter dem Pöbel steckt, damit sie besser als bisher Regiment und Ordnung halten: der Esel will Schläge haben und der Pöbel mit Gewalt regiert sein, darum hat Gott der Obrigkeit nicht einen Fuchsschwanz, sondern ein Schwert in die Hand gegeben. -- 
62 Jene Nachredner wenden wohl ein: sie redeten von Barmherzigkeit nicht gegen die halsstarrigen Bauern, sondern gegen die, welche jetzt überwunden seien oder sich ergeben hätten, dass man mit ihnen nicht so greulich umgehen möge. Er antwortet: so rede er ja auch in seinem Büchlein klärlich nicht von solchen überwundenen, ergebenen Bauern, sondern von denen, die man vergebens freundlich ersucht habe; von diesen schreibe er noch immer, dass man sie würgen solle wie tolle Hunde. 
63 Man wende ihm ferner ein, dass viele nur aus Zwang und deshalb unschuldig unter die Aufrührer gekommen seien. Aber zwingen, sagt er, kann kein Mensch des andern Willen. Jene sind ja nicht etwa gebunden mitgeführt worden, während sie mit dem Mund sich gewehrt und die anderen gestraft hätten, sondern sie sind mitgelaufen, als willigten sie ein. Wer der Sünde weicht und folgt, statt drüber zu leiden bis in den Tod, der muss mit Schanden zur Strafe sterben. 
64 So scheint Luther hier zu vergessen, dass er vorher doch selbst mitleidig von den Unglücklichen geredet hatte, die man erst aus dem Zwang der anderen befreien müsse. Man möchte ferner fragen, wozu er jetzt noch vom Totschlagen der Halsstarrigen redet (717) und von Erbarmen nur gegen die Gefangenen und Ergebenen, da doch der Aufstand bezwungen war, und es sich u9m ein Töten nur eben noch bei Gefangenen handelte: doch er meinte hier wirklich, wie in seiner vorangegangenen Schrift, nur das Totschlagen im Kampf, indem er eben seine früheren Äusserungen rechtfertigen wollte und dabei den Kampf vor Augen hatte, der im Süden wirklich noch fortwährte. 
65 Er meinte ferner namentlich auch bei dem Tod, den jene gezwungenen Teilnehmer des Aufstandes mit sterben müssen, nur das Niedermetzeln in der Schlacht, nicht die Hinrichtung der Besiegten, wie denn diese wirklich von Landgraf Philipp und Kurfürst Johann vielmehr scharenweise nach Hause entlassen wurden. 
66 Denn so fährt er dann doch mit sehr klaren Worten fort: "ich sage noch einmal und zum drittenmal, dass ich allein den Obrigkeiten, die da christlich fahren wollen, geschrieben habe, -- dass sie flugs in den Haufen der Aufrührischen schlagen sollen, -- und ob sie Unschuldige gleich treffen, dass sie sich kein Gewissen davon sollen machen; hernach aber, wenn sie gewonnen haben, dass sie dann Gnade erzeigen, nicht allein den Unschuldigen (wie sie es halten [d. h. wie sie es wirklich schon tun]), sondern auch den Schuldigen". --
67 So weist er denn jede Verantwortung für den Missbrauch von sich, den jetzt eine Menge der Herren von ihrem Schwert machte, für das Treiben der "wütenden, rasenden, unsinnigen Tyrannen, die auch nach der Schlacht nicht mögen Blutes satt werden". Für sie, sagt er, sei auch sein Büchlein gar nicht geschrieben gewesen. Eine Belehrung dieser "Bluthunde", die überhaupt nicht nach Gott fragen und darauf los würgen, ob's Gott oder dem Teufel gefällt, habe er sich nicht vorgenommen; er lasse ihren Meister, den Teufel, sie führen, wie der sie führe. 
68 Er erwähnt dabei einer schändlichen Rede, die einer der "grossen Hansen" bei Mühlhausen gegen Münzers schwangeres Weib getan, und erklärt: das seien Rangen, Bestien, Wölfe, Säue, Bären und Leuen; er wolle sie nicht zu Menschen machen. Er sei schon zuvor besorgt gewesen, dass, wenn die Bauern Herren würden, der Teufel Abt würde; aber ebenso, dass wenn solche Tyrannen Herr würden, des Teufels Mutter Äbtissin würde. -- 
69 Aber allerdings, das Hauptgewicht seiner neuen Schrift fällt, indem er die Strenge der vorigen rechtfertigen will, auf die anderen Seite, auf die Schuld und Strafwürdigkeit der Bauern. Und ein Wort der Fürsprache für sie mit Bezug auf die Lasten, um derentwillen der Bauernstand sich erhoben und die auch seine eigne Schrift über die zwölf Artikel noch anerkannt hatte, findet er jetzt nicht mehr angemessen. (n69
70        Dass Luther mit den Gefangenen wohl Mitleid hatte, bewies er u. a. durch ein Schreiben, durch das er sich beim Erzbischof Albrecht für einen Eislebener Bürgersohn verwendete, der im Kampf gefangen genommen war: 
71        "Ew. Kurfürstl. Gnaden wolle ansehen, dass dieser Kampf nicht durch menschliche Hand oder Rat, sondern aus Gottes Gnaden gestiftet, der scih unser aller und zuvor der Obrigkeit erbarmet hat, wiederum auch gnädiglich handeln mit den aruem Leuten. --
72 Denn sonst leider allzuviele sind, die so grausamlich mit den Leuten umgehen und so undankbarlich gegen Gott handeln, als wollten sie mutwillig wiederum Gott und der Leute Zorn und Unlust erwecken und auf sich laden. -- Es ist nicht gut, Herr sein mit Unlust, wider Willen und Freundschaft der Untertanen, es hat auch keinen Bestand. Es ist gut, dass Ernst und Zorn beweiset ist, da die Leute aufrührisch, störrig und verstockt funden worden; nun sie aber gestossen sind, sind es andere Leute und neben der Strafe der Gnaden wert. Zuviel zerrisse den Sack auf (718) beiden Seiten, Mass aber ist zu allen Dingen gut, und die Barmherzigkeit pranget wider das Gericht" (Jak 2,13)
73         Und er hat auch fernerhin laut und rückhaltlos an den Sünden der Gewalthaber gegen die Bauern sein Strafamt geübt. So schreibt er z. B. ein Jahr später: "Nun sich's Rad gewendet hat und die Oberherren obliegen und Glück haben, die Bauern aber erschlagen sind, da ist kein Mass noch Weise auf beiden Seiten: die Oberherren wissen nicht, wie sie ihren Mutwillen genugsam kühlen sollen, die Bauern sind so verzagt, dass sie nicht wissen, was sie tun sollen". 
74 Er gedenkt in einer anderen Schrift des nächten Jahres mit den stärksten Ausdrücken der Verachtung und des Unwillens der Junkerlein und sonderlich der Reichen unter ihnen, die unter dem Vor wand, dass einer mit unter dem Haufen gewesen sei, fremdes Gut geraubt und erschunden und unschuldig Blut vergossen hätten: die wollen sich noch rühmen, dass sie vom Adel seien; ja, freilich vom Adel, so wie der Auswurf ihres Leibes auch von Adel ist! 
75 Und nun scheidet er aufs schärfste zwischen den Aufrührern und den vielen, die nur ungern, ohne ihren Willen und Dank, oder in der Hoffnung, durch guten Rat dem tollen Haufen wehren zu können, mitgezogen sind. Diese alle sollten nicht nach strengem Recht, sondern nach der Billigkeit behandelt worden sein. (n75
76 Aber gegen die Bauern blieb in ihm fortan der Argwohn, dass sie es leicht zu gut hätten, undankbar und störrig wären und nur das Ihre suchten. Es kamen dann zur Schärfung seines Urteils über sie böse Erfahrungen von Undank und Geiz dazu, womit sie gerade evangelischen Pfarrern begegneten. 
77        Zu Luthers Fürsprache flüchtete sich infolge des Bauernkriegs auch sein Feind Carlstadt, der noch im März seine schriftstellerische Polemik gegen ihn fortgesetzt hatte. Die Einwohner von Rotenburg, dem hauptschlachtplatz seines Wirkens seit seinem Abzug aus Orlamünde, waren beim Aufstand besonders beteiligt und wurden von der Rache der Sieger besonders schwer getroffen. 
78 Er selbst, der dort noch zu Ostern Bilderstürmerei gepredigt, verliess Rotenburg Ende Mai; er machte noch am 1. Juni einen Landtag der Bauern in Schweinfurt mit, wo er wohl einer vermittelnden Haltung sich befleissigte. Er wurde mit als Anstifter verfolgt und musste fliehen und sich verborgen halten. Aus Frankfurt a. M. bat er am 12. Juni brieflich Luther um Verzeihung für alles, was er "aus dem alten Adam bewegt wider ihn gesündigt", und flehte ihn um seine Fürsprache an, dass er mit Weib und Kind wieder nach Kursachsen zurückkehren könne. 
79 Er sei weder vor den Reisigen noch vor den Bauern sicher. Durch eine Schrift wollte er sich gegen die Anklage der Mitschuld an Aufstand rechtfertigen und sendete diese, die das Datum des 24. Juni trägt, an Luther. Dieser meinte jetzt doch nicht mehr an ihm verzweifeln zu dürfen und versah auf seine Bitte (719) diese Entschuldigungsschrift mit einem Beiwort, worin er erklärte, dass man ihm ordentliches Recht gewähren müsse. 
80 Wohl wünschte er, dass Carlstadt auch seine Abendmahlslehre widerrufe, begnügte sich jedoch mit einer neuen Schrift, in welcher dieser sie nur als einen Gegenstand des Forschens und Disputierens hinstellte und der er selbst dann die Mahnung beifügte, dass niemand an solches menschliches Dünken sich halten, sondern auch im Zweifeln darauf harren solle, der Wahrheit gewiss zu werden. 
81 Erasmus Alberus und Mathesius haben uns einen merkwürdigen Beweis der mitleidigen Herzensgüte Luthers überliefert. "Weil aber Dr. Martinus sich versah, -- so berichtet Alberus -- dem Carlstadt beim Kurfürsten Gnade zu erlangen, schrieb er an Carlstadt, er sollte kommen und heimlich bei ihm sein, bis er ihm beim Kurfürsten Gnade erlangt, dass er im Lande sein möchte. Carlstadt kam und war eine Zeitlang heimlich in Dr. Martini Hause, das kein Mensch wusste, ohne Dr. Martini treuer Famulus Wolf (Sieberger), der bracht ihm hemlich zu essen". 
82 Ähnlich sagt Mathesius, als ein barmherziger Mann habe Luther ihn zu sich beschieden, ihn heimlich gehalten (nicht ohne Besorgnis), ihn mit Schriften entschuldigt und endlich beim Kurfürsten zu Gnaden gebracht. So wird es Carlstadt sein, von dem Luther (Mitte August 1525?) schreibt, der unglückliche Mensch sei von ihm heimlich verwahrt worden; die ganze Welt sei ihm zu eng geworden, und allenthalben bedrängt, habe er nun um Schutz gebeten. 
83 Er habe möglichst freundlich behandelt und ihm geholfen, aber freilich, von seinem verkehrten Sinn lasse er nicht ab. Er scheint dann in der Nähe von Wittenberg ein Versteck gehabt zu haben. Hier setzte er ein Bittschreiben an Luther auf; er sei ihm ja freilich früher ein recht unbequemer Bruder gewesen, jetzt wolle er sein folgsame Sklave sein. Er möge ihm die Erlaubnis erwirken, in Kemberg wohnen zu dürfen. 
84 Luther bat darauf am 12. September den Kurfürsten für ihn, dass man ihm ein Verhör wegen jener Anklage in Wittenberg gewähren und ihn, wenn er sich rechtfertige, an einem benachbarten Ort, in Kemberg oder in einem Dorfe in der Nähe, bleiben lassen möge, wo er ohne ferneres Predigen und Schriftstellern von seiner Hände Arbeit leben wolle. 
85 Der Kurfürst gestattete ihm wieder im Dorf Segrehna (nachher in Berkwitz bei Kemberg, dann in Kemberg selbst) sich niederzulassen, wo er, der vormalige Verächter der Kindertaufe, im Februar 1526 zu der Taufe eines ihm geborenen Söhnleins Luther als Gast und Melanchthon, Jonas und Luthers Frau als Gevattersleute bei sich hatte. 
86 So hielt er es bei gezwungenem Stillschweigen und kümmerliche Existenz drei Jahre lang aus, und dann aufs neue eine freie Tätigkeit auswärts zu suchen: er kam erst im Jahre 1532 zur Ruhe auf einer Predigerstelle in Zürich und endlich auf einer Professur in Basel, wo er (720) 1541 starb; seine Rolle in der Reformationsgeschichte aber war schon mit dem Jahre 1525 ausgespielt. (n86
87          Auch jener Theologe Martinus Cellarius, einer der mit Storch und Stübner verbundenen "Propheten" (S. 488), fühlte sich wegen wirklicher oder vorgeblicher Mitschuld an den Unruhen nirgends mehr sichre. Er war auf langen Wanderwegen endlich im Juni 1525 nach Königsberg gelangt. Luther warnte wiederholt Herzog Albrecht vor ihm. Er wurde dort zunächst nach dem Schloss des samländischen Bischofs G. v. Polentz verwiesen, wo er seine Anschauungen in einer Schrift näher darlegen sollte. 
88 Als aber dann Paul Speratus seine Theologie als die eines Lügen- und Irrgeistes nach der Art Münzers beurteilte, wurde er am 9. Februar 1526 förmlich ausgewiesen auf einen Revers hin, durch den er sich verpflichtete, zu Luther zu gehen und dort eine Zeitland zu bleiben, "ob ich da möchte der Wahrheit unterrichtet werden". 
89 Er führte sein Versprechen aus, Luther nahm ihn freundlich an; seine eschatologischen Phantasten und seine Abendmahlslehre stiessen jedoch auf entschiedenen Widerspruch. Luther scheint aber ein gewisses Wohlgefallen an ihm gefunden zu haben, denn er forderte ihn auf, länger zu bleiben und Belehrung zu empfangen; er aber zog es vor, in seine Heimat nach Süddeutschland zurückzukehren. (n89
90        Die katholischen Herren aber unter den Siegern und vor allem Herzog Georg gedachten jetzt den Sieg bis aufs äusserste gegen die neue Lehre selbst, der sie die Grundschuld des Aufstandes beimassen, und gegen alle ihre Anhänger auszunutzen. In ihren eignen Gebieten liessen sie Leute mit hinrichten, denen nichts als der Besitz lutherischer Bücher oder evangelisches Bekenntnis vorzuwerfen war, und insbesondere eine grosse Zahl übergetretener Priester und anderer Prediger. 
91  Einzelne Prediger auch auf kursächsischem Gebiet waren wenigstens soweit kompromittiert, dass sie fliehen mussten: so jener Jakob Strauss, ferner Georg Witzel, der später wieder zum Katholizismus überging und einer der heftigsten Gegner Luthers wurde. Herzog Georg arbeitete, so sehr er konnte -- schon im Lager vor Mühlhausen -- an seinen dermaligen Verbündeten Philipp und Johann, dass sie sich von dem unheilvollen Luther lossagen sollten. 
92  In demselben Sinne traf er mit Erzbischof Albrecht, dem Kurfürsten von Brandenburg und den Herzögen Erich und Heinrich von Braunschweig auf einem auf den 26. Juni geplanten, aber erst Mitte Juli zu stande gekommenen Konvent zu Dessau Verabredungen. In Wittenberg hiess es, er werde dort Luthers Auslieferung fordern. Dieser selbst schrieb: Georg glaube nach Friedrich des Weisen Tod alles zu vermögen, aber Christus lache seiner. 
93  Seine Bemühungen waren wirklich bei jenen beiden ganz vergeblich. Auch die grossen evangelischen Reichstädte blieben jetzt nicht minder fest gegen das Zureden und Drohen (721) von dieser Seite her, als sie die aufrührische Bewegung der Bauern und kleineren Bürgerschaften von sich ferne gehalten hatten. -- 
94  Luther hatte sogar die Kühnheit, noch am 2. Junii Erzbischof Albrecht durch ein Sendschreiben auszufordern, dass er sich in den ehelichen Stand begeben und sein Bistum zu einem weltlichen Fürstentum machen möge. Rühel, der auch dem Erzbischof als Rechtsanwalt diente, hatte ihn dazu angeregt. Albrecht hielt sich fortwährend noch eine Türe nach der Seide der Reformation offen; so meinte Luther auch im Januar, da er ihm dem Evangelium doch nicht ungünstig sei; während des Krieges muss Rühel Äusserungen von ihm vernommen haben, nach denen ein Erfolg für Luthers Rat bei ihm wohl möglich schien: die Stände der Magdeburger Territoriums hatten ihm bereits den nämlichen Gedanken an die Hand gegeben, und in weiter Ferne hatte auch ein Campeggi schon im Mai die Kunde vernommen, dass Albrechts Vetter, der Hochmeister des Deutsch-Ordens, die Umwandlung des Ordensstaats Preussen in ein Herzogtum wirklich vollzogen habe (oben S. 623). 
95  So schrieb denn Luther an Albrecht: vor allem werde das, was er ihm rate, ein Mittel sein, der göttlichen Strafe zuvorzukommen und dem Satan die Ursache der gegenwärtigen Empörung zu nehmen, da der falsche geistlichen Stand offenbar gegen Gott und seine Ehre sei. Der Hochmeister habe ihm ein schönes Exempel gegeben; überdies sollte es für ihn schon genug sein, zu wissen, dass es für einen Mann, dem Gott nicht die besondere Gnade der Keuschheit gegeben, gefährlich sei, ohne Weib zu bleiben, und dass Gott selbst dem Mann eine Gehilfin habe geben wollen. Für den Fall, dass der Erzbischof fragen sollte, warum nicht Luther selbst ihm mit dem Beispiel vorangehe, ermächtigte er Rühel zu der Antwort: er sei, wenn das jenem zur Stärkung dienen würde, gar bald dazu bereit.
96  Auch gab er seine Einwilligung, dass dieses Schreibung gedruckt wurde. Albrecht folgte jetzt nach dem Siege über die Bauern und unter der dadurch veränderten Situation dem Rate Luthers natürlich nicht, wies ihm aber auch jetzt nicht von sich. Jener Brief drang noch im Jahre 1526, aber, wie es scheint, ohne Luthers Zutun, durch mehrere Druckausgaben an die Öffentlichkeit. (n96
97           Nachdem die Unruhen ih Thüringen und so auch in Erfurt längst gedämpft waren, fand sich der nach der Schlacht von Frankenhausen wiederhergestellte alte Rat jener Stadt noch zu einer Bitte an Luther um ein Gutachten über die Artikel der unzufriedenen Bürger vom  Mai d. J. (oben S. 707) veranlasst, da er, wie er jenem am 9. September schrieb, den Leuten nichts abschlagen wolle, was man ihnen nach evangelischer Billigkeit schuldig wäre. Weiter sind uns seine Motive nicht bekannt. 
98  Darauf (722) gab Luther schon am 19. d. Mts. seine Antwort. Er stellte den Inhalt der Artikel grossenteils dem Urteil des Rates anheim, billigte einzelnes, wie die Aufhebung der Bordelle, fasste aber seine Ansicht über ihren Gesamtcharakter in seiner Schlussbemerkung zusammen: "Ein Artikel ist vergessen: dass ein ehrbarer Rat nichts tue, keine Macht habe, ihm nichts vertrauet werde, sondern sitze da wie ein Götze und lasse ihm von der Gemeinde vorkäuen wie einem Kinde und regiere also mit gebundenen Händen und Füssen und der Wagen die Pferde führe und die Pferde den Fuhrmann zäumen und treiben; so wird's dann fein gehen nach dem löblichen Vorbilde dieser Artikel". (n98
99          Die Gefahr, die in jenem Sturme des jahres 1525 für die Tätigkeit Luthers und die ganze evangelische Reformation lag, war wohl die grösste, die diese zu bestehen hatte. Es handelte sich für sie darum, in eine Bewegung hineingereissen zu werden, die ihr freilich nahe verwandt war, durch die aber ihre wahren Grundsätze grob entstellt wurden, in eine Bewegung, deren Misslingen dann sicher auch ihr den Untergang gebracht hätte, deren etwaige Folgen aber erst noch zu den schwierigsten Verwirrungen und weiteren Kämpfe hätten führen müssen. 
100  Dabei galt sie ihren Gegnern schon von vornherein so sehr für schuldig am Aufstand, dass sie, so viel an jenen lag, im Fall seiner Überwältigung die Folgen jedenfalls mitzuführen bekam. Anderseits erkannte Luther recht wohl, was bei einem Sieg des Aufstandes, dem er selbst widerstrebt hätte, ihm, dem bisherigen Volksmann, von seiten der Fanatiker drohte. 
101          Wohl mag jetzt einer, der nüchtern die damalige Lage der Dinge erwägt und von den Erfahrungen der Geschichte etwas gelernt hat, die richtige Entscheidung leicht finden und sagen: der Aufstand der in sich unreifen und zuchtlosen Bauernschaft gegen die bisher herrschenden, organisierten Gewalten haben im voraus keine Aussicht auf dauernden Sieg gehabt, und auch nicht einmal die Kraft, das römische Wesen für Deutschland umzustürzen, als ob dieses irgendwo durch Pfaffenstürmen und Klösterverbrennen sich entwurzeln liesse, überdies habe Luther keineswegs eine Begabung dazu besessen, auch auf dem politischen Gebiete neues zu schaffen und zu ordnen: 
102  Gewiss ist das alles richtig, obgleich auch heute noch vielen jene Nüchternheit fehlt und jene Erfahrungen bei ihen vergeblich sind. Allein wie viel schwerer ist doch in solchen Fällen die Entscheidung für einen Mann, der mit erregtem Blute mitten in der auflodernde Bewegung steht und jene im Drang des Augenblicks für sich, sein Volk und seine Kirche zu treffen hat.
103  Wir wissen: Luther gab sie sofort hell und mannhaft auf Grund der Überzeugung, die ihm feststanden und in denen er auch jetzt sich nicht beirren liess, -- er, der Volksmann, unbekümmert um den Verlust der (723) Popularität und um den beuen Hass gegen seine Person, den er zum alten häufte, -- unbekümmert auch im die seinem Werk drohende neue Gefahr, wofern nur das Vertrauen in seinem alten Gott nicht wankend wurde. Der prinzipielle Unterschied und Gegensatz zwischen seiner Reformation und jenem Aufstande musste da jedem klar werden, der überhaupt in diesen Dingen noch sehen konnte und wollte. 
104           So liess denn auch keine der städtischen und Landesobrigkeiten, die bisher der evangelischen Lehre Luthers geneigt oder schon offen zugetan gewesen, sich jetzt in ihrem Glauben und ihrer Politik erschüttern. Während Landgraf Philipp vom Papst mit dem Ausdruck hoher Freude darüber beehrt wurde, dass er "gegen die gottlosen Lutheraner " für den christlichen Glauben so klug und standhaft gekämpft habe, erklärte er selbst seinem Schwiegervater Georg: "das Evangelium bringe keinen Bauernaufruhr, welches jetzt muss Luthers Lehr genannt werden, sondern allein Friede und Gehorsam". Das Werk der Reformation behielt hier unter dem Andrang so verschiedenartiger Gegner festen Bestand und schritt vorwärts, ja eben vom jetzt an legte jene Fürsten erst recht entschieden und kräftig selber Hand dabei an. 
105          Auch so aber blieb der Bauernkrieg ein schweres Verhängnis für die Entwicklung der Reformation, wie für die politischen und sozialen Zustände Deutschlands. 
106          Während der Versuch, Luthers Lehre im Deutschen Reich zu unterdrücken, bisher besonders durch die Furcht vor einer grossen Volksbewegung zurückgehalten worden waren, schien jetzt ihren Gegnern des Beweis geliefert, dass eine solche recht wohl mit blutiger hand sich niederwerfen lasse. Hiernach verfuhren sie fortan auf ihren eignen Territorien vollends rücksichtslos; und wohl mochten sie sich fragen, ob nicht die Auflehnung ketzerischer Fürsten und stolzer Städte gegen einen Reichsbeschluss durch die Gewalt des Kaisers und die Majorität der Reichsstände ebensogut gebrochen werden könne, als zuerst Sickingen mit seinen adeligen Genossen und nun auch die so furchtbar drohenden Bauernscharen erlegen waren. 
107         Auf den Gebieten ferner, wo die Reformation fortlebte und fortschritt, war doch ihr jugendlicher erster Aufschwung oder ihre schöne Frühlingszeit sichtlich dahin. Namentlich in Luther selbst liessen die bittern Erfahrungen, die er von den ersten Wittenberger Unruhen und den Zwickauer Propheten an bis zu dem blutigen Treiben Münzers und der Bauern gemacht, einen schweren, unauslöschlichen Eindruck zurück. So vertrauensvoll er einst an sein Volk sich gewandt und ihm die christliche Freiheit und das allgemeine Priestertum gepredigt hatte, so streng und scharf verbindet sich jetzt mit seiner Lehre, deren Inhalt derselbe bleibt, die Vorsicht und der Argwohn (724) gegen den "Herrn Omnes" und gegen jede Strömung der äusseren Ordnung und Disziplin. Er erhielt freilich auch nachher noch genug neuen Anlass hierzu. Dankbar ergriff er hiergegen fortan auch für die kirchlichen Angelegenheiten die Hand der evangelischen Obrigkeiten. 
108        Für eine umfassende Neugestaltung des Deutschen Reiches in Einheit mit einer religiösen Neubelebung der Nation, wofür auch Luther ein so warmes Herz gezeigt hatte, blieb jetzt ohnedies keine Hoffnung mehr. Luther äusserte, nachdem die Bauern zur Ruhe gebracht waren: "das Aussehen Deutschlands ist nie kläglicher gewesen als jetzt". (n108

Noter:

n3:  Spal. Menck. 1112.

n5:  Förstem., N. Urkundenb. 275ff. -- Jörg a. a. O. 280 erdreistet sich zu sagen: "Von Kurfürst Friedrich scheint kaum anders angenommen werden zu können, als dass er dem drohenden Triumph der Rebellen mit Befriedigung entgegensah".

n6  NM 12,210f. Krumhaar, Grafschaft Mansfeld 152.

n12:  Seck 2,9. Lke. 155ff. Die Anwesenheit in Stolberg ist sichergestellt durch die Eintragungen im Ratsjahrbuch und in den Ratsrechnungen von 1525, vgl. Zeitsch. d. Harzver. 17,160. 203. Nach Wallhausen wurde L. durch den Freiherrn von Asseburg aus Eisleben abgeholt; hier also war er wieder zu Ende April (wann sollte er nun in Jena und Orlamünde gewesen sein?) -- Br. 651f (E 5,164). Myk. 51. -- EA 65,43; 24,306; 25,7. C 3, 171f.

n20:  Br 2, 652ff. (E5, 164: L. pflegt Rühel seinen Schwager zu nennen; wir wissen jedoch nicht, in welcher Weise sie verschwägert waren).

n22  NM 211. Krumhaar 153. EA 65,44

n23:  Br 2,667. 659 (E5, 170) Spal. Nachl. 68.

n24:  EA 39,115f.

n25:  EA 24,287ff.

n40:  E 5, 177. Besseres glaubte Landgraf Philipp über Münzers Ende bezeugen zu können: ZKG 4,418. -- StKr 1896, 146ff.

n44:  Spal. Menck. 1113. -- EA 65,14ff. NM 12,207f. -- G. Droysen, Zur Schlacht bei Frankenhausen, in Ztsch. f. preuss. Gesch. u. Landeskunde 10,509ff. -- Seidem. Münzer 146f. Rühel bei Seck. 2,13; E 5, 177. -- Spal. b. Tzl. 2, 361. - Zahl der Getöteten: Br 3, 22. 13 (E 5, 227, 204f). Spal. Menck. 1137; auch Erasmus (Scult. Annal. 1, 278): 100.000; andere übertrieben 3- 400.000 (so auch Lang, Luther 185)

n47:  EA 65,12ff.

n54:  StKr 1896, 141ff. Kolde Anal. 674ff. -- Br 2,669. 671. (E 5, 181ff.) 3,1.

n69:  Br 3,1 (vom 15. Juni; gleich nachher wird die Abfassung des Sendbriefs anzusetzen sein). 10 (E 5, 200). -- EA 24,309ff. Am 1. Aug. verschickt Spal. (Schlegel, Vita Spal. 219, Neudeck. Abschr.) Exemplare von L.s Sendbrief an Müller. Nach Lang a. a. O. 188 wäre "deutlich", dass L. für die Teilnehmer am Aufstand, die nicht vor der Schlacht sich ergeben haben, keine Gnade, sondern allgemeine "Niedermetzung ohne Erbarmen" fordert: er scheint die oben angeführten Worte EA 24,332f: "Ich sage noch einmal etc" nicht gelesen zu haben, obgleich er andere Sätze von S. 333 anführt (L. aber bittet eben an jener Stelle alle Leser: "dass sie wollten doch mein Büchlein recht ansehen und nit so überhin fahren"). Gegen Janssen, An m. Kritiker 112f, vgl, mein "Luth. u. Janssen" 27. -- Zur Fortdauer des Aufstands Br 3, 13. 19f. (E 5, 204ff. 223f.).

n75:  br 3,16. WA 19,375. 630ff. EA 42, 34. 22, 254f.

n86:  Br 3,21 (zuw Datum E 5,227) 18 (v. 19 Juli E 5, 220) 28f. 33, 94f. 120. 137 (E f, 240. 249. 323. 366f) Bk 78f. 85f (E 5, 193f) 88 (E 5, 241ff) CR 1, 751. Krafft 57. EA 64,404. 408. Erasm. Alber, Wider die verfluchte lere der Carlstadter Bl. liij. Mth. VI (ed. Lösche S. 116). Br 3,21 (E5, 226) wird jetzt meist von Cellarius verstanden, s. d. folg. Anm. Bedenken erregt bei der Deutung auf Carlstadt das perf "fuit" -- "tractavi", da Carlst. beim Schreiben des Briefs dann noch in L.'s Haus gewesen sein müsse. Aber es darf angenommen werden, dass L. ihn nur kürzere Zeit im eignen Hause beherbergte, ihn dann aber mit Weib und Kind in der Nähe untergebracht hatte, vgl. den Gruss an L.s Frau in dem Briefe E5, 239; da ist Carlst. ausserhalb Wittenberg; er schreibt, um L. nicht im Schlaf zu stören, ist also so nahe, dass er ihn -- aber nur nächtlicher Zeit -- sprechen könnte; er ist am Tage vorher bei ihm gewesen ("ut hesterno die ... rogavi"). Jäger (795) a. a. O. Steiz, Arch. f. Frankfurts Gesch. N. F. 5,53. 68. Die Nachricht bei Alberus u. Math. über Carlstadts Aufenhalt bei Luther kann nicht aus der angeblich missverstandenen Briefstelle E5, 226 abgeleitet werden, da dieser Brief erst 1622 bekannt gewesen ist; sie muss aus Luthers Hause sebst stammen. -- Zu beachten ist auch, dass Luther in seiner Fürbitte für Carlst. an Kurf. Johann 12. Sept. 1525 (br 3,28) den jetzigen Aufenhaltsort desselben mit völligem Stillschweigen übergeht, obgleich er ihn sicher kennt.

n89:  Den "homo miser" in Br 3,21 (E5, 226) kan ich nicht mit Köstlin auf Cellarius beziehen, da dieser nach seiner Selbstbiographie gar nicht über Wittenberg, sondern von Württemberg, bzw. von der Schweiz aus über Österreich, Polen, Danzig nach Königsberg gezogen war und nur davon berichtet, dass er im Frühjahr 1526 wieder bei Luth. gewesen ist; von dieser seiner Anwesenheit redet Melanchthon CR 1, 755f (etwa März 1525); vgl. Riggenbach, Martin Borrhaus 11ff.

n96:  Dessauer Bündnis: Seidem. in ZhTh 1847, 638ff. Friedensburg, Zur Vorgeschichte d. Gotha-Torgauischen Bündnisses. Marb. 1884, 11f. E5, 206, 266. -- Erzbisch. Albrecht: Br 2, 616, 667 (hier ist im Orig. im letzten Satz hinter "An den" der Name herausgeschnitten. Gemeint ist Erzbischof Albrecht; vgl. E5, 179) 670. 673. 678. (E5 105, 186ff) TR 3,308. Rühel: Seck. 2,20. Cochl. ad ann. 1526.

n98:  NM 15 1 189ff. Br 6, 59ff. (E 5 237f. 243f.).

n108:  Br 3,22 (E 5, 227)